Chapel Hill - 7 Fragen eines Muslims

USA In der Universitätsstadt Chapel Hill wurden drei muslimische Studenten zwischen 19 und 21 Jahren brutal ermordet und die Welt schweigt und sieht weg.
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http://cdn.abclocal.go.com/content/wtvd/images/cms/automation/images/513870_630x354.jpgDrei amerikanische Muslime wurden in Chapel Hill tot aufgefunden. Die drei sozial engagierten Studenten, der 23-jährige Deah Shaddy Barakat, seine 21-jährige Ehefrau Yusor Mohammad Abu-Salha und ihre jüngere Schwester Razan wurden von Craig Stephen Hicks ermordet. Alle drei Opfer wurden mit Kopfschüssen getötet.

Während die Medien den Opfern bzw. dem Verbrechen keinerlei Beachtung schenkt und die Staatsoberhäupter, die vor wenigen Tagen noch nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Gedenken an die Opfer zusammen marschierten, stillschweigend wegschauen, rollt eine Welle der Solidarität durch die sozialen Netzwerke. Auf Facebook und Twitter beispielsweise wurde den Opfern gedacht. Unter dem Hashtag #MuslimLivesMatter bekundeten viele ihre Trauer und Wertschätzung. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Muslime.

Unbegreiflich sind einige Kommentare von Usern auf Facebook. So heißt es beispielsweise: „Good They should ALL be killed in my opinion“, „Good shot“ oder „Man is a national hero“.

7 Fragen, die ein Muslim stellt:

1) Wo bleibt eigentlich die mediale Empörung über den Mord an den drei ermordeten amerikanischen Muslimen? Warum schweigen die Medien? Passt etwa die traurige Realität der Täter-Opfer-Verteilung nicht?

2) Wir leben in einer Welt, in der das Leben von knapp 1,6 Milliarden Muslimen anscheinend keinen Wert hat! Warum werden diese drei Opfer ignoriert? Oder sind Muslime nur dann medial der Berichterstattung wert, wenn Sie nicht vor, sondern hinter der Waffe stehen, wenn Sie nicht ermordet werden, sondern morden?

3) Müssen sich Atheisten, die vor wenigen Tagen noch von Muslimen eine Distanzierung gefordert hatten, nun nicht auch distanzieren?

4) Wie wäre es wohl andersherum? Wie würde es gerade in der Welt aussehen, wenn der Täter ein Muslim und die drei ermordeten Studenten Nicht-Muslime wären?

5) Ab wie vielen Toten ist es ein Terroranschlag, wenn die Opfer Muslime und die Täter Nicht-Muslime sind? Wann wird ein nicht-muslimischer Täter als Terrorist, und nicht als psychisch Kranker, bezeichnet?

6) 1, 6 Milliarden Muslime sollen sich kollektiv distanzieren, wenn ein Psychopath mordet. Doch wenn ein Nicht-Muslim mordet, tut man sich schwer, zu akzeptieren, dass dieser aus Hass und Feindschaft gehandelt hat. Warum diese Doppelmoral?

7) Wird der Titel der nächsten Ausgabe vom Spiegel oder Focus "Wie gefährlich ist der Atheismus?" heißen?

„Drei Mitglieder einer Familie in den USA erschossen“, schreibt die ZEIT ONLINE. Die wenige Berichterstattung über den Vorfall in Chapel Hill ist ungerecht, unverantwortlich und rassistisch. Entsetzlich ist zudem, dass gerade alles Mögliche unternommen wird, dieses Verbrechen nach einem Parkplatzstreit aussehen zu lassen. Verwunderlich stellt man sich die Frage, ob das wirklich ernst gemeint ist.

Das Verbrechen bezeugt, dass Islamophobie Realität ist. 3 junge, unschuldige Leben hat die Anti-Islam-Berichterstattung der letzten Jahre gefordert. Genug ist genug. Die einzige Frage, die sich Medien, Politiker und Amerikaner jetzt stellen sollten, ist: "Wie können wir nun mit unseren muslimischen Mitbürgern zusammenhalten und wie können wir verhindern, dass dies nicht noch einmal geschieht?"

17:00 12.02.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Mubarez Mumtaz

Student an der Georg-August-Universität Göttingen. 20 Jahre. Blogger. Email: mubarezmumtaz@gmail.com
Mubarez Mumtaz

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