Nafets

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RE: Hauptsache wirkungslos! | 25.05.2011 | 05:25

Danke, wwalkie, für die umfassende Kritik.

Lohnt es?
So wie ich die Debatte bisher wahrnehme (als innerlinke), vertritt niemand die Meinung, dass man jüdischen Menschen, die einer derartigen Bedrohung und Gewalt ausgesetzt waren, wie im Faschismus, die Solidarität hätte verweigern sollen. Diese solidarische Haltung, denke ich, gestehen sich alle linken Beteiligten in der Debatte gegenseitig zu. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Haltung nicht einfach als menschliche Haltung, sondern als primär intellektuell abgeleitete Pflicht eingenommen wurde. Ich glaubte, dies als Konsens erwähnen zu müssen. Der eingeschobene Nebensatz "die während der Herrschaft des deutschen Faschismus schlimmstes Martyrium erlitten" soll auf eine bestimmte historische Gruppe verweisen und nicht auf Juden im Allgemeinen. Irreführend ist diesbezüglich der Präsens, in dem der übergeordnete Nebensatz steht. Andererseits leben einige der Betroffenen noch, weshalb das Präteritum des Verbs verdienen pietätlos wäre.
Ein bisschen lohnt es sich: "Es lohnt sich kaum," habe ich geschrieben. Als Hinweis auf die gemeinsame Diskussionsgrundlage lohnt es sich.

