Dirty Talk mit Bischof Mixa

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In der Debatte um sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche hat der jüngste Auftritt des als Orgasmus-Leugner bekannten Augsburger Bischofs Mixa für neuerliche Schlagzeilen gesorgt. Kritiker und Journalisten hatten der Kirche zuletzt Sexualfeindlichkeit unterstellt, die auch Priester in sexuelle Nöte bringe. Dagegen verwehrte sich der streitbare Bischof nun mit deutlichen Worten. Wer bei Kirche und Sex immer nur an verstockte pädophile Priester denke, verkenne die segensreiche Wirkung der kirchlichen Sexuallehre, so der Bischof im Interview. Wer behaupte, die Kirche oder die christliche Lehre seien sexualfeindlich, habe einfach keinen Plan von Dialektik.

Gäbe es in promiskuitiven Journalistenkreisen auch nur halb so viel (Heiden)spaß, so fragt er, wenn es Keuschheitsgebot, Onanieverbot, Verhütungsverbot, Reinheits- und Jungfrauenkult, Dämonisierung und Repressionen niemals gegeben hätte? Was wäre heutige Sex-Kultur ohne jahrhundertelang unterdrücktes Begehren, ohne Sündhaftigkeit und schmutzige Gedanken, ohne Gewissensbisse, Bestrafungsängste, Selbsthass und Auspeitschungen? Eine gesunde sexuelle Orientierung und erfüllte Sexualität wären ohne diese Zutaten klerikaler Unerbittlichkeit schlechterdings nicht denkbar. Erst die Kirche habe geistig-sublimen Schwung und psychologische Raffinesse in die geschlechtlichen Angelegenheiten gebracht, so der Bischof weiter. Die wahre sexuelle Revolution habe die Kirche in die Gänge gebracht. Kurzum: Das Image der Sexualfeindlichkeit trage die Kirche zu Unrecht.

Unterstützung kam derweil von der Beate Uhse AG, einem uneheliches Tochterunternehmen der Katholischen Bischofskonferenz, in einer ersten Reaktion auf die Erklärungen des Bischofs. Die Kirchengeschichte sei eine wahre Fundgrube für die Produktentwickler. Zum Vorteil für den heutigen Verbraucher, dem eine aufregende Vielfalt sexueller Praktiken, vom Auspeitschen über Fetischismus, Bizarre, Sado-Maso, Bondage bis hin zum Exibitionismus zur Wahl stehe. Mit dem Slogan „Wir sind Kirche“ bedankt sie sich das Unternehmen bei der Amtskirche für die zuverlässige, stets triebstauende und drucksteigernde Vorarbeit.

Aus Rom kommen indessen neue Nachrichten über den Umgang des Klerus mit jungen attraktiven Priestern, die gegen Geldzahlungen an Homo-Orgien teilnehmen. Wie der deutsche Kurienkardinal Kasper erklärt, hält der Vatikan folgende Maßnahmen bereit: „Aufräumen, knallhartes Durchgreifen, ernsthafte Reinigung, strenge Bestrafung der Sünder“. Nicht, weil etwa Gewalt im Spiel gewesen sei, man wolle ganz grundsätzlich jede sexuelle Betätigung im Vatikan bekämpfen. Die Schwerenöter! Wir sehen es leibhaftig vor uns: eindringliche Verhöre, Anrufung der Jungfrau Maria, Rosenkranzgebete, scharfe Blicke, Peitschenknallen, inquisitorische Strenge. Neue Höhepunkte des sexualpädagogischen Heilsgeschehens im katholischen Klerus. Perfekter und stimmungsvoller kann man sich Inszenierungen zur Steigerung sexueller Lust kaum vorstellen. Wenn man Kleriker ist – oder klerikal veranlagt.

20:08 07.03.2010
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lausemaedchen | Community