Schwarz-Gelb streitet über Körperpflege

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Das schwarz-gelbe Kabinett stand ummittelbar nach seiner jüngsten Kabinettssitzung am vergangenen Sonntag, in der Dusche des Kanzleramtes vor einer echten Zerreißprobe, wie Agenturen soeben melden. Unterschiedliche Vorstellungen über Körperpflege drohten das verschwitzte und zerraufte Kabinett beim gemeinsamen reinigenden Duschgang handlungsunfähig zu machen. Lange habe die Öffentlichkeit vernachlässigt, was da im Keller des Bundeskanzleramtes nach den Kabinettssitzungen auf Kosten des Steuerzahlers geschehe, so Kenner der Szene, erst ein Aushang vom neuen Hygienebeauftragten der Bundesregierung, Thilo Sarrazin, habe den Fokus der Öffentlichkeit auf die Körperpflege im Kabinett gelenkt. Und zusätzliche Verwirrung und Unsicherheit in die schweißdurchnässte Ministerrunde gebracht.

Bereits bei der Verteilung des Schampoos gab es Unstimmigkeiten. Gesundheitsminister Philipp Rösler sprach sich für eine Kopfpauschale aus, unabhängig von Haarwuchs oder -länge, so wie es ja im Koalitonsvertrag geschrieben stehe. Annette Schawan hingegen zeigte sich mit der Schaum-Bildung unzufrieden, sah aber keine Parallele zum Turboabitur. Die forsche Ministerin Kristina Schröder kündigte an, nicht nur ihre rechten, sondern verstärkt auch ihre linken Extremitäten mit Hochdruck zu reinigen, unabhängig davon, wo sich der Dreck befinde.

Hier flutscht gar nichts. Von Einigkeit und Zusammenhalt ist hier knapp fünf Monate nach Regierungsübernahme nichts mehr zu spüren. Die Visionen fehlen.

Die Koalition solle die Kontroverse beenden und sich auf Lösungen konzentrieren, sprach die Kanzlerin das ersehnte Machtwort und reichte Minister zu Guttenberg ihre Bodylotion. Mit Blick auf zweifelhafte Praktiken der Ministerpräsidenten in NRW und Sachsen stellte sie jedoch klar, dass auf jeden Fall der Eindruck vermieden werden müsse, dass Einseifen und Schmieren bei Politikern zum Alltag gehöre. Da hatte Außenminister Guido Westerwelle allerdings schon wieder Schaum vor dem Mund. Unbeirrt bekräftigte er seine Kritik an anstrengungslosem Duschen nach dem Gießkannen-Prinzip. Wer wie er mehr leiste, solle auch länger und wärmer duschen dürfen!

Umweltminister Röttgen hingegen plädierte dafür, die Restlaufzeit der Duschen in jedem Fall zu begrenzen, während Wirtschaftsminister Rainer Brüderle empfahl, das Schampoo alternativ mit einem 99er Riesling Kabinett runter zu spülen. Verkehrsminister Ramsauer von der CSU zischte in Richtung Westerwelle, der dusche doch längst mit dem Rücken zur Wand und Entwicklungshilfeminister und Reserveoffizier Dirk Niebel (FDP) schlug Dinge vor, die man in der Öffentlichkeit besser nicht schreiben sollte. Ilse Aigner, Ministerin für Verbraucherschutz filmte die komplette Debatte im Duschraum des Kanzleramtes, versicherte aber, dass sie sich an die strengen Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung halten werde. Der Ton werde nämlich vom Minister für absonderliche Angelegenheiten Roland Pofalla nachträglich synchronisiert. Dadurch sei er dauerhaft unverständlich.

23:16 01.03.2010
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