Die Zeugenaussage einer Frau im Islam

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dem Islam wird immer wieder vorgeworfen "die Zeugenaussage der Frau wäre weniger Wert als der des Mannes".
Wie kommt man zu dieser Aussage? Was sagt der Koran dazu?
Ist die Zeugenaussage einer Frau wirklich weniger Wert als der des Mannes?
Also 1 Mann = 2 Frauen ?


24/6,7,8,9. Und jene, die ihre Gattinnen verleumden und keine Zeugen haben außer sich selber - die Aussage eines Mannes allein von solchen Leuten soll (genügen), wenn er viermal im Namen Gottes Zeugnis ablegt, daß er zweifelsohne die Wahrheit redet und (sein) fünfter (Eid) soll sein, daß der Fluch Gottes auf ihm sein möge, falls er ein Lügner ist. Von ihr aber soll es die Strafe abwenden, wenn sie viermal im Namen Gottes Zeugnis ablegt, daß er ein Lügner ist. Und (ihr) fünfter (Eid) soll sein, daß Gottes Zorn auf ihr sein möge, falls er die Wahrheit redet.



Hier sehen wir einen Mann der seine Frau beschuldigt, sie hätte Ehebruch begangen. Es gibt keine Zeugen ausser die beiden. Der Mann könnte gelogen haben oder aber auch die Wahrheit gesprochen haben.http://www.kosmo.com.my/kosmo/pix/2009/1204/Kosmo/Negara/ne_10.1.jpg


Zwei wichtige Punkte:
1) Er kann nicht viermal " Gott ist mein Zeuge" sagen und damit ist die Sache erledigt. Nein, zwischen jeder Aussage muss eine bestimmte Zeit vergehen die der Richter (Kadi) festlegt. Also muss er mit seiner Frau vor den Richter (Kadi) erscheinen, viermal an verschiedenen Zeiten und die Aussage wiederholen. Wenn er nun viermal die Aussage " Sie hätte Ehebruch begangen" aussagt und die Frau dagegen hält : "Nein, ich habe es nicht getan. Er ist der Lügner" dann bleibt nichts anderes über, als das die Parteien den Lügner verfluchen. Wie soll der Richter wissen wer die Wahrheit spricht?
Warum aber vier verschiedene Zeiten?
Ganz einfach, es könnte sein das der Mann sich das anders überlegt und die Aussage zurückzieht oder die Frau besinnt sich ( wenn sie es getan hat ) und sagt die Wahrheit ( oder andersherum).

2) Die Zeugenaussage der Frau ist dem Manne hier gleichgestellt!
1 Frau = 1 Mann

***

24/4. Und diejenigen, die züchtige Frauen verleumden, jedoch nicht vier Zeugen bringen - geißelt sie mit achtzig Streichen und lasset ihre Aussage niemals gelten, denn sie sind es, die ruchlose Frevler sind, ...



Wenn ein Mann behauptet, das eine Frau gesündigt hätte ( im sinne von Geschlechtsverkehr) und keine vier Zeugen bringt, die sich nicht kennen und die es mit eigenen Augen gesehen haben ( was schwer sein dürfte, denn normalerweise hat man keine Zuschauer, erst recht wenn es um Ehebruch geht) dann wird seine Zeugenaussage für alle Zeiten nichtig. Das heißt, egal wieviele Jahre vergehen, seine Zeugenaussage, in allen Bereichen, gilt als nicht glaubhaft.
Und was wichtig ist, die Zeugen können sowohl Frauen wie auch Männer sein.
Also wieder 1 Frau = 1 Mann

***

65/2. Dann, wenn ihre Frist um ist, nehmt sie in Güte zurück oder trennt euch in Güte von ihnen und rufet zwei rechtliche Leute aus eurer Mitte zu Zeugen; und laßt es ein wahrhaftiges Zeugnis vor Allah sein. ...



Auch hier ist es egal ob die Zeugen Frauen oder Männer sind, beide Geschlechter können als Zeugen auftreten.
1 Frau = 1 Mann

***
Doch jetzt kommen wir zu dem Vers, der für alle Vorurteile der Islamgegner, hinhalten muss. Dabei geht es in diesem Vers nur um das Geschäftliche, das nur dann Geltung hat, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, die man dafür nutzen könnte. So ein Beispiel wäre, wenn man sich von einem Freund Geld leihen würde, an einem Ort wo es keine Gesetze gibt oder die Gerichte nicht gerecht sind. Nur in diesem Fall gilt die 2 Frauen = 1 Mann Zeugenaussage.
Warum?

