RE: Das abgespaltene Gute | 30.10.2017 | 12:33

Ich halte es schlicht für falsch, dass Linke das Gespräch über Religion scheuen. Das ist eine Behauptung, für die der Autor des Beitrages den Beweis schuldig bleibt!

Wenn die Praxis das Kriterium der Wahrheit ist (und daran besteht wenig Zweifel), dann wurde unsere Welt noch nie durch mehr Religion besser, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, wie wir schmerzlich aus der Geschichte lernen dürfen. Jahrtausende lang war Religion ein Herrschaftsinstrument zur Unterdrückung, nicht zur Befreiung des Menschen. „Gottgewollt“ waren die Kriege, in die Menschen geschickt wurden, „gesegnet“ die eingesetzten Waffen. Noch im ersten Weltkrieg stand „Gott unseren Helden bei“. Diejenige Religion, die unschuldig ist, hebe die Hand und bestärke uns im Glauben an sie! An allem ändert auch die Tatsache nichts, dass der einzelne religiöse Mensch sich in aufopferungsvoller Weise für seine Mitmenschen einsetzt und so „Gott dient“. Das hat weniger mit Religion zu tun, sondern gründet sich vielmehr auf verinnerlichter Nächstenliebe.

Ganz zaghaft beschreiten wir nun einen Weg, auf dem sich die Religion vom Staatswesen trennt, vollzogen ist diese Trennung aber leider, leider noch lange nicht. Warum sonst kommen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk katholische und evangelische Weltsichten als „Wort zum Tag“ unters Volk, aber nie buddhistische, jüdische, hinduistische oder gar atheistische oder agnostische?

Das Buch, auf das sich die christliche Religion beruft, ist voll von Texten, die zum Töten anderer auf grausamste Weise aufrufen. Nur werden diese Textstellen wohlweislich nie in Sonntagspredigten benutzt. Ein tausende Jahre altes Buch kann eben doch nur sehr bedingt Antworten auf aktuelle Fragen liefern. Ich weigere mich zu akzeptieren, dass der Glaube an eine wie auch immer geartete übernatürliche Macht die (alleinige) Basis für Mitgefühl und ethisches Handeln sein soll oder gar, wie der Beitrag suggeriert, „universelle Probleme“ anspricht.

Trotz all dem schließen sich „links sein“ und über „Religion sprechen“ für mich in keiner Weise aus. Das „Gute“, was immer es sei, hat seine Basis eher nicht in der Religion, sondern im Humanismus.

Nicht mehr Gottgläubigkeit sondern mehr Menschlichkeit ist gefragt.

RE: Andere Wende | 04.09.2017 | 06:45

Die DDR und alles was in den vierzig Jahren ihres Bestehens geschah, zu diskreditieren, gehört zur Mentalität der moralischen Sieger, nicht nur jener westlich der Elbe. Danke an Karsten Krampitz für die zweifellos intelligente Analyse. Während man allerorts nach Aschenputtel-Manier versucht, die Ostdeutschen in die bösen Systemnahen und die guten Widerständler zu sortieren, gibt es bis heute ja offenbar nur die moralisch stets auf der richtigen Seiten stehenden Altbundesbürger. Dass die Welt so einfach nicht ist, zeigt Herr Krampitz in seinem Text. Es gab einen bunten Blumenstrauß an möglichem Verhalten in der DDR. Gerade im letzten Jahrzehnt war vieles an kritischem Denken und Handeln möglich. Was man nicht konnte war, das System als Ganzes in Frage zu stellen. Damit ist die ehemalige DDR aber offenbar in guter Gesellschaft zum jetzigen System. Wer heute den Rahmen des Grundgesetzes (viele halten es ja für unsere Verfassung, über die aber nie das Volk abstimmen durfte) überwinden möchte, kommt auch schnell an seine Grenzen.

Normalerweise werden solche Beiträge wie der von Karsten Krampitz gar nicht auf Papier gedruckt. Seine differenzierte Betrachtung ist unbequem und gerade deshalb dringend nötig. Danke an den Freitag für seinen Mut zur Meinungsvielfalt!

RE: Den „Findling“ wiederentdecken | 27.07.2017 | 17:51

Antiquarisch ist das Buch bzw. die gesamte Tetralogie ausreichend und preiswert verfügbar. Viel Freude beim Schmökern...

RE: Wie eine Dampfwalze | 04.07.2017 | 06:09

Danke an Daniela Dahn für die kluge Analyse. Dieser Kanzler hat die Ostdeutschen von Anfang an verkohlt. Die meisten von ihnen waren leider taub für kritische Argumente gegen die schnelle Vereinigung. Helmut Kohl schaffte es in kürzester Zeit, das altbundesrepublikanische Kartell aus Verwaltungsbürokratie und kapitalistischer Wirtschaft dem Osten überzustülpen. Dafür muss man ihm nicht danken.

RE: Nichts hören, nichts sehen, aber urteilen | 12.06.2017 | 10:28

Nicht verschwunden, eher unter dem Berg allgemeiner Wohlstandsansprüche verschüttet.

RE: Nichts hören, nichts sehen, aber urteilen | 11.06.2017 | 12:42

Was unsere Gesellschaft bitter nötig hat, ist Bildung. Nicht die des Hirns, sondern die des Herzens, Herzensbildung, Güte und Mitmenschlichkeit. "Seid nicht gerecht sondern gütig!" schrieb einst Bruno H. Bürgel. Daran mangelt es massiv in unserer Welt. Ich bezweifle, dass diese Art Bildung gelehrt werden kann. Sie kann m.E. nur im kleinen Kreis vorgelebt werden, in der Familie, zwischen Freunden, im Alltag.

RE: Die japanische Julie Zeh, | 11.06.2017 | 12:33

Sehr interessanter Buchhinweis, danke dafür. Es ist das alte Lied: die Menschen wollen Gerechtigkeit und aber bekommen den Rechtsstaat. Das kann sehr verstörend sein, weil gelegentlich das Gerechtigkeitsempfinden auf der Strecke bleibt.

RE: Ein Herz für die Lausitz | 02.06.2017 | 06:15

Danke für die freundlichen Worte. Ihn kennenzulernen ist kein Problem, denn inzwischen hat er sein Herz nicht nur an die Landschaft geheftet, sondern auch seine Pensionswirtin geheiratet. In der kleinen und sehr gemütlichen Pension kann man schöne Urlaubstage verbringen.

RE: Esau, Matthes Kulka und das Pferd Heidi | 04.05.2017 | 06:53

Vielen Dank, da bin ich ganz bei Ihnen. Beide Teile Deutschland hatten und haben Wesentliches zur Kultur beizutragen und die Beschäftigung damit erleichtert das gegenseitige Verstehen, auch und gerade für Jüngere, die die Teilung nicht mehr selbst erlebt haben.

Es gibt eben z.B. jenseits der gängigen Klischees eine erhaltens- und erinnerungswerte Literatur, die von den Absichten aber auch den Irrungen der gesellschaftlichen Entwicklung kündet. Daraus können wir noch heute lernen.

RE: Atomkrieg wird wieder denkbar | 21.04.2017 | 08:14

Bedrohlich: die Ignoranz der Mächtigen ist unermesslich geworden.