Myriel

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 14.04.2013 | 02:25

Ich empfehle zum Transport größerer Mengen Plastikflaschen die großen Müllsäcke. Da ich immer für zwei Haushalte Mineralwasser in Plastikflaschen kaufe, und oft auch noch zwischendrin mal vier Sixpacks Wasser kaufe, ohne leere Pfandflaschen zurückzubringen, werfe ich regelmäßig größere Mengen von 1,5 l Flaschen in den Rückgabeautomat. 15 Euro Pfandgeld sind da keine Seltenheit.

Die Preisfrage ist, ob die im Artikel genannten 28 Pfandflaschen in die genannte Ikea-Tasche passen. Da ich keine Ikea-Tasche habe, kann ich das nicht beurteilen. Allerdings halte ich das für machbar, wenn man ordentlich stapelt. Ich rufe dennoch hiermit zu praktischen Experimenten auf!

Im übrigen ist der Vater einer Freundin von mir passionierter Flaschensammler. Er fährt auf dem Fahrrad mit Anhänger zu den einschlägigen Stellen, wo abends Partys gefeiert werden und an denen sich am nächsten Morgen Pfandflaschen finden lassen, und macht an einem sommerlichen Vormittag locker mal 20 Euro.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 14.04.2013 | 02:19

Wenn ein Arbeitsloser, dem von seinem Arbeitgeber gekündigt wurde, der vom Arbeitsamt in eine Leiharbeitsfirma gezwungen wurde, und der dann von der Leiharbeitsfirma zur Hälfte des früheren Lohns an seine alte Firma vermittelt wird, eine Integration in diesen Arbeitsmarkt innerlich ablehnt, verstehe ich das voll und ganz. Und das ist dann auch ganz gut so.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 14.04.2013 | 02:16

Der Marktanteil der PET-Einwegflaschen, die mit 0,25 Euro bepfandet sind, beträgt aktuell 69 Prozent. Der Anteil der Mehrwegflaschen (Glas, Bier, etc.), die niedriger bepfandet sind, beträgt nur noch 31 Prozent. Damit machen 25ct-Flaschen die Mehrheit des Pfandguts aus.

Und: sie hat auf dem Weg zu Aldi 2 Flaschen gefunden. Ist möglich. Sie hat in den Tagen zuvor 28 Flaschen gefunden. Ist möglich, wenn man lange genug sucht. Das macht den Weltartikel nicht unglaubwürdig.

Und eine nachträgliche Korrektur ist nicht unfair – vor allem, wenn man selber anderen mangelnde Recherche vorwirft. Offensichtliche, unkorrigierte Fehler sind unfair. Und um eventuelle „Unfairheiten“ zu verhindern, hat es sich eingebürgert, auf eventuelle Korrekturen mit einem kleinen „Edit: “ hinzuweisen.

Und vielen Dank noch für den nachträglichen Hinweis, dass die entscheidenden Informationen nicht in Ihrem Beitrag, sondern hinter dieser Webadresse zu finden sind.

Und selbst wenn es gelänge, textimmanent zu belegen, dass eine Susanne Müller*) (42) nicht existiert, dass das alles ein Fake der Springer-Redaktion ist, was bringt das denn? Es gibt auch keinen Otto Normalverbraucher, keinen Captain Kirk und keine Cindy aus Marzahn.

Entscheidend ist doch, was der Welt-Artikel suggerieren will. Und m.E. ist es hier die Aussage, man kann mit dem Hartz IV-Satz ein bescheidenes Leben führen und sich sogar, wenn man entsprechend diszipliniert ist, ein bisschen Luxus leisten. Diese Aussage ist umso einschleichender, weil man es am Beispiel einer „arbeitsscheuen Sozialschmarotzerin“ demonstriert, mit der man kein Mitleid haben braucht.

