Nusskacker-Suite

Verhöhrt In Funk und Fernsehen versprochen
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Klaus Feldmann während der Lesung, Foto: Matthias Stark

Freitagabend, irgendwo in Sachsen. Eingeladen hat der Heimatverein und gekommen sind zahlreiche Besucher. Zu Gast ist einer, der bereits vor Jahren quasi in allen Wohnzimmern zu Hause war, der omnipräsent per Bildschirm in die guten Stuben flimmerte: Nachrichtensprecher und „Mr. Aktuelle Kamera“ beim Fernsehen der DDR, dem späteren DFF, Klaus Feldmann.

Der im Jahr 1936 geborene Journalist stellt an diesem Abend sein Buch „Verhörte Hörer“ vor. Er berichtet darin über Pannen und Versprecher vor Mikrofon und Kamera, die ihm und vielen seiner Kolleginnen und Kollegen im Laufe ihrer Karriere passiert sind. Er plaudert jedoch auch aus dem Nähkästchen, lässt die Besucher hinter Kulissen blicken und gibt so manche Story aus der Geschichte des Nachkriegsrundfunks und der DDR-Zeit zum Besten. Dabei kommen viele bekannte Namen der damaligen Zeit zur Sprache: Irmgard Düren, Herbert Küttner und Heinz-Florian Oertel seien stellvertretend genannt.

Klaus Feldmann war das „Nachrichtengesicht“ der DDR. Er verlas seinerzeit jene Texte, mit denen die Bürger des östlichen Ländchens über das Geschehen in der Welt informiert wurden. Er tat dies in einer sehr unverwechselbaren und seinem charismatischen Wesen entsprechenden Art. Und obwohl vermutlich nicht alle Zuschauer und Hörer mit dem Inhalt der Nachrichten konform gingen, wurde der Sprecher jener Nachrichtentexte insgesamt vierzehn Mal zum Fernsehliebling gewählt. Da kann einer wirklich stolz auf sein Tun sein.

An diesem Abend wird auch klar, dass sich die Tätigkeit der damaligen Sprecher und Ansager von den heutigen in einigen Punkten deutlich unterscheidet. Während es früher weitgehend um die sachliche Vermittlung von Nachrichten ging, wird heute, besonders im Fernsehen und da insbesondere bei den Privaten, die Nachrichtensendung mehr und mehr zum Entertainment, zur Unterhaltung. Damals sollte und durfte die persönliche Meinung des Sprechers weder durch Mimik und Gestik noch verbal zum Ausdruck kommen. Heute wird die reine Nachricht oft von einem Kommentar des Sprechers ergänzt, was eigentlich deplatziert ist. Klaus Feldmann sieht das diplomatisch so: „Es ist eben eine andere Zeit heute.“

Der Journalist macht keinen Hehl daraus, dass er manches, was heutigentags über Funk und Fernsehen verbreitet wird, eher kritisch betrachtet. Gerade Sprachschludereien und Anglizismen sind weit verbreitet, von banalen Inhalten ganz abgesehen. Und deutlich wird auch, dass es in der damaligen Zeit einfach dazugehörte, sein Handwerk zu beherrschen und es von der Pieke auf zu erlernen, während es derzeit wohl jede Menge Quereinsteiger gibt.

Mit herzhaftem Lachen und viel Beifall quittiert, ließen die Anekdoten so manches aus dem damaligen Funk- und Fernsehalltag wieder aufleben. Klaus Feldmann machte darauf aufmerksam, dass Versprecher keinesfalls ehrenrührig sind. Im Gegenteil, zeigen sie doch, dass die Nachrichten in den Medien von Menschen aus Fleisch und Blut gelesen werden. Beinahe legendär schon die Geschichte von der Nusskacker-Suite, die ja bekanntlich von Peter Tschaiskowski stammt…

Der ehemalige Frontmann der Fernsehnachrichten war über ein Vierteljahrhundert lang bei der „Aktuellen Kamera“ beschäftigt. Noch heute steht er zu dem, was damals sein Beruf und seine Berufung war. Er gehört jener Generation an, die sich nach 1945 von zwei Dingen leiten ließ: nie wieder Krieg von deutschem Boden aus und Frieden für die Welt.

Trotz Fehlern und Versprechern, im Großen wie im Kleinen, kann Klaus Feldmann auf ein erfülltes, ereignis- und erlebnisreiches Leben zurückblicken. Das ist viel in Zeiten von gebrochenen Biografien, Umbrüchen und politischen Wendungen.

06:21 11.10.2017
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