RE: 1973: Alles Platte | 29.11.2018 | 14:49

Modulbauweisen und Baukastenstrategien sind schon lange normal in der modernen Industrie. Sie werden nur kaschiert, weil eine Ästhetik, die sich zur modularen Vorfertigung und variantenreichen Endmontage bekennt, nicht konsumkapitalistisch kompatibel ist.

Alle unsere materiellen Alltagsbedürfnisse könnten in gleicher individueller Qualität, und im vollen Umfang befriedigt werden - mit einem viel geringeren Ressourcenverbrauch.

Beim Plattenbaukasten im Wohnungsbau ist die Möglichkeit, individuelle Lösungen aus Modulprogrammen zu generieren, aber bisher nur ansatzweise realisiert worden. Experimente und Versuchsbauten hat es in der Geschichte viele gegeben. Man muss fragen, warum davon so wenig weiterentwickelt wurde.

RE: Freiheit tötet | 29.05.2018 | 20:51

Eine wirklich mal substanzielle Buchbesprechung. Zu einem Thema, das für mich zu den elementarsten gehört, mit dem sich Menschen, die sich selbst verstehen und mit ihrem Leben, mit anderen Menschen klar kommen wollen, beschäftigen müssen. Sie haben mir keine Lust gemacht, dass Buch zu lesen, eher Furcht davor erzeugt. Aber auch den unbedingten Willen, es zu tun. Danke.

Die Überschrift „Freiheit tötet“ stammt ganz sicher nicht von Ihnen, oder? Ich habe den Eindruck, manche Themen liegen dem Textredakteur nicht so. :-)

RE: Aufstand der bösen Körper | 11.01.2018 | 11:38

"Auch da belässt der Autor die Handlungsoptionen und die Begründungen bei den 'Weißen' oder gibt es keine 'schwarzen' Unternehmer?"

Das ist ein Missverständnis. Das bezog sich auf Darstellungen zur Mitte des 19. Jh.s. Zu der Zeit gab es tatsächlich fast keine afroamerikanischen Unternehmer. Und gemeint sind hier vornehmlich "weiße" Abolitionisten. Der Autor berichtet und zeigt Zusammenhänge. Ein Beispiel für die interessengeleitete Anwendung von Ideologie.

RE: Aufstand der bösen Körper | 11.01.2018 | 11:29

Das Problem, dass Kritik an und Kampf gegen gruppenbezogene Diskriminierungen als zweitrangig gegenüber sozialen bzw. Klassenkämpfen angesehen wird, behandelt Kendi in seinem Buch an vielen Stellen. Es gab solche Auffassungen u.a. auch bei Leuten aus der Kommunistischen Partei, überhaupt in der Arbeiterbewegung, bei Gewerkschaften. Er kritisiert das, so wie das z.B. ja auch von Angela Davis kritisiert wurde.

In diesem Streit darüber, das zeigt schon die Art, wie das umstrittene Problem definiert wird, darüber also, was wichtiger sei, den Kapitalismus klassenkämpferisch zu überwinden, oder die in ihm diskriminierten Gruppen zu emanzipieren, zeigen sich Verkürzungen und Simplifizierungen auf beiden Seiten. Die einen erwarten, dass sich in der Auflösung des Klassenwiderspruchs alles andere von selbst erledigt, die anderen setzen die Prioritäten andersrum.

Kendi bietet in seinem Buch einen Schlüssel dafür an, über diesen toten Punkt hinaus zu kommen. Er stellt nämlich die diskriminierende Ideologie nicht abstrakt als Übel dar, erklärt sie nicht aus allgemeiner Niedrigkeit, Charakterschwäche oder Unaufgeklärtheit, sondern stellt sie in einen Zusammenhang mit Politik, Ökonomie und gesellschaftlicher Praxis. Wer Rassismus abschaffen will, muss erkennen, warum es ihn gibt. Wer die Gesellschaft im Ganzen verändern will, muss erkennen, wie sie funktioniert und wie ihre Machtstrukturen auch mit Hilfe von Diskriminierungsideologien wie Rassismus aufrechterhalten werden. An dem Punkt könnten sich alle treffen. Und es gibt durchaus „Land in Sicht“, will sagen, es gibt Feministinnen, die das so sehen. Tove Soiland z.B. oder Frigga Haug. Es gibt auch Linke, die wissen, dass man einen Obama als politische Figur kritisieren und ihm als Menschen für bestimmte Gesten Anerkennung zollen kann. Die also die Personifizierung der Verhältnisse nicht für zielführend halten. Die sogar sehen, dass in ihr der Ansatz für rassistische oder sexistische Verachtung steckt.