Hätte man als Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit 2 Schulkindern genommen, die vielleicht erst im nächsten Monat genug Geld für die dringend notwendigen größeren Schuhe für die Kleinen gespart hat, und deswegen den Kindern jeden Extrawunsch wie z.B. ein Eis abschlagen muss, hätte das mit dem Luxusleben und dem Auskommen nicht so leicht überzeugt. Mit der Armut eines Aufstockers, der trotz Arbeit nur mit staatlicher Hilfe das Hartz IV-Niveau erreicht und aufstocken muss, hätte man diesen Effekt ebenfalls nicht erreicht.

Dafür, dass mit Susanne Müller eine „Sozialschmarotzerin“ dargestellt wird, kommt sie als Person sogar ganz gut weg. Sie ist diszipliniert, konsequent und genügsam. Ich bin sogar geneigt, gewisse Ähnlichkeiten mit dem gerade wieder aktuellen Franz von Assisi festzustellen. Sie gibt ihren Wohlstand auf um eines höheren Prinzips willen, nach einem Damaskus-Erlebnis. Und Frau Müllers höheres Prinzip ist das liberale Prinzip schlechthin: Freiheit. Ihr einziger Fehler ist nur: sie will nicht mehr arbeiten. Und sie ist intelligent genug, um das System auszutricksen.

Der geneigte WELT-Leser wird dadurch dahin gelenkt, sich zu denken: Hartz IV ist viel zu hoch, wenn sich Sozialschmarotzer noch so zufrieden fühlen können und den berühmt-berüchtigten „anstrengungslosen Wohlstand“ genießen dürfen.

Damit sabotiert der Welt-Artikel mit dieser Intention ein fundamentales Prinzip unseres Rechtsstaats: Lieber Gefahr laufen, einen Schuldigen freizusprechen, als einen Unschuldigen verurteilen. Aber das ist Absicht. Die Methoden sind halt seit der Ära der „spätrömischen Dekadenz“ subtiler geworden.

Allerdings scheitert der WELT-Artikel an seinem erklärten Ziel darzulegen, „warum sich jemand bewusst für Hartz IV“ entscheidet. Sie will nicht mehr arbeiten, um frei zu sein. Das ist mir doch ein wenig zu pauschal.

Aber wahrscheinlich befürchtet die WELT, eine detailliertere Darstellung der Entwicklung und der Beweggründe dieser Aussteigerin könnten zu Nachahmern führen.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 14.04.2013 | 02:14

warum klappt das immer nie so wie ich will.

Der obige Beitrag ist at Rechercheuse gerichtet.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 14.04.2013 | 02:13

Das ist kein Abdruck. Das ist eine Abschrift. Meinetwegen auch mit Erläuterungen, Interpretationen und Konkretisierungen. In einem journalistischen Text läuft so was als Stilmittel. Aber es gibt keinen Abdruck des Kontoauszugs. Genausowenig wie die Worte „sie lächelt“ ein Abdruck der Mona Lisa sind.

Was du und ich verzeihen, das ist irrelevant. Es kommt auf die Stichhaltigkeit der Argumente an. Und der WELT-Artikel ist im großen und ganzen in sich stimmig. Die Kritik am Welt-Artikel dagegen ist nicht stichhaltig, schlecht recherchiert und somit kontraproduktiv. Nur ein einziges Argument der Kritik am Welt-Artikel greift! Das macht doch die ganze Kritik an der „gemeingefährlichen Hetzkampagne“ lächerlich.

Zudem der Hauptvorwurf der schlecht recherchierten Kritik am Welt-Artikel der Vorwurf der schlechten Recherche ist. „Recherche – Fehlanzeige!“

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 13.04.2013 | 10:46

(bisschen unübersichtlich hier :-))

*) und wie ein Kontoauszug im Bereich des JC Friedrichshain aussieht, kann nur ein Empfänger im Bereich JC Friedrichhain genau beantworten. So haben z.B. Optionskommunen ihren eigenen Buchungstext. Allerdings ist Berlin m.W. keine Optionskommune.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 13.04.2013 | 10:24

ALG II sollte von den Jobcentern immer so überwiesen werden, dass es dem Bedürftigen am 1. des Monats zur Verfügung steht. Ob das mit den Banken auch wirklich immer zum Monatsersten klappt, ist die große Frage. Daher das Dauerstarren auf den Kontoauszug. Kommt es nicht, weil die Bank geschludert hat, muss man nämlich schleunigst beim Jobcenter nachhaken.

