Al-Aqsa-Moschee Teil 1

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Al-Aqsa-Moschee

(die am weitesten entfernte Moschee)
Mit der freundlichen Erlaubnis von Herrn Hakkı Yılmaz.


Al-Aqsa-Moschee: Wie im Koran angegeben, hat dieser Ort in der islamischen Welt eine besondere Bedeutung, da dies der Ort ist, an dem Allah dem Propheten Mohammed einige seiner Koranverse überliefert hat und an den er ihn nachts neben dem Lotusbaum der äußersten Grenze geführt hat, wo er seine erste Offenbarung erhielt.
Im Laufe der Zeit wurden jedoch einige Mythen über die erste Offenbarung des Propheten Mohammed erfunden. Dadurch, dass die Verse in ihrer Bedeutung verfälscht wurden, erhielt diese Offenbarung, beeinflusst durch diese erfundenen Geschichten, einen neuen Sinn, nach dem sich die Auffassungen der Menschen richteten.
Diejenigen, die in Anlehnung an diese nicht belegten Überlieferungen Interpretationen angestellt haben, behaupteten, dass die Al-Aqsa-Moschee der sich heute in Jerusalem befindende Tempel ist und damit der Ort, an den der Prophet Mohammed von Allah hingeführt wurde und von dem er zum Himmel aufgestiegen ist. Diese unwahren Behauptungen wurden kategorisch für richtig erklärt und es wurde veranlasst, dass diese in Büchern aufgenommen wurden. Durch die Verbreitung dieser falschen Informationen und als Resultat der vielen nicht belegten Überlieferungen entstand 90-100 Jahre nach Prophet Mohammed bei den Muslimen der Irrglaube, dass Prophet Mohammed in der Nacht der ersten Offenbarung von der Al-Haram-Moschee (heilige Moschee) in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem gegangen ist, von dort aus in den Himmel gestiegen ist und sich im Himmel mit Allah und dem Erzengel Gabriel unterhalten hat.


Da die damaligen Mekkabewohner den Ort der ersten Offenbarung, den dortigen cenet'ul-me’vâ (Garten der Zuflucht), die Lotusbäume und den Lotusbaum der äußersten Grenze gekannt haben, haben Sie keine Fragen darüber gestellt, wo sich dieser Ort befinden könnte und haben es daher auch nicht so aufgefasst, als ob der Prophet Mohammed in den Himmel gestiegen ist und sich mit Allah oder dem Erzengel Gabriel unterhalten hat.
Wichtige Themen, die die erste Offenbarung des Propheten Mohammed betreffen, wie dass Prophet Mohammed die Offenbarung nicht durch den Erzengel Gabriel erhalten hat, dass Prophet Mohammed nicht in den Himmel gestiegen ist und dass der cennet'ul-me’vâ (Garten der Zuflucht) sich nicht im Himmel befindet, wurden schon in unseren Arbeiten der Bücherreihe Tebyin-ül Kur’an und anderen Schriften von uns ausführlich erläutert. Deshalb werden wir uns hier nur mit der Thematik befassen, wo sich die Al-Aqsa-Moschee befindet.

Der Ausdruck Al-Aqsa-Moschee, der nur im ersten Vers der Sure al-isra (Die Nachtreise) vorkommt, bedeutet „die am weitesten entfernte Moschee”. Damit eine Moschee so bezeichnet werden kann, muss es in dieser Gegend mehr als eine Moschee geben. Gleichzeitig muss sich eine dieser Moscheen weiter vom Zentrum entfernt befinden als alle anderen Moscheen. Sonst wäre dieser Ausdruck aus Sicht der Semantik fehlerhaft.
Weiterhin befindet sich in dem Vers, in dem der Ausdruck Al-Aqsa-Moschee vorkommt, die Stelle „…die Al-Aqsa-Moschee, deren Umgebung wir gesegnet haben“.
Hieraus folgt, dass die Al-Aqsa-Moschee geografisch gesehen am Rande eines „heiligen Ortes” liegt. In diesem Fall sollte deshalb zunächst herausgefunden werden, wo sich dieser heilige Ort befindet, und danach sollte festgestellt werden, wo sich dessen Rand befindet.
Im Koran steht geschrieben, wo sich der heilige Ort befindet: Sure Al-Imran (Das Haus Imrans), Vers 96: „Das erste Haus, das für die Menschen gegründet wurde, ist das zu Bekka (Mekka), das heilige Haus, das ein Segen für die Weltbewohner ist.” (aus der Koranübersetzung von Hartmut Bobzin)
Das bedeutet, dass der heilige Ort die Kaaba ist, mit anderem Namen die Al-Haram-Moschee. Da Al-Haram-Moschee die „Moschee, die sich in einem verbotenen/heiligen/ fruchtbaren Gebiet befindet” bedeutet, müssen zunächst die Grenzen dieses Gebietes, in dessen Zentrum sich die Kaaba befindet, festgestellt werden, um dann auch dessen Randgebiete ermitteln zu können.
In allen Dokumenten, die Mekka und die Kaaba thematisiert haben, wurden die Grenzen des verbotenen/heiligen/fruchtbaren Gebietes wie folgt festgelegt:

