mynona

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RE: Männerdämmerung | 18.10.2020 | 19:39

"Autoren wie Bov Bjerg setzen Trends", während Glavinic und Strauß "dieses Geschäft betreiben" - da hat der Herr Baron wohl von vornherein sehr einäugig gelesen. Aber danke für diese eindeutige Partei- und Stellungnahme.

RE: Mussolini lässt grüßen | 26.07.2019 | 11:56

Um seinen Begriff von "usura" übers Schlagwortniveau hinaus zu weiten und dem Ansatz von Kollhoff halbwegs gerecht zu werden hätte der werte @Felix Schilk einfach mal ins Freitag-Archiv schauen sollen, Ausgabe vom 7.10.2005:

"Zwei weitere Begriffe, oder besser: Werte sind für den neuen Traditionalismus zentral. Der eine, "Einfachheit", ist keineswegs so eindeutig, wie es scheint. Als Illustration kann man die Haustür eines alten Bauernhauses bemühen, die der neue, solvente Besitzer sorgfältig und teuer restauriert in den ursprünglichen Zustand der Einfachheit. Sollte uns hier der alte Mies van der Rohe grüßen: "Lasst uns einfach bauen, koste es, was es wolle"? So bleibt die Frage, ob nun Bild oder Substanz gemeint sei, ob also die Häuser "einfach" sein müssten, damit sie Bescheidenheit signalisieren oder damit sie - weil kostengünstiger - möglichst vielen zugute kommen. Geht es um die Ästhetik des Einfachen oder um BILLIGE PRODUKTIONSMETHODEN? Der andere Begriff heißt "Konvention". ... Wo Konventionen erodieren, müsse Architektur [so Kollhoff] die "Rest-Konstanten gesellschaftlichen Zusammenlebens" bewahren helfen. Damit sind vor allem die gesellschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Werte gemeint, die dem hektischen Großreinemachen der zwanziger Jahre zum Opfer fielen. "

RE: Mussolini lässt grüßen | 18.07.2019 | 01:48

Werter @Columbus, bravo, es ist Hilbig. Und - "die letzte Antwort ist noch nicht gegeben" - seine Kritik hab' ich wohl gelesen. Nur ist's eben ein kritisch-reflektierender Umgang, keine fraglose und pauschale "Einordnung" von "Usura" als antisemitischer und daher tabuisierter Formel. Und Kollhoff? Nun ja, er hat zunächst einmal nicht "einfach ein solches Zitat auf den Walter-Benjamin-Platz geschrieben". So hieß der Platz damals noch gar nicht. Sondern - was Kollhoff als "Marketing" kritisierte, Leibniz-Kolonnaden. Das hätte zur Chronistenpflicht der Architekturhistoriker und -kritiker gehört. Und die dürften auch genauer & näher hinschauen auf Kollhoffs "arg simple, wiederholte Wandabwicklung", denn dabei wird einem halbwegs geschulten Auge (ohne ideologische Scheuklappen) der Unterschied zu "usura", etwa den billigen International Style-Kopien und Klonen, nicht entgehen. Aber, wie wußte doch der politisch reflektierte Filmästhet: mal vu, mal dit. Beziehungsweise: Vorher schon "gewusst", was "man" zu sehen hat.

Beste Grüße

mynona

RE: Mussolini lässt grüßen | 17.07.2019 | 20:04

Ezra Pound = Faschist, Usura = kaum codierter Antisemismus. Statt halbwegs kenntnisreich zu reflektieren, wird in dieser "Debatte" mit Holzhammer-Gleichungen denunziatorisch eine klebrige "Kontaktschuld"-Sauce ausgegossen.

Dem Faschisten das Wort geredet und sich eines antisemitischen Codes aus DEN cantos bedient hätte sich dann zum Beispiel Allen Ginsberg (Schreibheft 27). Und auch das folgende Gedicht, geschrieben 1968, fällt nach dieser einfältigen Weltsicht stante pede unter Faschismusverdacht. (Verfasser wird auf Nachfrage gerne genannt, auf jeden Fall kein "Faschist"):

monolog drei

was noch zu sagen wär über dies land und uns –

wiederholungen seit jahrhunderten monotone wiederholungen

aber die letzte frage ist noch nicht gestellt die letzte

antwort noch nicht gegeben manchmal erscheint es mir

als hätte sich nichts geändert nach all den zeiten

vielleicht auch gelingt es uns das aussterben der saurier

zu verhindern

es ist schwer überprüfbar inwieweit dieser landstrich

einem ort ähnelt aus einem canto von ezra pound

(usura is a murrain) wo denn

liegt dieser ort – hier nicht –

wer weist das nach

es gelingt nicht dem labyrinthischen gang der gedanken

bis zuend zu folgen – sesam öffne dich –

was hier fehlt auch das kann möglicherweise

ein ding der unmöglichkeit sein alle möglichkeiten

sind nicht überdenkbar – vielleicht

ist dies die letztmögliche antwort –

usura ist die räude –

wo aber liegt dieser ort

das ist nicht die letzte frage die

der letzten antwort harrt aber

vielleicht ist sie die letztmögliche

öffne dich – im norden grönlands

ist ein menschenleben undenkbar unter

normalen bedingungen welche bedingungen sind normal –

hier ist es zu kalt für die liebe – öffne dich –

die letzte antwort ist noch nicht gegeben – das ist

ein ding der unmöglichkeit.

RE: „Das“ Weib: Artikel sind nicht neutral | 14.03.2019 | 17:06

Verstehe ich jetzt nicht, warum ist die Memme eine "grammatische Fehleinordnung"? Memme - Mutterbrust - war ursprünglich Femininum und ist es auch geblieben, da mussten die Männer nicht grammatisch "verfrachtet" werden. Soviel Etymologie darf's schon sein.

RE: Hashtag und Revolution | 15.06.2014 | 20:11

"Auch für mich gilt nicht mehr, dass die Grenzen unserer Sprache einfach die Grenze unseres Denkens sind. Vielmehr ist es so: Je komplexer unsere rekursiv strukturierte Sprache ist, desto mehr Realität kann sie fassen – und umgekehrt." - Umgekehrt, also: "Je komplexer unsere rekursiv strukturierte Realität ist, desto mehr Sprache kann sie fassen." ... ??