Getrost übergangen.
Als Verdachtsmoment, dass es möglicherweise wirklich antisemitische Linke geben könnte, ist das Eingeständnis eines linken Antisemitismus schädlich. Ich kenne solche Linke nicht und meine Phantasie reicht nicht nicht so weit, mir antisemitische Linke vorzustellen. Linke, wie ich sie kenne, auch solche, die eine Kritik Israels strikt ablehnen, neigen zur Solidarität mit den Schwachen. Dieser Art Linkssein "liegt die persönlich Bereitschaft des Linken zugrunde, die Augen offen und die soziale Wirklichkeit höher zu halten als konservative Werte, wie kulturelle Tradition oder einen vermeintlich separierten Genpool - Volk," schrieb ich. Linke unterscheiden in erster Linie oben und unten, arm und reich, Herrscher und Knecht. - Sie unterscheiden nicht (primär) zwischen Völkern!
Nun könnte polemisch eingewandt werden: Doch, die sogenannten Antideutschen unterscheiden Völker, insbesondere das deutsche und das jüdische und/oder israelische Volk. (Insbesondere ist bei ihnen die vermeintlich genetische Unterscheidung die vorrangige. Spinnt man hier weiter, würde man entgegnen müssen, dass diese politische Gruppierung keine linke ist, was nicht verwundert, da sie gemeinsame Sache mit der israelischen Rechten macht.)
Polemik wird allerdings dem großen ernstzunehmenden Engagement für eine gerechtere Gesellschaft der meisten Antideutschen nicht gerecht. Ebenso wenig wie ich Antideutschen eine rechte völkische Gesinnung unterstellen möchte, sollten sie anderen Linken Antisemitismus unterstellen. Ich glaube, Gesprächspartner bei denen zu finden, die den ungemütlichen Widerspruch zwischen der Solidarität mit dem israelischen Volk, das einen Staat im Ergebnis des 2. Weltkriegs und des Holocaust' gründete, und der Solidarität mit dem entrechteten palästinensischen Volk, wenigstens insgeheim spüren. Sie entscheiden anders als ich, aber sie entscheiden als Linke, genauso wie ich.
Meiner Meinung nach fallen Antideutsche zweimal in einen metaphysischen Materialismus zurück. Aus der richtigen und schmerzhaften Erkenntnis dazu zu gehören, und sich nicht einfach durch eine verbale Erklärung aus der Verantwortung stehlen zu können, folgern sie die nachhaltige Verantwortung aller Deutschen auch in Zukunft für ihr Verhältnis zum Volk ihrer Opfer auch in Zukunft. Dieses Verhältnis gründet in den Abstammungslinien der Deutschen und der Juden. Die Vorstellung, dass man diese Verantwortung biologisch erben kann scheint reichlich absurd und ist sicher nie explizit behauptet worden. Aber indem die antideutsche Kritik an anderen Linken die Priorität dieser Verantwortung gegen (wohl gemerkt: gegen nicht neben) die Klassenanalyse und den Klassenkampf vertritt, bleibt keine andere Erklärung der Verantwortung als die einer metaphysischen Bezugnahme auf die genetische Abstammung.
Der zweite Rückfall in metaphysische Erklärungsmuster besteht in dem Vorwurf, sich nicht selbstkritisch mit linkem Antisemitismus auseinanderzusetzen. Nach meinem Dafürhalten ist jemand nicht deshalb links, weil er oder sie sich so bezeichnet oder schon einmal als links anerkannt wurde. Vielmehr zeichnen sich Linke durch ihr Verhältnis zu Welt aus. Ein charakteristisches Merkmal eines linken Weltverhältnisses ist die Priorität des Kampfes gegen Unterdrückung und Ausbeutung vor allen anderen Konflikten. Wenn ein Linker oder eine Linke antisemitisch wird, hört er oder sie eindeutig auf links zu sein. Statt dessen die Existenz von antisemitischen Linken anzunehmen, hieße das Linkssein in das physische Individuum zu projizieren - metaphysischer Unsinn!
Es gibt aber weitere Gründe über die Frage des linken Antisemitismus hinweg zu gehen. Dazu folgende Einlassung: Möglicherweise gibt es Linke, die unreflektierte antisemitische Vorurteile in sich tragen. Diese möchte ich klar von Judenhassern unterschieden wissen. Eine weite Auffassung des Antisemitismus-Begriffs würde beide Fälle umfassen, da konkreter Antisemitismus ein gesellschaftlicher Komplex ist, der zum einen den Judenhass mit seiner Aggression erfordert und zum anderen durch antisemitische Vorurteile die breite gesellschaftliche Duldung der Aggression ermöglicht. Ich denke, dass Konsens darüber herrscht, dass Linke (insbesondere heutige Genossen der Linkspartei) keine aggressiven Judenhasser sind. Aber hypothetisch zugestanden, dass es in der Linkspartei diese gefährlichen Vorurteile gibt. Was würde passieren, wenn es zu antisemitischen Pogromen in Deutschland käme, würden diese hypothetischen Linken solche dulden. Wohl kaum! Aber sie hätten Probleme vor dem Hintergrund ihrer eigenen Vorurteile dagegen zu argumentieren. Dies allein wäre schlimm genug. Aber es reicht nicht solche Vorurteile in der selben Liga zu behandeln, wie den bürgerlichen Antisemitismus, der sich den Faschisten faktisch dienstbar gemacht hat.
Wie sonst? Solche antisemitischen Vorurteile in der Linken gehören aufgeklärt. Argumente: 1. Die metaphysische Zuschreibung gesellschaftlicher Probleme an eine ethnische Gruppe schießt übers Ziel hinaus, sie schlägt noch vor Erreichen des politischen Ziel einer gerechteren Gesellschaft in ungerechte Gewalt um. 2. Sie ist von Reaktionären instrumentalisierbar, welche die Kräfte gegen Despotie in die Richtung einer alternativen Despotie umlenken. 3. Sie verschleiert die wirklichen gesellschaftlichen Konfliktlinien zwischen den Klassen und trübt somit die Urteilsfähigkeit der Massen. 4. Sie ist als metaphysische Zuschreibung nicht geeignet, kritisch und für andere kritisch nachvollziehbar einen korrekten Handlungsplan zu verabreden. "Genosse", müsste man ausrufen, "antisemitische Vorurteile taugen noch nicht einmal als Scherz unter Freunden!"
Alle diese Argumente (abgesehen vom Ausruf) müssten natürlich auch bei Antideutschen verfangen. Aber in meinem Beitrag geht es überhaupt nicht um diese, sondern um die Funktion der Forderung nach dem Verzicht auf Israelkritik. Betrachtet man nun ein konkretes Ereignis, bei denen der Antisemitismus-Vorwurf gemacht wird, so finden man keine der drei oben genannten Adressen. Hermann Dierkes der jüngst und wiederholt angemacht wurde, ist weder ein Judenhasser, noch ein bürgerlicher Antisemit, noch ist er ein Linker mit antisemitischen Vorurteilen. Vielmehr ist er ein Linker, der nach langjährigem Engagement und kritischer Auseinandersetzung mit allen beteiligte Parteien, Israel kritisiert. Genau dies wird ihm als Antisemitismus vorgehalten und dies ist es, was mich dazu bringt, zu wiederholen: Die inhaltliche Klärung des linken Antisemitismus kann getrost übergangen werden.