- aus Richtung Kaaba nach Medina 4 Meilen,
- aus Richtung Kaaba nach Jemen 6 Meilen,
- aus Richtung Kaaba nach Ta’if 11 Meilen,
- aus Richtung Kaaba zum Irak 7 Meilen,
- aus Richtung Kaaba zum Tal al-Gi’irranah 9 Meilen,
- aus Richtung Kaaba nach Dschidda 10 Meilen.

In diesem Fall muss sich die Al-Aqsa-Moschee direkt außerhalb, am Rande der oben festgelegten Grenzen, befinden.

Aus der Tatsache heraus, dass sich die Al-Aqsa-Moschee, wie auch im Koran beschrieben, direkt am Rand des verbotenen/heiligen/fruchtbaren Gebietes befindet und dass sie zwischen den sich dort befindenden Moscheen aus der Semantik betrachtet die Moschee sein muss, die sich am “weitesten entfernt” zum Zentrum befindet, kommt man zum Ergebnis, dass es eine Moschee gibt, die diese beiden Eigenschaften enthält, von denen in Werken geschrieben wird, die von der Geschichte und Geografie der Stadt Mekka der damaligen Zeit berichten.
Nach den Informationen, die der Islamwissenschaftler al-Waqidi in seinem Buch „kitab-al maghazi” und der Islamwissenschaftler el-Ezraki in seinem Buch „Ehbar-al Mecca” zusammengetragen hat, gibt es in Mekka außer im Gebiet der Al-Haram-Moschee an anderen Plätzen noch weitere Moscheen. Es werden sogar einige Häuser von den Mekkabewohnern als Moscheen verwendet. Eine dieser Moscheen befindet sich oberhalb des al-Gi’irranah Tals, das 9 Meilen von Mekka entfernt ist und deshalb Al-Aqsa-Moschee (die am weitesten entfernte Moschee) genannt wird. Diese Moschee wurde von einem Koreischiten erbaut. Einmal ist der Prophet Mohammed, während er hier in den Weihezustand (ihram) eingetreten ist, zur Al-Haram-Moschee gekommen und hat die Kaaba umkreist.
Nachdem Mekka erobert wurde, haben die Muslime diese kleinen, alten Moscheen nicht restauriert. Trotzdem wurde auf dem Boden dieser Moscheen gebetet, da man sie als ein segenspendendes Heiligtum angesehen hat. (Wir haben die Seiten 958, 959 des dritten Bandes des Werkes, das in der Oxford Universität aufbewahrt wurde, im 4. Band auf S. 292, 293 der Bücherreihe „Tebyinü’l Kur’an” veröffentlicht.) Jedoch sind diese Informationen nur in den alten Ausgaben der oben genannten Werke enthalten und wurden aus den danach erschienenen Ausgaben aus unerfindlichen Gründen entfernt. Der Grund dieser Abänderungen ist unserer Meinung nach höchstwahrscheinlich, dass die Informationen aus diesen Werken der Behauptung, wonach die Al-Aqsa-Moschee der Tempel ist, der sich in Jerusalem befindet, widersprechen. Die Verwerfung dieser Informationen aus diesen Werken wegen der Meinung „Was haben Moscheen in der Stadt Mekka und ihrer Umgebung zu suchen, in einer Zeit vor dem Islam, vor der Offenbarung des Propheten Mohammeds, in einer Zeit, wo das Götzentum verbreitet war“ enthält unserer Ansicht nach einen historischen Fehler. Denn wegen dem Glauben ihrer Vorfahren glaubten die damaligen Mekkabewohner an den Glauben des Propheten Abraham. Auch wenn die religiösen Pflichten wie salat (Gebet), sadschda (Niederwerfung beim Gebet), ruku (Verbeugung beim Gebet) und hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) nicht dem eigentlichen Sinn entsprechend und auch nicht wie im Koran vorgeschrieben ausgeübt wurden, waren sie bemüht, sich an diese religiösen Verpflichtungen zu halten. Folglich sollte man nicht denken, dass Begriffe wie salat (Gebet), sadschda (Niederwerfung beim Gebet) und masdschid (Moschee), was Ort der Niederwerfung bedeutet, erst eingeführt wurden als Prophet Mohammed Gesandter wurde. Weiterhin sollte man nicht an die heutigen Moscheen denken, wenn hier über Moscheen gesprochen wird. So sollten einem die Al-Haram-Moschee (heilige Moschee) und die Al-Nabawi-Moschee (Prophetenmoschee) nicht in ihrem heutigen Zustand in den Sinn kommen, wenn über diese berichtet wird. Diese Moscheen erhielten erst zu Zeiten der Emewiten, Abbasiden, Seldschuken, Osmanen und Saudi-Araber ihre heutige prunkvolle Pracht. Die Moscheen, in denen man zusammen kam, um sich niederzuwerfen und die Gesellschaft in finanzieller und intellektueller Hinsicht zu unterstützen, waren auch für die damalige Zeit sehr einfache aus Lehm oder Holz gemachte Lauben. Wichtig war nicht die Form der Moscheen sondern ihr Verwendungszweck. Zusammenfassend bedeutet das, dass die Al-Aqsa-Moschee nicht die sich in Jerusalem befindende Moschee ist, sondern eine alte Moschee, die sich in Mekka gleich am Rande des verbotenen/heiligen und fruchtbaren Gebietes auf dem Weg nach Taif am Hang des Gi’irranah Tals befindet.
Nachdem geklärt worden ist, wo sich die Al-Aqsa-Moschee aus dem Koran befindet, sollte anschließend auch geklärt werden, um was es sich bei der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem handelt.

