Madman Horst

Regierungskrise Dr. Seehofer oder wie er lernte Frau Merkel zu lieben
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Macht und Männlichkeit - zwei Dinge, die für die CSU unbedingt zusammengehören - haben an diesem letzten Sonntag zumindest aus bayrischer Perspektive einen gewaltigen Flurschaden erlitten. Es ist fünf vor zwölf in der CSU-Parteizentrale, vielleicht auch etwas früher, als Horst "Madman" Seehofer endgültig dämmert, dass er sein Blatt überreizt hat. Nachmittags um drei hatte er mit einem hingepolterten "nicht wirkungsgleich" die Bomber in die Luft gebracht - jetzt sitzt er mit seinen Getreuen im CSU-Bunker und fühlt, wie die Macht- und Männlichkeitsvernichtungsmaschine Merkel aus dem aufgeblasenen bayrischen Popanz die Luft herauslässt. Seit '61 nicht mehr so eine Bombenstimmung in der politischen Landschaft gehabt.

"Es muss das oberste Ziel sein, die Reinheit der kostbaren (bayrischen) Körpersäfte zu erhalten"

Für Madman Horst gibt es nur ein Ziel: Der Flüchtling muss draußen bleiben bevor er den deutschen Volkskörper um seine wichtigsten Eigenschaften bringt: Schlecht sitzende Anzüge, Vertrauenslehrer-Kaffeemundgeruch und Blockwartsattitüde im ÖPNV. Dazu ist ihm jedes Mittel recht - auch die eigene Vernichtung, solange die Säfte nur rein bleiben. In bester deutscher Tradition, nach der man auch mal für eine fixe Idee den Löffel oder das Amt abgeben darf, hat er das "Sachproblem Flüchtling", in ebenfalls bester deutscher Tradition völlig menschenverachtend vor dem Hintergrund der 200 wöchentlichen Toten im Mittelmeer, zur Schicksalsfrage seiner Existenz gemacht: Wenn die nicht untergehen, gehe ich halt unter!

Wer mag ihm gestern gesagt haben, dass das keine allzu dolle Idee war mit einem "nicht wirkungsgleich" in der Parteizentrale zu verschwinden? Es darf davon ausgegangen werden, dass im war room der CSU entgegen den Anstandsregeln ordentlich gefightet wurde bis Harakirihorst schließlich fast um Mitternacht seinen Rücktritt ankündigte, dann verklausulierte und schließlich doch nicht zurücktrat - augenscheinlich weil er sich der Tragweite seiner Worte mal wieder nicht so richtig bewußt war.

Seit dem Ende der CSU-Vorstandssitzung ist nun die Suche nach einem Bergwerksstollen, in der sich die CSU-Spitze vor dem Horstfallout verstecken kann, in vollem Gange. Ob Peter Altmaier auf Weisung der Kanzelerin bereits qua Amtsfülle Gesäß voran den rettenden Grubenschacht blockiert? Wird sich im Laufe des Tages zeigen! Kleiner Vorgriff auf heute 17 Uhr: "Angela, war doch nicht so gemeint." – "Nein Horst, nein heißt Nein." – "Menno."

Yeehaw!

Nun ist Horsts Ritt auf der Bombe in vollem Gange. Was auch immer er jetzt macht - der Schaden für die CSU wird maximal sein. Einknicken? Bumm. Standhaft bleiben? Bumm. Im Bergwerksstollen verstecken? Da steckt der Altmaier. Kleiner Tipp für Journalisten: Im Bürgerbräukeller könnte es heute spannend werden. Denn wenn Söder dort in die Decke ballert und Merkel für abgesetzt erklärt, gehts an der Feldherrenhalle nochmal richtig rund.

Mein Führer - ich kann wieder gehen!

08:28 02.07.2018
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