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Plagiatsaffären Der diesjährige Eurovision Song Contest zerfiel in zwei Teile: Loreen-Nachahmer und aufrichtige Folklore-Interpreten
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Es gab einen Moment, irgendwann nach dem Auftritt der Vorjahressiegerin Loreen mit einem Medley ihres 2012er Siegertitels und einiger neu produzierter Titel und mitten im Schnelldurchlauf der 2013er Titel, als auch der nicht darauf trainierte Hörer merken konnte: Moment mal, das kenn ich doch. Nun waren Cascada und ihr Beitrag "Glorious" nicht der einzige Fall eines mehr oder minder dreisten Plagiats. Die diesjährige Ausgabe des Eurovision Song Contest zerfiel mehr oder weniger in Loreen-Nachahmungsversuche und schöne Folklore.

Da gab es also auf der einen Seite den typischen Dancebeat, gefeatured auch beim Siegertitel "Only Teardrops" von Emmelie de Forest aus Dänemark, und auf der anderen Seite den Beitrag Griechenlands "Alcohol is free". Ein Schelm, wer bei letzterem nicht einen Kommentar zur Euro-Krise und speziell zur Situation des südeuropäischen Landes mitdenkt.

Folkloristisch - soweit man die Songs eines Eros Ramazotti mittlerweile als italienisches Nationaleigentum betrachten könnte – ging es auch beim Song des Abends zu. Schöner als Marco Mengoni mit "L`essenziale" war lange kein italienischer Troubadour dahingeschmolzen. Und das Publikum gleich mit.

Warum nun Cascada sogar noch hinter Großbritanniens letztem Aufgebot Bonnie Tyler ins Ziel kam? Eine Rache für Merkels Politik ist das gewiß nicht. Dafür ist der Grand Prix bei aller länderübergreifenden Punktezuschieberei zu politikfern. Aber schon Lenas zweite Teilnahme am ESC in Düsseldorf war ja ein Versuch, einen einmal erzielten Erfolg auf Gedeih und Verderb zu wiederholen. Die Kopie wollte Europa nicht, auch nicht bei der blonden "Loreen" aus Deutschland.

Wie geht's also richtig? Das bleibt "überwältigend unbeantwortbar" (Benn). Beim Siegertitel aus Dänemark hatten die Produzenten einen gehörigen Schuß keltische Folklore ins Arrangement gespritzt. Die Mischung macht's eben.

P.S.: Vielleicht wird der ESC ja jetzt ein Wettbewerb der kurzen Wege. Vom diesjährigen Austragungsort Malmö nach Kopenhagen ist es dank der Öresundbrücke ja nur ein Katzensprung.

15:07 20.05.2013
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Geschrieben von

MS2012

Angestellter, Printmedien, 43 Jahre alt. Hobbies: Musik machen, Musik hören und Lesen, Lesen, Lesen
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