Aprilsommer

Glück Jenseits vom Alltag
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Ein Sonntag, an dem die Natur zu explodieren scheint. Überall Grün, die Bäume leuchten schneeweiß. Das Mandelbäumchen im Garten hat seine rosa Zartblätter schon auf der Wiese verstreut. Walderdbeeren blicken uns mit großen Blütenaugen an. Stellenweise leuchtet der Ginster bereits hellgelb. Im Saftgrün der Wiesen stehen Scharbockskraut und Buschwindröschen einträchtig beisammen. Und am Bächlein nahe des Weihers ist die Sumpfdotterblume bereits erwachsen geworden. Ihr Gelb ziert den Bachlauf und zieht unsere Blicke an.

Das Thermometer zeigt im Schatten 23 Grad an. Viel zu warm für die Jahreszeit, sagt der Wettermensch im Radio. Gerade richtig, die Temperatur, sagen wir uns. Ein ganz sachter, sanfter Wind streicht über die Feldmark. Die Amseln führen hoch im Geäst einen Sängerwettstreit durch. Der Gartenrotschwanz ruft nach einem Weibchen, unermüdliches Liebeswerben allenthalben. Ein warmer Sommertag mit Vogelkonzert in der Kulisse abertausender Blüten.

Als wir den Wald betreten, springt ein Rehbock auf und sucht das Weite mit großen Sprüngen. Sein Geweih ist im Bast. In der Ferne bellt er noch einmal seinen Unmut in die Welt. Als wir im Tal ankommen, sehen wir einen Kranich in einiger Entfernung im Grün der Wiese stehen. Er bemerkt uns sofort und lässt uns nicht mehr aus den Augen. Vielleicht ist irgendwo in der Nähe sein Gelege. Wir gehen zum Bach. Unsere Stiefel werden feucht. Der Kranich erhebt sich in die Luft und streicht ab. Mit kräftigen Flügelschlägen und einem Trompetenruf fliegt er über das Feld, in welchem sich der Raps gerade mit zartem Gelb am Blühen versucht.

Wir gehen am Bachlauf entlang. Das Wasser gurgelt über Kies und Steine, im Licht der Sonne blitzt und glitzert es. Der Schachtelhalm wächst hier und bildet bereits einen kleinen Wald zu unseren Füßen. In einiger Entfernung steht eine Eiche im Feld. Sie ist schon eine junge Erwachsene, wird sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem Prachtexemplar entwickeln, wenn man sie lässt. Das erste Laubgrün ziert sie bereits. Als wir unter ihr stehen, können wir die zarten Eichenblätter erkennen, noch winzig, werden sie im Laufe der nächsten Wochen zu Eichenlaub heranwachsen, das im Sommer ein schützendes Dach bilden wird und das dann erst im nächsten Jahr abfällt. Wenn alle anderen Laubbäume ihre Blätter schon abgeworfen haben werden, wird der Herbstwind mit dem dann braunen Laub an den Zweigen Zwiesprache halten.

Nicht weit entfernt ruft ein Bussard. Wir sehen ihn und einen zweiten durch das Fernglas. In seiner Nähe hält sich ein Kolkrabe auf, der die Bussarde immer wieder attackiert. Der Rabe sieht im Bussard einen Feind. Furchtlos greift der etwas kleinere Vogel immer wieder an. Der Bussard indes versucht, den Attacken auszuweichen. Mit wendigen Flugmanövern entzieht er sich den Angriffen. Dabei führt er sogar ein ums andere Mal eine Drehung in der Luft durch. Aber es hilft ihm nicht. Der Kolkrabe treibt die Bussarde letztlich vor sich her und aus seinem Revier hinaus. So ist es manchmal im Leben, der scheinbar Unterlegene trägt den Sieg davon.

Auf den Fischteichen tummeln sich Stockenten. Der Erpel ist bemüht, unsere neugierigen Blicke auf sich zu lenken. Er will sein im Schilf offenbar brütendes Weibchen vor uns schützen. Als wir näherkommen, fliegt das Paar aber doch auf. Es kommt noch mehrmals zurück und hält Ausschau nach uns. Es möchte nicht, dass wir uns dem versteckten Gelege nähern. Immer wieder überfliegen die beiden den Teich. Wir wollen nicht stören und gehen weiter.

Oben im Blau zieht ein Flugzeug seine Bahn gen Süden. Zu weit weg, um es zu hören, zu hoch, um es deutlich erkennen zu können. Es bringt Urlauber in ferne Länder. Ob sie dort ebensolche Schönheit erleben werden, wie wir hier unten? Unsere Augen trinken das Glück eines Aprilsommertages, es ist ganz in unserer Nähe zu finden.

20:03 23.04.2018
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