Alg I dagegen kommt i.d.R. zum Monatsletzten, den Alg ist rückwirkend, Alg II ist im Gegensatz dazu für den laufenden Monat bestimmt.

Und wo bitte ist der manipulierte Kontoauszug? Ich sehe hier keinen Abdruck des Kontoauszugs, ich lese hier nur eine möglicherweise* kommentierte Abschrift des Kontoauszugs. Die Stellen, die möglicherweise* Erläuterungen sind, betreffen den Wohnort und die Aufteilung der Bezugssumme in Unterhalt und Wohnung, mithin Informationen, die sonst im Text nicht vorkommen. Was soll denn mit diesen Kunstgriffen gegen ALG2-Empfänger gerichtetes "Manipulierendes" vorgegaukelt oder bezweckt werden?

b) Wenn der Preis von Pfandflaschen im Community-Artikel als Argument gegen die Richtigkeit des WELT-Artikels verwendet wird, ist es selbstverständlich, dass man dieses Argument als falsch hinstellen darf, wenn es falsch ist.

Oder soll man etwa, weil die Welt (klein geschrieben) schlecht und ungerecht ist, weil Reiche die Armen abzocken, mit jedem faulen und falschen Argument gegen die WELT hetzen dürfen? Nach dem Motto: Wenn die Bösen täuschen und tricksen, das können wir besser? Unser Kampagnenjournalismus ist der bessere?

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 13.04.2013 | 01:47

zu 3) im Welt-Artikel steht leider nicht genau, wann die Hartz IV-Zeit begonnen hat, einmal wird eine 10jährige "Hartz-Pause" angegeben, einmal 3 Jahre nach 2004. Mein Fehler.

zu 5) laut Artikel werden ja auch nur die angemessenen Kosten übernommen (in Berlin 379 warm). Der Rest muss draufgezahlt werden. Zum Umzug wird niemand mehr gezwungen.

Allerdings geht bei dieser minutiösen und centgenauen Darstellung eines "erfolgreichen" Hartz IV-Lebens die Eingangsfrage unter: Warum sich jemand bewusst für Hartz IV entscheidet, bleibt unerklärt. Gesetzt den Fall, dass sich hier überhaupt jemand bewusst für Hartz IV entschieden hat. Denn das wird auch nur durch die Überschrift suggeriert und findet sich im Text nicht angemessen und glaubhaft wieder.

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 13.04.2013 | 01:05

(leider ausversehen abgeschickt)

zu 3) 2004 - wie im Welt-Artikel genannt - beantragte man noch Sozialhilfe beim Sozialamt, und wurde zum 1.1.2005 in Hartz IV überführt, denn Hartz IV trat erst 2005 in Kraft.

zu 6) Seit dem 29. Mai 2005 beträgt das Pfand einheitlich 0,25 € auf Einweggetränkeverpackungen von 0,1 bis 3 Litern und gilt auf unbestimmte Zeit. Also nicht nur für Metalldosen.

Fazit: unfundierte Meinungsmache und Kampagnenjournalismus in der Freitags-Community - schlimmer sogar als in der Springerpresse üblich - und sogar die Nachdenkseiten sind darauf reingefallen!

RE: Hartz IV: So dreist lügt die Welt am Sonntag | 13.04.2013 | 00:57

zu 1) und 2) Die Frau heißt im Welt-Artikel a) Susanne Müller und b) Susanne Müller* Name von der Redaktion geändert. Schließlich hat Frau Müller* Abitur und weiß, dass sie aus den von Ihnen genannten Gründen nur in anonymisierter Form beschreiben werden darf. Deswegen wohl auch die von Ihnen unter 1) kritisierten Unstimmigkeiten, die wohl ebenfalls der Anonymisierung dienen.