Alles nur Theater

Buchpremiere Vom schreibenden Schauspieler
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Während der Buchpremiere im Cottbusser Piccolo-Theater, Foto: Matthias Stark.

Das Foyer des Piccolo-Theaters in Cottbus platzte aus allen Nähten. Stühle wurden herangetragen, die Plätze wurden knapp. Geladen hatte der Schauspieler Michael Becker zur Premiere seines fünften Buches. Und alle kamen, die ihn seit Jahren kennen und verehren: Freunde, Zuschauer, Leser, Kollegen von vor und hinter den Kulissen. Und Michael Becker enttäuschte seine Gäste nicht. Gemeinsam mit Klaus Wilke, der den Abend moderierte, den Schauspieler befragte und der auch das Vorwort zum Buch verfasste, unterhielt der Mime das Publikum in gewohnt kurzweiliger Weise.

Michael Becker kann auf ein erlebnis- und ereignisreiches Leben zurückschauen. Nach dem Schauspielstudium in Leipzig waren die Theater in Görlitz und Zittau, das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen sowie bis heute das Staatstheater Cottbus Stationen seiner künstlerischen Laufbahn. In über 220 Rollen brillierte er auf den Theaterbühnen. Die Spielstätten passen zu dem Lausitzer Original, er ist mit Leib und Seele in dieser Gegend verwurzelt und mit ihren Menschen verbunden.

In seinem mittlerweile fünften Buch, das den Titel „Wahres, Schnurren, Anekdoten“ trägt, erzählt der Schauspieler von dem, was vor und hinter dem Theatervorhang passieren kann. Da kommt einiges zusammen, was zum Untertitel „Alles nur Theater“ passt. Und große Namen werden erwähnt, mit bekannten Größen spielte Micha Becker bereits zusammen. Vieles im Theateralltag hat eine ungewollte Komik entwickelt, die den Kunstbetrieb auf die Bühne des Lebens zurückholt. So ist der ungewollt entfleuchte Furz während einer Sterbeszene oder die Souffleuse, die ihren Text nicht findet, urkomisch und tragisch zugleich. Und spätestens, wenn sich Micha Becker in der Semperoper Dresden im Vorhang verirrt, sodass ihn der Inspizient vermisst, weiß der Zuschauer und Leser, dass es im Leben eines Schauspielers kaum etwas geben kann, was verrückt genug wäre, um nicht zu geschehen.

Der Schauspieler begann vor einigen Jahren, Geschichten aus seinem Leben aufzuschreiben. Er entwickelt im Laufe der Zeit als Autor ein sicheres Gespür für Pointen. Seine kurzen Texte sind auf das Nötigste reduziert und zeigen doch ein ganzes Universum künstlerischer Ausdrucksformen. Die Texte spiegeln das Seelenleben eines Künstlers, der mitten im Leben steht und den eine klare Haltung zu den Geschehnissen in der Welt auszeichnet. Und mit dieser hält er auch nicht hinterm Berg. Mit seinem neuen Buch stellt Michael Becker unter Beweis, dass er nun den Beruf des Schriftstellers genauso auszufüllen vermag wie den des Schauspielers.

Es war spät geworden im Piccolo-Theater. Fast drei abwechslungsreiche und amüsante Stunden lang wurden Geschichten erzählt und vorgelesen, wurden Anekdoten zum Besten gegeben. Und einige der Zuhörer erkannten sich in den kurzen Texten wieder, so beispielsweise die langjährige Garderobiere des Schauspielers, die ihm irgendwann bescheinigte, aufgrund von Körperfülle nicht mehr ins Kostüm zu passen. Es gibt eben Wahrheiten, die einfach nur komisch sind.

Zum Gelingen des Abends trugen nicht zuletzt die beiden Musiker Mario Heß und Philipp Standera bei. Sie sangen und spielten sich in die Herzen der Zuschauer. Michael Becker hatte ein glückliches Händchen, als er diese beiden Künstler bat, ihn bei seiner Buchpremiere zu begleiten. Und er stellte gemeinsam mit ihnen unter Beweis, dass er selbst eine interessante Singstimme sein eigen nennen kann.

Die Buchpremiere wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben, lässt sie doch durch den kurzen Blick auf das Geschehen hinter den Kulissen jenes vor ihnen mit einem listigen Augenzwinkern anschauen.

Michael Becker „Wahres, Schnurren, Anekdoten – alles nur Theater“, Illustrationen von Meinhard Bärmich, ISBN 978-3000561962

19:56 16.10.2017
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