"Es lohnt kaum", "[e]benso [wie] es an dieser Stelle müßig [wäre]."
Diese Formulierung stellt Wertungen von zwei Sachverhalten in eine Ähnlichkeitsbeziehung. Sie stellt keine (a)historische Beziehung zwischen dem Holocaust und der gegenwärtigen Situation der Palästinenser her. Um so interessanter ist, dass diese Beziehung hineinvermutet wird. Denn es ist die übliche ahistorische Argumentation der Vertreter der Unkritisierbarkeit Israels. Siehe oben: Dirkes kritisiert das heutige Israel, nicht weil es jüdisch ist, sondern weil es seiner Meinung nach falsche politische Entscheidungen getroffen und für ihn verwerfliche Handlungen begangen hat. Und nun wird er mit Verweis auf die deutsche Geschichte als Antisemit, wenn auch als unbewusster, angegriffen.
Oder nehmen wir j-ap, am 22.05.2011 um 23:39 in diesem Forum. Er kann seine Avro Lancaster nicht finden, nach dem er beschlossen hat, meinen Beitrag nicht zu lesen. (Abgesehen von den damit angedeuteten möglichen Umgangsformen unter Linken mit der historischen Erfahrung von Stalin im Nacken!) Vor lauter Verantwortung in Kenntnis der deutschen Geschichte hat er wohl noch nicht bemerkt, dass heute nicht nur mit anderen Waffen, sondern auch andere Kriege geführt werden. Und diejenigen, die gestern die Avro Lancaster gegen die Deutschen ins Feld führten, stehen heute an seiner Seite. Ich weiß nicht, ob j-ap sich als Antideutscher bezeichnet, das wäre natürlich etwas.

Platter Vulgärleninismus?
Zur Geschichtlichkeit wäre noch anzumerken, dass es einer Linken meiner Meinung nach, um die historische Überwindung der Klassengesellschaft gehen sollte. In der Tat müsste die Welt dann nicht nur veränderbar, d. h. in der Zukunft offen, sein, sondern auch als veränderbare gedacht werden. Daher mein Problem mit dem metaphysischen Materialismus. Im Übrigen lese ich zu diesem Thema weniger Lenin, sondern den platten Vulgärleninisten Ernst Bloch. Aber zugestanden, dass ich selbst über eine vereinfachende und gewöhnliche Analyse der Probleme der Linkspartei nicht hinauskomme. Warum vermisse ich eine Debatte darüber, wie institutionell abgesichert werden kann, dass die Linke ihr historisches Ziel nicht aus den Augen verliert. Was sagt das über das Problemverständnis der anderen Linken? Mein Vorschlag: "Will eine Partei bestimmte Ziele verfolgen, so muss sie den persönlichen Erfolg ihrer Berufspolitiker an die Zielerreichung koppeln, ähnlich wie es für Manager im Gespräch ist." Ist der schon von Lenin gemacht worden?
Ich habe eine Analyse des Problems der historischen Wirkungslosigkeit von linken Parteien insbesondere Linkspartei vorgeschlagen und einen einzelnen Punkt zur Verbesserung benannt. Wwalkie, mach es besser! Es interessiert mich wirklich. Ob elaboriert leninistisch oder auch alternativ.

