Wir könnten es wissen

Himmlisch Was wir von unseren Nachbarn lernen können
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Eben ist die Sonne untergegangen, ein heißer Tag neigt sich seinem Ende. Wieder über dreißig Grad im Schatten, und wieder kein Regen. Ein tiefblauer Abendhimmel ohne jede Wolke wölbt sich über den Feldern. Auf ihnen dorren seit Wochen die verkümmerten Ähren von Gerste und Weizen. Der Westhorizont ist tiefrot gefärbt, ein sanfter Abendwind geht über das Land und versucht, etwas Kühlung zu bringen.
Bevor die Sterne sichtbar werden, ist am Westhimmel der Abendstern zu sehen. Hell leuchtet die Venus im Blau. Mit einem Teleskop ist zu erkennen, dass der Planet wie unser Mond deutlich Phasengestalt zeigt. Derzeit haben wir noch nicht vollkommen „Halbvenus“. Wir schauen von der Erde aus nicht auf die Oberfläche des Planeten. Seine undurchdringlich dichte Atmosphäre aus Kohlendioxid versperrt den Blick. Sie ist die Ursache für den gewaltigen Treibhauseffekt auf unseren Nachbarn. Auf der Oberfläche der Venus herrschen Temperaturen zwischen vierhundert und fünfhundert Grad und ein Atmoshärendruck, der bis zu 90 mal höher als der irdische ist. Alle Messinstrumente, die je mit Raumsonden zur Venus entsandt wurden, verloren schnell ihre Funktionsfähigkeit. Ein unwirtlicher und lebensfeindlicher Planet.
Nur kurze Zeit später leuchtet der Mars als rötlicher, heller Punkt im Südosten auf. Ein Blick durch das Teleskop erreicht hier aber die Oberfläche des äußeren Nachbarn. Zu sehen sind Gebiete mit unterschiedlicher Helligkeit. Während die Venus fast so groß wie unsere Erde ist, hat der Mars nur einen Durchmesser von etwa halber Erdgröße. Dafür dauert auf ihm ein Tag nur siebenunddreißig Minuten länger als bei uns. Seine rötliche Färbung stammt vom Eisenoxid auf der Oberfläche, die dünne Atmosphäre besteht zum größten Teil aus Kohlenstoffdioxid. Die maximale Temperatur liegt zwischen zwanzig und dreißig Grad, die Durchschnittstemperatur ist bei minus fünfundfünfzig Grad eher im frostigen Bereich angesiedelt. Ebenfalls ein unwirtlicher und nicht gerade einladender Ort.
Der äußere wie der innere Nachbar unserer Erde lädt nicht zu längerem Verweilen ein. Die Bedingungen sind eisig und tödlich, auf dem Mars deutlich weniger dramatisch als auf der Venus. Die Erde bietet für uns die genau richtigen Umweltbedingungen für das Überleben. Leider haben wir Menschen es verlernt, diesen Umstand zu schätzen. Wir sind dabei, unseren Wohnstern massiv zu verändern. Der Klimawandel bewirkt das Ansteigen der Temperatur auf der Erde. Der Raubbau an der Natur führt zu einem Artensterben ungeahnten Ausmaßes. Monokulturen und intensive Landwirtschaft lassen ganze Landstriche zu „grünen Wüsten“ werden, auf denen nur wächst, was dem Menschen dienlich scheint. Die Meere sind mit Plastikmüll überfrachtet, was zu nicht vollkommen abseh- und abschätzbaren Konsequenzen führen wird.
Obwohl es längst noch nicht jeder glaubt, ist doch die Wahrscheinlichkeit, dass durch unser Handeln der Planet Erde seiner Wohnlichkeit beraubt wird, recht hoch. Zumindest ist menschlicher Einfluss stark anzunehmen. Wie kann das, was wir seit Beginn der Industrialisierung in die Luft blasen und das wir einzuatmen gezwungen sind, folgenlos für den Planeten bleiben?
Würde Bewohner auf dem Mars unserem Treiben zuschauen, käme ihnen irdische Beschäftigung im Angesicht der globalen Zukunftsprobleme lächerlich und kleinlich vor. Vermag ein Blick durch ein Fernrohr auf Venus und Mars die Politik in die Lage versetzen, über den irdischen Tellerrand hinauszuschauen, sich den wirklichen Problemen zu widmen? Leider fürchte ich, sie werden nicht durchschauen wollen, wie weiland die Kurie nicht durch Galileis Teleskop schaute und abstritt, was es zu sehen gab.
Unsere Erde darf sich nicht zu einer zweiten Gluthölle wie die Venus und keinem zweiten leblosen Planeten wie den Mars entwickeln.
Schnelles und globales Handeln ist gefragt, und zwar jetzt.

22:09 26.07.2018
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