RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 12.10.2020 | 12:55

Um das Thema „auserwählt-sein“ geht es eigentlich nicht primär, sondern um die jeweilige „Hilfe“ – Aber ich gebe Ihnen recht: Solche Textzeugnisse können objektiv und subjektiv, von Innen und von Außen, ganz unterschiedlich bewertet werden. Es ist an der Stelle vielleicht auch einfach angezeigt/wahrzunehmen, was auf der reinen Textebene da geschieht, was in diesen Texten „arbeitet“, oder anders formuliert: „wirkt“.

Selbst ein Immanuel Kant sagte von sich:

„Alle Bücher, die ich gelesen habe, haben mir den Trost nicht gegeben, den mir dies Wort der Bibel gab: 'Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.'“

RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 10.10.2020 | 22:33

Dass Sie ausdrücklich auf Kinder Bezug nehmen, finde ich bemerkenswert und freut mich. (In links-liberalen Kreisen ist das Thema, finde ich, immer etwas unterbelichtet, und ich habe bis jetzt nur eine vage Vermutung/Theorie, woran das liegen könnte.)

„die guten Gründe, um zuversichtlich zu sein, sehe ich derzeit eben nicht“

Zuversicht: Der „Witz“ bei einer spirituellen Zuversicht, wie sie sich in den alttestamentlichen Psalmen des frühen Israel präsentiert, ist freilich ein Stück weit, dass gerade in absolut hoffnungsloser Situation diese Zuversicht zu- und ausgesprochen ist: also genau da, wo es „eigentlich“ nichts zu hoffen gibt.

Da gibt es ja sehr eindrückliche, „lustige“ Stellen, in dieser besonderen poetischen Sprache, die diesen jahrtausendealten Texten ja eigen ist.

Die jeweilige Hoffnungslosigkeit wird dabei auch ordentlich drastisch ausgedrückt, z.B.:

Ich liege unter den Toten verlassen,

wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, /

Mein Freund ist nur noch die Finsternis.

(Ps 88,6b.19)

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, /

alle meine Gebeine haben sich zertrennt;

mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs…

Ich kann alle meine Knochen zählen

(Ps 22,7.15.18)

Gleichzeitig dann aber auch wieder Stellen voller „Zuversicht“, wie Ps 23, um nur eines der bekannteren Beispiele zu nennen:

Ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück; denn (usw.)

(Ps 23,4)

Das sind Texte, die schon seit über 2.200 Jahren „wirken“.

„Ein täglicher Psalm ist eine gute Medizin für Zuversicht.“

RE: Große Städte Frankreichs fordern 5G-Stopp | 09.10.2020 | 13:39

„Auch in der Provinz und in kleineren Städten gibt es öffentliche Debatten zum Thema“

Das Traurige ist, dass die Presse nicht darüber (oder mit vorgefertigter Meinung) berichtet.

RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 09.10.2020 | 01:37

Lieber Chuwawa,

ich teile Ihre Empörung über alle Ungerechtigkeiten auf der Welt, über Konflikte, Kriege. Deshalb mag ich sehr die Stellen im Neuen und im Alten Testament, die die „Friedenstifter“ hochhalten. Oft benötigt es dafür „nur“ den richtigen Moment. Für einen realistischen, auf das Machbare bezogenen Politikstil ergeben sich daraus, je nach Situation ja ganz verschiedene Konsequenzen – und Optionen. (Politik als Kunst und Kreativität des Möglichen.)

Allerdings finde ich, dass Sie in der Aufzählung zu viel in einen Topf werfen – und etliches unstatthaft vermengen. Da würde ich es in der Tat mit @denkzone8 halten, dass da mehr zu differenzieren ist.

Aus verschiedenen Gründen, die bereits angedeutet sind, bin ich der Ansicht, dass es schon jetzt gute Gründe gibt, Zuversicht zu haben.

RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 09.10.2020 | 01:36

Der Hinweis auf Abraham gefällt mir und freut mich.

https://www.freitag.de/autoren/mschuetz/quellen-des-judentums-vertrauen

Auf Ihre Aufzählung antworte ich mit einem aktuellen Zitat:

„Jeder Krieg hinterlässt die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat. Krieg ist ein

Versagen […] der Menschheit, eine beschämende Kapitulation“.

– Aus der neuen Sozialenzyklika von Papst Franziskus –

RE: Große Städte Frankreichs fordern 5G-Stopp | 08.10.2020 | 19:17

„Ich würde mir aber auch nicht das Handy jeden Tag 5 h ans Ohr legen“

Ja, es gab ja diese Empfehlung, nachts das Handy auszuschalten und nicht auf den Nachttisch zu legen.