"Und wir fragen uns, warum die Linke in den Orkus trudelt?"
Schlimm ist nicht der Orkus, sondern dass sie trudelt. Sie trudelt, weil sie es bisher nicht geschafft hat, ein rationales handelndes Subjekt zu werden. D. h. sie hat bisher nicht gelernt, durch ihre Praxis vernünftig zu werden und ihre Praxis nach ihrer eigenen Vernunft zu steuern.

RE: Den Arbeitsbegriff neu denken | 29.04.2011 | 03:39

Selbstverständlich ist Klassenkampf in einer Klassengesellschaft systemimmanent. So war es auch gemeint.
Und an dem Tag, an dem der Klassenkampf von unten (und nichts anderes kann das - wenn überhaupt - erreichen) die Klassenstruktur der Gesellschaft abschafft, endet auch er Klassenkampf.

RE: Historischer Schnitt? SPD, Linkspartei und ein Zwischenruf von Jörges | 29.04.2011 | 03:24

Ein Link zur Quelle wäre schön.

Tom Strohschneider scheint Hans-Ulrich Jörges auf den Leim gegangen zu sein (wenn er Jörges richtig wiedergibt). Nach der Ente die Jörges in die Journaille watscheln lässt, kann nicht ernsthaft gefragt werden, ob es sich bei der "Neuordnung der Linken" um einen historischen Schnitt handelt.
Offenbar gilt dem Stern-Autor der nicht kommunistische und der nicht renitente Teil der Linkspartei als derjenige, dem eine historische Mission aufgegeben ist. Diese als Pragmatiker angesprochenen Kräfte gelten in dieser Lesart - und das wiederkäut der Partei-Blocker implizit - als die Epochemachenden, während die anstrengenden Verteidiger einer Politik von unten im Verein mit den Kommunisten als Rest abqualifiziert werden.
Will man Jörges Provokation, ob sie "dem Zwang zur journalistischen Originalität geschuldet" sei oder nicht, von links unten beurteilen, muss genau dieser Propagandatrick einer verbürgerlichten sozialchauvinistischen Bewegung, welche die Sozialdemokratie seit dem historischen Schnitt mit der Abtrennung der Kommunisten geblieben ist, entlarvt werden.
Linke historisch relevante Politik ist kein Spiel um Prozentpunkte und Anteile am überkommenen Staatswesen. Sie ist auch kein Geschäft, das einen gesellschaftlichen Bedarf bedient. Ich will, dass der Kapitalismus zugunsten einer friedlichen und menschlichen Welt überwunden wird und wer das auch so sieht, kann daran mittun, auch gegen einen gesellschaftlichen Bedarf, der sich nur in der Anzahl von Repräsentanten im Parlament messen lässt. Weniger für das Programm, in dem der Pazifismus nur eine Strömung ist, als vielmehr für die Organisation dieser Partei wäre es von entscheidender Wichtigkeit, dass die historische Ausrichtung auf die Überwindung der Klassengesellschaft in allen Entscheidungen, besonders die das Personal betreffenden, strukturell reproduziert wird. Eine solche Linke müsste lernen, die Gesellschaft in ihrem Sinn wirklich zu verändern. Aber auf keinen Fall sollte sie lernen, einen freien Platz im parlamentarischen Spektrum einzunehmen - weder mit noch ohne Personalstreit oder Selbstverpflichtung.
Klar, der zahlenmäßig starke Rest, derer, die Jörges nicht zum marginalen Rest zählt, lässt sich vielleicht zum gegenteiligen Lernprogramm verführen, wenn man nicht darüber aufklärt, dass Jörges einen Keil zwischen die Vertreter verschiedener Strategien zur Veränderung der Gesellschaft treibt. Umso wichtiger ist die Betonung des opportunistischen Wesens der SPD, ist die Erinnerung an die historischen Schnitte, welche die Linke von ihr trennte. Diese sind der Verrat am Klassenkampf durch den Rückfall in den Nationalismus vor dem Weltkrieg und den Kriegen der post-sozialistischen Epoche, sowie durch den Übergang ihrer Eliten zum Bürgertum zwischen und nach dem Weltkrieg mit der Bekämpfung der Revolution, der Kommunisten und mit der Einführung von Hartz-4.
Es deutet nichts darauf, dass die SPD nach einem Aussaugen der Linken die Epoche des Opportunismus überwinden würde.