1) Dieser Vers war für die damalige Zeit eine Revolution, wenn man bedenkt daß Frauen nicht mehr Wert waren als Waren.


2) Die Frauen damals ( auch heute noch) wurden eingeschüchtert damit sie falsche Aussagen machten. Mit diesem Vers wurde verhindert das eine Frau eingeschüchtert wurde und dadurch dem Kreditnehmer (Frau/ Mann) Unrecht geschehen konnte. Man darf auch nicht vergessen, das dieser Vers vor 1400 Jahren, wo es weder Banken noch Frauenrechte gab, das Kredit-system gerecht organisierte.
Heute gilt dieses Gebot nur, wenn das entsprechende Gesetz ( warum auch immer) fehlen würde.
Der Vers sagt ausdrücklich " Es geschehe dem Zeugen oder dem Schreiber kein Unheil / Schaden".
Denn es wurden damals ( vor allem Frauen) Menschen übers Ohr gehauen und auch eingeschüchtert. Der Vers gebot zum erstenmal in der Geschichte der Araber, das unbedingt ein Schreiber es aufschreiben sollte und Zeugen anwesend sein mussten die das bezeugten, damit eben später nichts anderes behauptet werden konnte.
(Man sollte auch bedenken, das es damals sehr wohl möglich gewesen wäre den Schuldschein zu fälschen, dafür wiederum waren die Zeugen anwesend die das verhindern konnten).

02/282. O die ihr glaubt, wenn ihr voneinander ein Darlehen nehmt auf eine bestimmte Frist, dann schreibt es nieder. Ein Schreiber soll in eurer Gegenwart getreulich aufschreiben; und kein Schreiber soll sich weigern zu schreiben, hat ihn doch Allah gelehrt; also soll er schreiben und der Schuldner soll diktieren, und er soll Gott, seinen Herrn, fürchten und nichts davon unterschlagen. Ist aber jener, der die Verpflichtung eingeht, einfältig oder schwach oder unfähig, selbst zu diktieren, so diktiere sein Beistand nach Gerechtigkeit. Und ruft zwei unter euren Männern zu Zeugen auf; und wenn zwei Männer nicht (verfügbar) sind, dann einen Mann und zwei Frauen, die euch als Zeugen passend erscheinen, so daß, wenn eine der beiden irren oder vergessen sollte, die andere ihrem Gedächtnis zu Hilfe kommen kann. Und die Zeugen sollen sich nicht weigern, wenn sie gerufen werden. Und verschmäht nicht, es niederzuschreiben, sei es klein oder groß, zusammen mit der festgesetzten (Zahlungs-) Frist. Das ist gerechter vor Gott und bindender für das Zeugnis und geeigneter, daß ihr nicht in Zweifeln gerät; es sei denn, es handle sich um Warenverkehr, den ihr von Hand zu Hand tätigt: in diesem Fall soll es keine Sünde für euch sein, wenn ihr es nicht aufschreibt. Und habt Zeugen, wenn ihr einander verkauft; und dem Schreiber oder dem Zeugen geschehe kein Unheil. Tut ihr es aber, dann ist das euer Ungehorsam. Und fürchtet Allah; Gott wird euch Wissen geben, denn Gott weiß alle Dinge wohl.



Fazit:
Es gibt eine Gleichberechtigung bei den Zeugenaussagen der Frauen und Männer. Die einzige Ausnahme ist der Vers 02/282, in dem es nur um den Warenverkehr und dem Kredit geht. Auch nur dann, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.
In Deutschland wird das mit der Vorlage des Passes, der Schufa-Auskunft und der Unterschrift geregelt. Vor 1400 Jahren aber gab es all diese Dinge nicht. Die Frauen der damaligen Zeit waren froh, das sie überhaupt einen Kredit nehmen konnten, ohne das man sie übers Ohr haute. Vor allem wenn man bedenkt das die meisten Frauen, weder lesen noch schreiben konnten. Es war eine große Erleichterung für sie.
Zeuge ist gleich Zeuge, egal ob Mann oder Frau!

Mustafa Çelebi

Bild: bankislam.com

07:16 03.12.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Muhabbetci

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du. (Ghandi)
Muhabbetci

Kommentare 98

Avatar
rahab | Community
Avatar
Avatar
Avatar
anne-klatsche | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
hibou | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
rahab | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
hibou | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
hibou | Community
Avatar
hibou | Community
Avatar
hibou | Community
Avatar
hibou | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar