Immer Ärger wegen Putin

Belgrad 1944/2014 _ oder was die 3. Ukrainische Front mit der Befreiung Belgrads zu tun hat …
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Am 20. Oktober 1944 wurde das 1941 von deutschen Nationalsozialisten besetzte Belgrad durch die jugoslawische Volksbefreiungsarmee der Tito-Partisanen mit Unterstützung von Teilen der Roten Armee, der sogenannten 3. Ukrainischen Front, befreit.

Anlässlich des bevorstehenden 70. Jahrestages wird zu den Festveranstaltungen in Belgrad auch Vladimir Putin erwartet. Dieser Gast sorgte nun für den gern belehrenden US-amerikanischen Botschafter in Belgrad, Michael Kirby, für ungeahnte Verwirrung, in der er sich in einem Interview konsterniert darüber äußerte, aus welchen Gründen Putin & nicht der ukrainische Präsident eingeladen wird _ schließlich sei Belgrad auch von der 3. Ukrainischen Armee befreit worden. Tja, ist nicht immer einfach mit den militärischen Bezeichnungen & sorgt nur für phantastische Verwechslungen, die in der Lehre an US-Universitäten nicht in Gänze zu erfassen sind…

Nun, ein Botschafter muss sicherlich nicht jedes Detail der Geschichte des Landes kennen, in dem er gerade residiert, auch nicht unbedingt wenn er mit Auszeichnung in Geschichte an der University of Pennsylvania absolvierte. Genau so sicher sollte er keinen Unsinn erzählen geschweige denn seinem Gastland Vorschriften halten, wer wann & warum eingeladen wird. Doch die aktuelle Geschichte ist damit nicht beendet:

Zu den Festveranstaltungen in Belgrad gehört auch eine Militärparade. Richtig gelesen, das sind jene antiquierte Veranstaltungen, mit denen sich hochgerüstete Staaten mit ihrem Waffenpotential gern brüsten &/oder als Abschreckung präsentieren. Weiß der Geier was Serbien nach der gigantischen Schmelzaktion, die Bedingung war für die Kapitulation vor den NATO-Kriegern, auf den Belgrader Straßen auffahren wird & wer auf diese bekloppte Idee gekommen ist, den verbliebenen, museumsreifen Schrott der Öffentlichkeit zu zeigen. Doch anstatt sich in den westlichen ´Menschenrechtskriegerländern´ über diese devote Blamage freudig die Hände zu reiben, können es gewisse Kreise nicht unterlassen, sich erneut zu echauffieren.

Diesmal ist an federführender Spitze der britische ´Elite´- Journalist Tim Judah beteiligt. Judah macht sich ernsthafte Sorgen, dass der Besuch Putins in Kombination der besagten Parade verärgerte Reaktionen im Westen hervorrufen wird, denen negative Konsequenzen folgen werden. Es wäre zwar normal, wenn Frankreich & andere Länder derartige Paraden regelmäßig veranstalten, aber nicht in Anwesenheit eines Putin. Schließlich, so Judah, würden in Belgrad auch keine Militärparaden veranstaltet, wenn der albanische Premier Edi Rama oder der britische Kollege David Cameron zu Besuch erscheinen.

Hmmh, das stimmt natürlich! Nach reiflicher Überlegung kann zu der Erkenntnis gelangt werden, dass weder Albanien noch Großbritannien an der Befreiung Belgrads geschweige denn der übrigen NS-besetzten Gebiete des ehemaligen Jugoslawiens beteiligt waren.

Angesichts der vielen Kopfzerbrechen diverser Herrschaften, stellt sich nun die Frage, ob in Zeiten der offensichtlichen Fremdbestimmung eine Befreiung gefeiert werden darf oder gerade deswegen soll...

21:32 13.10.2014
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mymind

Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind... Paul Claudel
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