RE: Den Arbeitsbegriff neu denken | 28.04.2011 | 00:43

Na dann, los ... alle MITWOLLER!
Der Vorteil der Freiwilligenlösung, insbesondere wenn dazu ein demokratischer Verein gegründet wird, ist, dass man im kleinen mit allen möglichen Problemen experimentieren kann:
- nationalstaatliche Verfasstheit und Weltmarkt -> Aufnahmebedingungen in den Verein;
- mangelnde Steuereinnahmen -> mangelndes Einkommen der Mitglieder;
- zu hohes Grundeinkommen -> zu großer Sozialetat;
- Mitnahmeeffekte -> Bedingungslosigkeit, gläserner Bürger;
- Funktionselite -> professionelles kontrolliertes Rechnungswesen;
- Beschäftigungsprogramme -> der Verein als Billiglohn-Arbeitgeber für einkommensschwache Mitglieder;
- usw.

Übrigens, die auf Klassenkampf ausgerichtete Organisation dieser Art, welche den Ausgleich mangelnden Lohns immerhin strategisch steuert, nennt man Gewerkschaft. Freiwillig machen da jedoch immer weniger mit.

RE: Den Arbeitsbegriff neu denken | 27.04.2011 | 03:02

Im Grunde sehe ich 2 Wege zum bedingungslosen Grundeinkommen:
1. Das Parlament verabschiedet ein Gesetz, das den Staat mit der Durchführung beauftragt. Dann wird es ein Grundeinkommen, wie es sich die Marktradikalen wünschen, welches das Lohndumping des gegenwärtigen Hartz-4-Zuverdiensts von den niedrig qualifizierten Arbeiten auf alle Arbeitsfelder erweitert.
2. Ihr führt es auf freiwilliger Basis selbst ein, tut Euch gegenseitig Eure Steuerbescheide begutachten und überlegt, wer wie viel seines Jahreseinkommens in die Klubkasse einzahlt und wer wie viel heraus bekommt.
Ansonsten oder zusätzlich oder statt dessen, könnten wir uns dann und wann der Aneignung des Mehrwerts durch die Arbeiterklasse zuwenden (Arbeiterklasse - der selbstbewusste Haufen derer, die den gesellschaftlichen Reichtum erzeugen).

(Übrigens, das bedingungslose Grundeinkommen ist auch eine einträgliche Seifenblase für linkes Bürgertum: So kann beispielsweise Frau Kipping, ihren Wählern beweisen, dass sie sich wirklich für die diffamierten Arbeitslosen einsetzt - sogar auf verlorenem Posten. Und solange sie mit diesem leidenschaftlichen Kampf erfolglos ist, wird es weiter diffamierte Arbeitslose geben, deren Interessen sie im bürgerlichen Stand der Politikerin so wirkungslos wie lautstark vertreten kann.
Aber wehe, wenn sich Weg 1 verwirklicht.)

RE: Buchenwald (2): Linker Antifaschismus zunehmend diskreditiert | 07.04.2011 | 01:28

