Es braucht ein anderes Internet

Kommentar Mit der jetzigen Form der Digitalisierung schaufelt die Gesellschaft ihr eigenes Grab.
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Als hierzulande die „Corona App“ flächendeckend eingeführt werden sollte, war man sich einig: die Risiken sind enorm. Das Programm speichertgenaue Angaben, wer ist gerade wo, wer ist noch an diesem Ort, wie lange ... Eine kurze, intensive Diskussion, dann war klar: Diese Daten sollte niemand haben. Zu groß ist die Missbrauchsgefahr.

Irritierend dann aber, dass gleichzeitig Mobilfunkanbieter genau solche Datensätze, teils ungefragt, an Regierungsbehörden übergaben. So etwa in Österreich der Anbieter A1 Telekom Austria. Derartige Datensätze existieren also.

Sie fallen schlicht bei den Anbietern der Infrastrukturen an. Was vom Internet gilt, dürfte bald vom „Internet of Things“ (IoT) genauso gelten. Es wird mit solchen Datensätzen kommerziell gehandelt. Niemand kann folglich wissen, wer Zugriff darauf hat. Das mag ein biederer Versicherungsmakler sein. Das können „Konkurrenzunternehmen“ sein. Es können Kriminelle sein. Alle Versuche, das bisherige Internet gegen solche Machenschaften abzusichern, sind fehlgeschlagen.

Es gibt keinen Grund, in einem Haus mit schiefer Architektur wohnen zu bleiben. Es gibtkeinen Grund, dass das Internet so aufgebaut ist, wie es momentan gebaut ist. (Früher kam man in Deutschland alle paar Kilometer an einem Schlagbaum vorbei. Heute dagegen kommt man von Koblenz nach Berlin, ohne sich unterwegs aufhalten zu lassen). Wer in einer Wohnung lebt, in die es durch das Dach regnet, sollte ausziehen, wenn der Vermieter sagt, er kann und will nichts ändern. Wer einen Tresor kauft, dessen Tür als einbruchsicher gilt, aber der Boden hat so große Löcher, dass die Geldscheine wie durch ein Rost nur so ins Bodenlose fallen, der muss den Tresor wegwerfen.

Das alte Internet kann nicht repariert werden.

Es braucht ein anderes Internet.

23:25 23.09.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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