Über Zahlen (2)

Statistiken Warum werden kommerzielle Minderheiten bevorzugt?
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Schleichwerbung hat Konjunktur. Schaut man in Deutschland eine durchschnittliche Nachrichtensendung, hört man regelmäßig: „Herr Soundso hat bei Twitter mitgeteilt...“ Das ist eine unerlaubte, wettbewerbsverzerrende Werbeleistung. Schläft die Justiz?

Bei Twitter Inc. handelt es sich um ein kommerzielles, auf Gewinnmaximierung angelegtes Unternehmen, wie die Verantwortlichen nicht müde werden zu betonen. Für Facebook Inc. gilt dasselbe. Aus diesem Umstand leiten diese Firmen auch regelmäßig ab, dass sie ein Recht auf rein eigennützige, allein dem Unternehmenswohl verpflichtete Maßnahmen hätten.

Bekanntermaßen sind die Geschäftspraktiken aber höchst fragwürdig.

Twitter hatte in Deutschland 2017 circa eine Million aktive Mitglieder. Dazu zählen zwar z.T. besonders engagierte medienaffine Menschen und Multiplikatoren – sowie von anderen Unternehmen abgestellte Social Media Manager. Aber rechtfertigt das eine dauerhafte Schleichwerbung für diese ausgewählten Anbieter? Letztlich gibt es auch Wettbewerber wie GNU Social oder (einst) StudiVZ. (Die massive Werbung und Unterstützung von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen für Facebook hat vermutlich wesentlich zur Insolvenz von StudiVZ beigetragen.)

Und damit nicht genug. Fast jedes Medienportal setzt auf seinen Webseiten permanente Links zu den genannten Diensten. Ein Unternehmen und eine Randgruppe von 1 Million Menschen sorgt dafür, dass sie auf jeder Medienseite präsent sind!?

Korrekterweise müsste eine Meldung in öffentlich-rechtlichen Medien lauten: „Herr Soundso hat in Sozialen Medien mitgeteilt…“, oder „Herr Soundso hat in einer Kurzmitteilung bekanntgegeben…“, oder einfach: „Herr Soundso hat mitgeteilt...“ Und permanente Verlinkungen auf Facebook oder Twitter gehören: gelöscht.

(Denn sonst) stellt sich eine Frage…

18:14 06.11.2018
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