Bösartige Geschichtsfälschung kann es nicht sein, möglicherweise aber Geschichtsfälschung durch mein mangelhaftes Wissen über die Verbrechen des Stalinismus. Diese, schrieb ich im Text, möchte ich nicht als bloße Antwort auf den Faschismus verharmlost sehen.
Insbesondere stelle ich in der von Ihnen zitierten Stelle, den Faschismus und in Klammern den globalen Kapitalismus der sozialistischen Bewegung gegenüber, die meines Erachtens den Gulag als Verbrechen anerkennt. Im Unterschied dazu erkennen Faschisten die KZ-Ökonomie nicht als Verbrechen an. Auch die Ideologen und Verfechter des Kapitalismus betrachten die globale Hungerkatastrophe ebenso wenig wie die KZ-Ökonomie als Verbrechen.
Dennoch interessiert mich Ihr Einwand inhaltlich (als Lektion, die ich offenbar lernen muss):
Bitte schreibe Sie, war es im Gulag auch so wie im KZ, dass diejenigen, deren Arbeitskraft nicht verwertbar war, unmittelbar ermordet wurden? Bzw., dass ihre Erhaltungskosten auf nahe Null gesenkt wurden?
Eine weitere Frage: Die Sozialforschung hat sich ja gern schwer getan, den Klassenbegriff in der deutschen kapitalistischen Gesellschaft zu verifizieren. (Hans Heinz Holz vermutet, weil das Element der willentlichen aktiven Zuordnung zu Arbeiterklasse wie im Fall von beispw. Engels soziologisch nicht einbezogen wurde.) Inwiefern kann die Ausbeutung von Arbeitskraft im Gulag einer herrschende Klasse zugeschrieben werden? Diese Frage ist wichtig, denn sie verweist auf die Vermutung, die SU sei nur eine Sonderform des Kapitalismus.
Danke.

RE: Buchenwald (2): Linker Antifaschismus zunehmend diskreditiert | 07.04.2011 | 01:28

Bösartige Geschichtsfälschung kann es nicht sein, möglicherweise aber Geschichtsfälschung durch mein mangelhaftes Wissen über die Verbrechen des Stalinismus. Diese, schrieb ich im Text, möchte ich nicht als bloße Antwort auf den Faschismus verharmlost sehen.
Insbesondere stelle ich in der von Ihnen zitierten Stelle, den Faschismus und in Klammern den globalen Kapitalismus der sozialistischen Bewegung gegenüber, die meines Erachtens den Gulag als Verbrechen anerkennt. Im Unterschied dazu erkennen Faschisten die KZ-Ökonomie nicht als Verbrechen an. Auch die Ideologen und Verfechter des Kapitalismus betrachten die globale Hungerkatastrophe ebenso wenig wie die KZ-Ökonomie als Verbrechen.
Dennoch interessiert mich Ihr Einwand inhaltlich (als Lektion, die ich offenbar lernen muss):
Bitte schreibe Sie, war es im Gulag auch so wie im KZ, dass diejenigen, deren Arbeitskraft nicht verwertbar war, unmittelbar ermordet wurden? Bzw., dass ihre Erhaltungskosten auf nahe Null gesenkt wurden?
Eine weitere Frage: Die Sozialforschung hat sich ja gern schwer getan, den Klassenbegriff in der deutschen kapitalistischen Gesellschaft zu verifizieren. (Hans Heinz Holz vermutet, weil das Element der willentlichen aktiven Zuordnung zu Arbeiterklasse wie im Fall von beispw. Engels soziologisch nicht einbezogen wurde.) Inwiefern kann die Ausbeutung von Arbeitskraft im Gulag einer herrschende Klasse zugeschrieben werden? Diese Frage ist wichtig, denn sie verweist auf die Vermutung, die SU sei nur eine Sonderform des Kapitalismus.
Danke.

RE: Bemerkung zu Bodo Ramelows neuer Vorstandsstruktur | 03.04.2011 | 23:22

Mit Sicherheit nicht.
Bisher haben Parteien (u. a. die Linke) versucht eine Funktion für das Parlament zu erfüllen. Damit reproduzieren sie eine Art Bürgertum aus Politikern, Publizisten nebst kreativem Milieu darum, das sich nicht selbst abschaffen würde.
Dennoch haben Parteien eine Eigenlogik, die sie vor der Kolonisierung durch das Parlament schützen könnten. Ich meine, würde man diese Eigenlogik entwickeln, könnte das mit der Weltanschauung klappen - allerdings nicht als Kleinbetrieb mit Rotationsprinzip zwischen bereits privilegierten öffentlichen Personen.