RE: Furnier für Freiheit | 13.10.2019 | 12:01

Über Design und Architektur ausschließlich nur als stilistische Gestaltung (Styling) reden zu können, bei der den Architekten oder den Designern als spezielle professionelle Kompetenz das Einschreiben von Bedeutungen (z.B. ideologischen Aussagen oder öfter noch gefühletriggernder Symbolik) zugeschrieben wird, ist die verbreiteste Auffassung von selbigen. Sie sitzt so fest, dass jemand wie Sie einen Text wie meinen nur durch diese Brille lesen kann. Sie können das Demokratische auch nur als kommunikativen Bedeutungsgehalt verstehen. Es ging Designern wie Horn oder Architekten wie z.B. Hannes Meyer aber HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN!

RE: Furnier für Freiheit | 13.10.2019 | 11:43

Wenn das, was ich schrieb, "so furchtbar persönlich genommen" klang, dann das wohl nun auch: Nein, es gibt mehr als nur "wenige Ausnahmen" im BRD-Design der 50er bis 70er Jahre. Inwieweit das die allgemeine Alltagskultur direkt beeinflussen konnte, ist eine andere Frage - das trifft auf Ost UND West zu. Das westdeutsche Design hat z.B. mit der HfG Ulm eine Institution hervorgebracht, deren internationaler Einfluss und nachhaltige Wirkungen denen des Bauhauses nicht nachstehen. Und nur noch EIN weiteres Beispiel. Die ganze Welt nutzt Apple-Geräte und hält sie für ein Highlight zeitgenössischen Designs. Jonathan Ives, langjähriger Apple-Chefdesigner, hatte EIN Vorbild vor Augen - Dieter Rams, ehemals Chefdesigner von BRAUN.

RE: Furnier für Freiheit | 11.10.2019 | 09:55

Ja, man findet diese Wohnungs- bzw. Hausaufteilungen sogar noch im Umkreis des Bauhauses. Zum "Haus am Horn" (1923) in Weimar hatte Fritz Wichert geschrieben: „Hier ist ein Haus für Marsbewohner, und wenn wir sagen, es wecke Sehnsucht, so soll in diesem Sinn gemeint sein: Sehnsucht nach der Zukunft und nach einem Leben ohne Wirrwarr und Ballast.“ Aber aufgeteilt war es doch noch in Bereiche "für den Herrn" und "die Dame".

RE: Furnier für Freiheit | 11.10.2019 | 09:49

Vorweg: Meine scherzhafte Bemerkung war freundlich (!)-ironisch gemeint. Mir scheint aber, dass Sie die Sicht des Textes auf die Dinge der praktischen Gestaltung nicht nachvollziehen können. Ihre Bemerkung vom "'modernen' stil" verrät das. Um Stil - also Styling - geht es überhaupt nicht. Es geht darum, wie Gestalter darauf eingehen, was die sog. Nutzer mit den Dingen TUN, nicht, wie sie sie ANSCHAUEN! Leute wie R. Horn oder Hans Gugelot, sein "Westkollege", dessen Möbelsystem M125 Auch eine Anregung für MDW 60 gewesen sein mag, stehen eher zufällig in der Tradition z.B. der Ästhetik des Futurismus. Kunstrichtungen wie Futurismus oder Konstruktivismus haben auf die sich entfaltende industrielle Gesellschaft interpretierend reagiert. Gugelot, Horn & Co. haben sie (später) human und ganz pragmatisch zu gestalten versucht. Die formalästhetischen Bezüge sind äußerlich. Das ideologisch zu interpretieren ist oft versucht worden. Beispiele sind der Moderne-Hass der Nazis (heute in neuer Blüte bei AfD & Co.) und der stalinistische Affront gegen den sog. "international style". Geht nur, wie gesagt, wenn man eine stylistische und ideologisierte Aufassung von Design und Architektur hat.

RE: Furnier für Freiheit | 10.10.2019 | 13:21

Ich stelle Sie mir in einem halbmeterdick gepolsterten Ohrensessel vor, einen schweren ledergebundenen, goldgeprägten Band der Encyclopaedia Britannica auf der handgewebten Wolldecke über den Knien, und über Francis Drake nachlesend. Sehr anheimelnd. :-)

RE: Furnier für Freiheit | 10.10.2019 | 13:13

Ob B&B und Cassina Klassiker aus der Mitte des 20. Jh. reproduzieren, weiß ich nicht. Wenn Sie aber mal spaßeshalber einen Knoll-Barcelona-Chair von 2019 (6500 $) mit einem Original von 1929 vergleichen (stehen z.B. im Grassi-Museum, Leipzig, oder in Weimar im neuen Bauhaus-Museum ) wird Ihnen letzterer auch als "Abklatsch" von ersterem vorkommen. Nur Antiquitätensammler sehen das anders.

Was das MDW60 angeht, die Elemente der ersten Produktionsphase waren echt furniert und von guter Qualität. Später dann machte der Hersteller immer mehr Abstriche, ersetzte bspw. Furnier durch Dekorfolie.

RE: 1973: Alles Platte | 29.11.2018 | 14:49

Modulbauweisen und Baukastenstrategien sind schon lange normal in der modernen Industrie. Sie werden nur kaschiert, weil eine Ästhetik, die sich zur modularen Vorfertigung und variantenreichen Endmontage bekennt, nicht konsumkapitalistisch kompatibel ist.

Alle unsere materiellen Alltagsbedürfnisse könnten in gleicher individueller Qualität, und im vollen Umfang befriedigt werden - mit einem viel geringeren Ressourcenverbrauch.

Beim Plattenbaukasten im Wohnungsbau ist die Möglichkeit, individuelle Lösungen aus Modulprogrammen zu generieren, aber bisher nur ansatzweise realisiert worden. Experimente und Versuchsbauten hat es in der Geschichte viele gegeben. Man muss fragen, warum davon so wenig weiterentwickelt wurde.

RE: Freiheit tötet | 29.05.2018 | 20:51

Eine wirklich mal substanzielle Buchbesprechung. Zu einem Thema, das für mich zu den elementarsten gehört, mit dem sich Menschen, die sich selbst verstehen und mit ihrem Leben, mit anderen Menschen klar kommen wollen, beschäftigen müssen. Sie haben mir keine Lust gemacht, dass Buch zu lesen, eher Furcht davor erzeugt. Aber auch den unbedingten Willen, es zu tun. Danke.

Die Überschrift „Freiheit tötet“ stammt ganz sicher nicht von Ihnen, oder? Ich habe den Eindruck, manche Themen liegen dem Textredakteur nicht so. :-)

RE: Aufstand der bösen Körper | 11.01.2018 | 11:38

"Auch da belässt der Autor die Handlungsoptionen und die Begründungen bei den 'Weißen' oder gibt es keine 'schwarzen' Unternehmer?"

Das ist ein Missverständnis. Das bezog sich auf Darstellungen zur Mitte des 19. Jh.s. Zu der Zeit gab es tatsächlich fast keine afroamerikanischen Unternehmer. Und gemeint sind hier vornehmlich "weiße" Abolitionisten. Der Autor berichtet und zeigt Zusammenhänge. Ein Beispiel für die interessengeleitete Anwendung von Ideologie.