Die Moschee in Jerusalem: Bait Al-Maqdis
Die Moschee in Jerusalem, die bei vielen fälschlicherweise unter dem Namen Al-Aqsa-Moschee bekannt ist, wurde von den Propheten David und Salomon errichtet. Diese Moschee, die auch als “Tempel in Jerusalem” bekannt war, wurde, nachdem sie 70 n.Chr. von den Römern niedergerissen wurde, direkt neben den Trümmern neu erbaut. Nach dem Neubau wurde sie lange Zeit von den Juden Ilya Masjid und von den Arabern Masjid-al- Muquaddes oder Bait Al-Maqdis genannt.

Tempel von Jerusalem, ... erster Tempel, wurde während der Herrschaft Salomons, dem Sohn Davids, konstruiert und im Jahr 957 v.Chr. erbaut. Der babylonische König Nebukadnezar II. hat den Bau 586 v.Chr. vollständig niederreißen lassen.... Der Perserkönig Kyros II. (der Große) gestattete 538 v.Chr. den Juden nach Jerusalem zurückzukehren und den Tempel neu zu errichten, der 515 v.Chr. fertig gestellt wurde. Der zweite Tempel wurde ähnlich dem ersten Tempel, aber als ein bescheidenerer Bau errichtet, dessen detaillierter Bauplan leider verschwunden ist..... Der Aufstand, der 66 n.Chr. gegen Rom ausbrach, hat sich in kurzer Zeit auf den Tempel konzentriert...und endete 70 n.Chr. mit der Zerstörung des Tempels durch die Römer. Vom zweiten Tempel ist nur ein Teil der westlichen Mauer übriggeblieben, welcher heute als “Klagemauer” bezeichnet wird... (aus der türkischen Enzyklopädie Ana Britannica, B. 19, S. 420)



