Alles für den Wohlstand - Europas Umgang mit Flüchtlingen aus Afrika

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Wenn sich zwei nationale „Hardliner“ wie Nicolas Sarkozy und Silvio Berlusconi zusammensetzen, um über Flüchtlinge zu debattieren, können Einfühlungsvermögen und moralische Aufrichtigkeit nicht erwartet werden. So ist es nicht verwunderlich, dass beide nur zu einem Ergebnis kommen konnten: Verstärkte Kontrollen (oder besser gesagt Abschirmung) an den EU-Außengrenzen durch die europäische Grenzpolizei Frontex. Hätten beide Thilo Sarrazin zu diesem Treffen eingeladen, der zum „Schutz vor Massenflucht“ eine Aufstockung der Marine gefordert hatte, wäre die Runde perfekt gewesen.

Diese Forderungen sind beschämend und untermauern den von Elias Bierdel zu Recht angemahnten „Verrat der eigenen europäischen Werte“ (der Freitag, 3. März 2011). Doch dieser Verrat zeigt sich nicht nur im Umgang mit den um ihr Leben fürchtenden und flüchtenden Menschen (denn es sind in der Tat Menschen und keine Fracht, falls es der ein oder andere vergessen haben sollte), sondern im Umgang Europas mit dem afrikanischen Kontinent schlechthin. Des einen Freud ist des anderen Leid – oder anders ausgedrückt: Des einen Wohlstand ist des anderen Armut. Und genau bei diesem Vorgehen hat sich Europa, z.B. durch Agrarsubventionen der eigenen Erzeugnisse gegenüber afrikanischen, in den letzten Jahren von seiner besten Seite gezeigt. Wir saugen den Kontinent aus und schauen weg, wenn die von uns Ausgebeuteten sich unter Lebensgefahr auf den Weg machen, um ihren Anteil zurück zu holen.

Wem unser Umgang mit Afrika immer noch nicht transparent geworden ist, der blicke zurück auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Während des Milliardenspektakels hatten die Einheimischen keinen Zutritt, um in den Stadien und „Fan-Areas“ ihre Produkte zu verkaufen. Im Gegenteil: Sie wurden beseitigt, in eigens für dieses Event erbauten Slums am Stadtrand ver(Fracht)et, damit den „Besuchern“ aus wohlhabenden Industrienationen der Anblick des Elends erspart bleibt.

Doch die Wahrheit lässt sich nicht auf Dauer vertuschen. Und so zeigen uns die überfüllten Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer unsere Grausamkeit der Unterdrückung in vollem Ausmaß. Wer da mit Frontex und Abschirmen der EU-Außengrenzen argumentiert, ist ein Menschenverächter und Egoist übelster Sorte. Wir haben diese Entwicklung mitgefördert, um unseren Wohlstand zu mehren. Wer das abstreitet, der ist zudem ein Lügner.

mr.h-man

16:49 28.05.2011
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mr.h-man

"Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen." (Hannah Arendt)
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