Zerspahnt die Hipster!

Politiker Wie sich Jens Spahn (CDU) gegen eines der richtig großen Probleme unserer Gesellschaft wendet: Den englisch parlierenden Kaffeehipster!
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Zerspahnt die Hipster!
Ob Jens Spahn auch beim Kaffee auf Schwarz besteht?
Foto: Bryan Thomas/Getty Images

Da hat er aber mal richtig auf den biodynamischen Wirsing gehauen und die schlichte Top-Zumutung beim Namen genannt, die uns alle etwas angeht, von der keiner schweigen und hinterher behaupten darf, er habe nichts davon gewußt und weggesehen: Jens Spahn, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Experte für Linguistik und Völkerverständigung, räumt auf im Berliner Bartträgersumpf und rasiert sich durch Mitte, Friedrichshain und Prenzelberg. Was hat den gebürtigen Ottensteiner (Stadt Ahaus, Münsterland) so in Wallung gebracht, dass er fast seine guten Manieren aus der Jungen Union vergaß und mit flammender Feder austeilt?

Die Ereignisse, die den Spahn abheben ließen

Informierten Kreisen zufolge genau dieses: In der Lobby & Tea Lounge "Frau Pillemann" wurden dem Nachwuchskanzlerkandidaten betont teilnahmslos und englisch vierundvierzig Sorten hühnerbrüheartigen Filterkaffees mit Herkunftsland, Pflückdatum und Röstgrad in einundachtzig Stufen vorgebetet. Bei der unendlich schwierigen Entscheidung, die nie eine Entscheidung des Geschmacks, sondern eine des Gewissens und des conaisseurlichen Sachverstandes sein muss, fiel ihm dann das Wort für den Kaffee nicht ein, den der Affe in seinem Dünndarm besonders lukullisch zurechtverdaut. Als es ihm dann doch einfiel, hatten sie den nicht da. Provinz!

Beim Servieren – natürlich erst nach einer Stunde aufgrund der hipstergesetzlich vorgeschriebenen Mindestbrühdauer – hing dann selbstverständlich noch der halbmeterlange Bartzopf des bärbeißigen Baristas in der maggiriechenden, an Ochsenschwanzsuppe gemahnenden Edelaufbrühung nach Altberliner Hausrezept – frisch von den Weinbergen Äthiopiens.

Worüber zerfräst sich Spahn als nächstes das Hirn?!

Lieber Herr Spahn, wo Sie sich so gerne aufregen: Wie wäre es denn mal mit einer Brandrede gegen den mittlerweile allgegenwärtig fortschreitenden Rechtsruck, der zunehmend auch die ehemals linksliberale Mitte erfasst? Gegen das Herumspielen mit rassistischen Stereotypen, egal ob in der öffentlichen Rede, im Fernsehen, in der Politik oder in der Werbung? Gegen das nach wie vor herrschende Unverständnis gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und das große "Nein" von Mutti zu diesem Thema?

Nein. Dann doch lieber dünnkaffeegetränktrinkend in "Mitte" am Bio-Chia-Dinkel-Keks kauen und sich kraftvoll von den Grünen absetzen!

"Another Superfood-Goji-Chia-Smoothie, Mr Spahn?"
– "Yes, of course!"

16:56 24.08.2017
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