Der Tempel, der von den Propheten David und Salomon errichtet wurde, ist im Jahre 70 vollkommen zerstört worden, heute ist nur eine Mauer übrig. Es bestehen neben der Mauer heute noch zwei weitere Bauten, die auf einem Teil der Trümmer des Tempels im 6. und 7. Jahrhundert errichtet wurden. Einer dieser Bauten ist eine Basilika. Sie wurde von dem byzantinischen Herrscher Iustinianos I. errichtet. Nach der Eroberung Jerusalems 638 durch den Kalifen Ömer, wurde die Basilika in eine Moschee umgewandelt. (aus der türkischen Enzyklopädie Ana Britannica, B. 22, S. 304, 305).


Das andere Gebäude ist der Felsendom (qubbat as-sachra). Er wurde vom Kalifen Abd-al Malik ibn Marwan im Jahre 691 gleich nördlich neben der Moschee, die der Kalif Ömer errichten ließ, erbaut (aus der türkischen Enzyklopädie Ana Britannica, B. 19, S,411).

Einigen Quellen zufolge hat Abd-al Malik ibn Marwan aus taktischen Gründen gegen Abdallah ibn az-Zubair, der als Gegenpart zu ihm in Mekka zum Kalifen ausgesprochen wurde (aus der türkischen Enzyklopädie Ana Britannica, B. 1, S. 32) und der sich mit ihm in politischer Auseinandersetzung befand, dem Gebäude, das vom Kalifen Ömer in eine Moschee umgewandelt wurde, als Gegenstück zur Al-Haram-Moschee in Mekka den Namen Al-Aqsa-Moschee gegeben.
Erwiesenermaßen hat die Al-Aqsa-Moschee ihren Namen erst mindestens 50 Jahre nachdem der erste Vers der Sure al-isra (die Nachtreise) herab gesandt wurde, von Abd-al Malik ibn Marwan erhalten. Deshalb ist es unmöglich, dass die Moschee in Jerusalem die gleiche Al-Aqsa-Moschee ist, von der im Koran berichtet wird. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass die Stadt Jerusalem und die Umgebung im Koran im 3. Vers der Sure „Die Römer” als Edna -l- Arz (nächstliegendes Gebiet) dargestellt und nicht aqsa (entfernt) genannt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Vermeidung eines eventuellen Irrtums ist, dass es zwischen den Begriffen aqsa, muquaddes oder maqdis hinsichtlich Bedeutung und Struktur keine Bindung gibt.
Doch nachdem der Name, den Abd-al Malik ibn Marwan der Moschee gegeben hatte, bekannt wurde, war es für diejenigen, die die vorher beschriebenen Erfindungen in die Welt gesetzt haben, nicht mehr schwer in die Bücher aufnehmen zu lassen, dass die Al-Aqsa-Moschee, die im Koran vorkommt, die Al-Aqsa-Moschee ist, die sich in Jerusalem befindet.
Letztlich wurde dies seitdem leider auch von der muslimischen Bevölkerung akzeptiert, und es wurde unmöglich, das Gegenteil zu behaupten, zu erläutern und sogar zu denken. Das Merkwürdige daran ist, dass der Name „Al-Aqsa-Moschee“ nur in drei Überlieferungen vorkommt und in denen nicht erwähnt wird, wo sich diese Moschee befindet. Dahingegen wird in den Überlieferungen, die den Tempel in Jerusalem betreffen, dieser immer mit dem Namen „Bait al-Maqdis” benannt.
Bevor wir zu diesen Überlieferungen kommen, möchten wir Sie zunächst auf die folgende Thematik hinweisen. Unserer Meinung nach sollte jeder Muslim sich in dieser Thematik sehr gut auskennen.

Hier geht es zum zweiten Teil>>>

Verfasser: Hakkı Yılmaz

Übersetzerin: Zuhal Flesch

Mustafa Çelebi

20:16 14.12.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Muhabbetci

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du. (Ghandi)
Muhabbetci

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