Matthias Stark
17.01.2017 | 19:18 2

Der letzte Mondmann

Raumfahrer Gedanken zum Tod von Eugene Cernan

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Matthias Stark

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Eine Legende ist tot. Eugene Cernan starb im Alter von 82 Jahren. Der NASA-Astronaut flog im Jahr 1972 mit Apollo 17 zum Mond und verließ ihn am 14. Dezember als bisher letzter Mensch, der den Mond betreten hat. Aber Gene war auch noch Rekordhalter in anderer Hinsicht. So war er der Einzige, der in zwei Mondlandefähren unterwegs gewesen ist, nämlich mit Apollo 10 und Apollo 17. Er legte mit dem Mondmobil während seines Aufenthaltes auf der Mondoberfläche die bisher weiteste Strecke zurück, vierunddreißig Kilometer insgesamt. Und er gehörte zu den Menschen, die sich mit der bisher größten Geschwindigkeit von 39879 km/h relativ zur Erde bewegten. Cernan war insgesamt drei Mal im Weltraum: im Jahr 1966 im Gemini 9, 1969 mit Apollo 10 und schließlich 1972, als er mit Apollo 17 auf dem Mond landete. Schon mit Apollo 10 näherte er sich der Mondoberfläche bis auf 14 Kilometer, beim Wiederaufstieg gab es technische Probleme. Eine Landung war bei dieser Mission noch nicht vorgesehen.

Alles in allem war Cernan ein Mann der Superlative. Einer jener mutigen Männer, die dem Aufruf ihres Präsidenten folgend den Mond betraten und sicher zur Erde zurückkehrten, eine heute schier utopisch anmutende Reise. Leider geht die Menschheit derzeit mit dem Vermächtnis der Weltraumpioniere nicht gerade sorgsam um. Da spielt, wie in so vielen Lebensbereichen, das Kosten-Nutzen-Denken eine große Rolle. Für visionäre Projekte, wie sie die Mondlandung zur damaligen Zeit darstellte (und heute wieder darstellen würden), bleibt da wenig Raum. Das öffentliche Interesse an der (bemannten) Raumfahrt scheint eher gering, zu erdrückend sind die Probleme auf der Erde geworden. Und trotzdem könnte gerade auch die Raumfahrt zur Lösung ebendieser Probleme beitragen zu können. Nie war das Bewusstsein für die Verletzbarkeit unseres Planeten so groß wie heute, und das nicht zuletzt deshalb, weil wir auch und gerade durch die Raumfahrt einen Außenanblick unserer Erde gewonnen haben. Alle Raumfahrer berichten von der Schönheit der „blauen Blume im All“ (Hanns Cibulka). Und eben genau die Raumfahrt fordert und fördert, wie die Wissenschaft insgesamt, das Verständnis für internationale Zusammenarbeit über Ländergrenzen, über sprachliche, religiöse und weltanschauliche Hürden hinweg.

Auch wenn viele Menschen denken, erst müssten alle irdischen Probleme gelöst, alle Konflikte beseitigt werden, ehe der Mensch das Recht hat, ins All aufzubrechen, unterliegen sie doch einem Trugschluss. Denn mit diesem Argument dürften weder Kunst ausgeübt, Bücher geschrieben oder Sport getrieben werden. Wenn das Tun nur und ausschließlich nützlich sein darf, dann verliert der Mensch als der Primat mit dem größten Bewusstsein seine Daseinsberechtigung. Gerade die Beschäftigung mit dem Nicht-Nützlichen, die visionäre und intellektuelle Herausforderung lassen jene Seite in uns reifen, für die es lohnt, zu leben. Raumfahrt ist auch eine Kulturleistung!

Wir stehen heute vor Herausforderungen, von denen frühere Generationen sich kaum ein Bild machen konnten. Verschmutzung der Weltmeere, Klimawandel und zur Neige gehende Ressourcen sind nur die Spitze jenes Eisberges, der die uns nachfolgenden Generationen vorrangig beschäftigen wird. Von den politischen Konflikten, die unseren „Wohnstern Erde“ gefährden, ganz abgesehen. Und doch kann diesen Problemen unzweifelhaft nur durch internationale Kooperation, durch Zusammenarbeit aller, begegnet werden. Und hier bietet die Weltraumfahrt einen großartigen Ansatz für zukunftsweisende Technologien, wissenschaftliche Entdeckungen und menschliche Herausforderungen.

Mutige Männer, wie Eugene Cernan und die vielen anderen Kosmo- und Astronauten, stellten sich dieser Herausforderung und nahmen sie an. Sorgen wir dafür, dass ihr Erbe in gute Hände gelangt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (2)

Aussie42 18.01.2017 | 06:31

1983 haette das ein sinnvoller Beitrag sein koennen.

Heute fasst man sich beim Lesen an den Kopf.

Wo leben Sie denn Herr Stark? Die amerikanische Weltraum Industrie ist doch laengst privatisiert. Klappt nicht, aber das ist ja meist so. Die Investoren werden schon nicht zu kurz k0mmen.

Dieser tote Offizier doch nur ein Leitfossil aus dem Kalten Krieg.