Selbst Apple hat empfohlen, Handys nicht direkt an den Kopf zu halten…

Was aber tun, wenn Strahlung einen permanent umgibt, zuhause und unterwegs, egal ob man überhaupt ein Handy hat?

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@gelse dürfte recht haben, dass zwischen der Abstrahlung einer Hochspannungsleitung und der Strahlung im Mobilfunk ein Unterschied besteht.

RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 06.10.2020 | 17:34

Vielen Dank für die Nennung des Arguments. („Dreißigjähriger Krieg“). Das verdient einmal eine längere Behandlung. Denn da gibt es etliche Zerrbilder, die, oft aus Unwissenheit, zäh und kontinuierlich kolportiert werden. Hier nur kurz einige Stichworte.

Zunächst: Der dreißigjährige Krieg war 1618, Luther trat 1517 an die Öffentlichkeit. Da liegen also 100 Jahre dazwischen. Schon allein deshalb ist es sehr fragwürdig, Luther hier irgendeine Art von Verantwortlichkeit zuzuschieben (zumal: s.u.). Es ist auch unter Historikern durchaus umstritten, ob das 1618 nicht im wesentlichen vor allem „weltliche“, dynastische Auseinandersetzungen waren. Aber das ist alles, wie gesagt, nocheinmal eine andere Baustelle.

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Bei Luther selbst ist es so, dass er sagte „Wer Krieg anfängt, der ist im Unrecht“:

- „Den Frieden kauft man nie zu teuer, denn er bringt dem, der ihn kauft, großen Nutzen.“

- Lange Zeit vertrat Luther die Meinung, dass ihm und der lutherischen Seite nicht einmal ein Widerstandsrecht zustehe, wenn die andere Seite zu den Waffen greift und Gewalt anwendet.

- Gewalttätige Aggression ging nun allerdings von Kaiser Karl V. aus, historisch ist das ja nun ganz klar und eindeutig: Die Verhängung der „Acht“ war die Ankündigung gewaltsamer und kriegerischer Mittel. Deshalb muss man leider sagen: Eine Hauptverantwortung trägt der Kaiser, der entschied, diese Sache gewaltsam zu lösen versuchen.

- „Sine vi, sed verbo“ war die Devise der Reformation („Ohne Gewalt, allein mit dem Wort“). Dessen ungeachtet führte der Kaiser 1546 einen Angriffskrieg (wenn Sie so wollen einen Religionskrieg) gegen die Evangelischen.

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Etliches davon ist heute Schnee von Gestern.

Heute ist man interkonfessionell in vielem ja viel weiter! Sie können sich das schon daran klarmachen, dass es 2017 bei den Reformationsfeierlichkeiten / dem Reformationsgedenken ökumenische Veranstaltungen gab, bei denen Katholiken und Evangelen ganz gelassen, gekämmt und zivilisiert gemeinsam in einem Raum saßen. Manche sagen, dass gerade der ökumenische Charakter das Bedeutsamste der Feiern 2017 war. Es gibt lehramtliche gemeinsame Texte (z.B. eine wichtige „Gemeinsame Erklärung“ von 1999 – mit der zwar auch nicht gleich alle Fragen gelöst sind, die aber ein sehr stabiles Fundament gelegt hat), die auch international intensiv rezipiert wurden.

Es gibt in Deutschland vielerorts die solide arbeitende ACK. Die Frontstellungen von damals sind in vielem längst nicht mehr die heutigen: Es war damals ein anderes Papsttum als heute.

(Das wird schon an dem Detail deutlich, dass unter den Sätzen, die die damalige Bannbulle verurteilt hat, z.B. ein Satz Luthers war, mit dem er sich gegen einen damals geplanten Angriffskrieg des Reiches Richtung Osten wandte.)

Es gibt evangelisch-katholisch heute also viele Überschneidungen. Meine Antwort auf Ihren Beitrag hat auch deshalb so lange gedauert, weil ich die letzten zwei Tage mit dem Lesen und Studieren der insgesamt doch sehr schönen und starken neuen Sozialenzyklika beschäftigt war. (Ein wirklich starker Text, mit vielen starken Sätzen und Aussagen.)

RE: Themen der Reformation: Zuversicht | 03.10.2020 | 13:13

„Wessen versehen Sie sich? Könnte es auch versehentlich eine Illusion sein?“

Beide Fragen sind berechtigt. Deshalb ist ein gewisses Maß der Bereitschaft zur Selbstkritik, auch der Selbstrelativierung, jedenfalls des kritischen Nachfragens sicherlich immer hilfreich.

RE: Es braucht ein anderes Internet | 26.09.2020 | 13:18

Deshalb: Es braucht ein anderes Internet.