RE: Revolutionär Öko | 09.05.2019 | 01:20

Meine Replik wurde leider etwas zu lang für einen Kommentar: https://www.freitag.de/autoren/namuench/kuehe-autos-das-klima-und-der-kommunismus

RE: Der blinde Fleck der Klimabewegung | 21.12.2018 | 15:27

"Auch ein blinder Fleck: CCS senkt den Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken ..."

Völlig richtig, aber kein blinder Fleck. CCS senkt den Wirkungsgrad aller Energieträger, bei denen es eingesetzt wird: Kohle, Öl, Gas oder auch Biomasse. Bleibt alles andere gleich, müsste der "Ausfall" ersetzt werden. Ökonomisch bedeutet das, dass die Energie aus solchen Energieträgern relativ zu sauberen Energieträgern (Wind, Solar, Wasser, Geothermie, Nuklear) teurer wird - ein durchaus wünschenswerter Effekt, der den Umstieg erleichtert.

Geht es um die Gesamtrechnung, darf man auch die Alternativkosten nicht unterschätzen: Die Nachfrage nach Kohle (Gas, Biomasse) wächst leider noch immer und solange deren Verbrennung ohne CCS erfolgt, hat die Gesellschaft dann die "externen Kosten", also Umweltfolgen, zu tragen. Wie sich das in der Gesamtrechnung darstellt, ist höchst spekulativ: Niemand weiß genau, wie hoch die Schäden pro Tonne CO2 durch Klima etc. heute bereits sind oder in Zukunft sein werden. Niemand weiß, wie teuer CCS sein wird, wenn die Technologie ausgereifter ist. Für all das gibt es nur Schätzungen.

RE: Der blinde Fleck der Klimabewegung | 21.12.2018 | 13:35

Eure (Moorleiche und Gelse) kleine Debatte hat mich inspiriert, demnächst mal etwas zur Landwirtschaft zu schreiben. ;) An dieser Stelle nur ein paar Daten aus Vaclav Smils "Energy&Civilization": Im Laufe des 20. Jahrhunderts- wuchs die Weltbevölkerung auf das 3,7-fache- stieg die Landwirtschaftlich genutzte Fläche "nur" um rund 40 %.- stieg er Einsatz "anthropogener" Energie (wie geschrieben) um den Faktor 130: umgerechnet auf die Fläche bleibt eine Steigerung auf das 90-fache pro Hektar.

- Im Jahr 1900 lagen die globalen Ernteerträge (brutto - vor Verlusten bei Lagerung und Verteilung) nur knapp über dem durchschnittlichen Bedarf. Folglich war die Versorgung der Menschen im Durchschnitt nur knapp ausreichend und in der Praxis oft unzureichend- Dank des Einsatzes anthropogener Energien versechsfachte sich die "Bruttoernte" auf zu Beginn des 21. Jahrhunderts 2800 kcal pro Kopf - das ist mehr als genug, wenn es denn gerecht verteilt wäre. Hunger und Mangelernährung sind heute reine Verteilungsprobleme: Die Nahrungsmittelversorgung in wohlhabenden Ländern liegt rund 75% über den tatsächlichen Bedarf, was zu enormer Verschwendung führt: 30-40% der Nahrung geht auf dem Weg zum Verbraucher verloren, hinzu kommen Verluste durch die erwähnte Fleischveredelung.

Gänzlich ohne den Einsatz von Zusatzernergie und mit den Flächenerträgen von 1900 lässt sich die Weltbevölkerung also definitiv nicht ernähren. Die Frage ist, wie weit man mit modernen "Bio"-Verfahren kommt, also etwa hydroponischem Anbau. Da wird es dann kompliziert. ;)

RE: Der blinde Fleck der Klimabewegung | 20.12.2018 | 19:28

Ich hätte ja gerne die eine oder andere Grafik direkt eingebunden, anstatt nur zu verlinken. Aber entweder reicht mein Verständnis der Technik dieses Blogs noch nicht aus (bin ja neu hier), oder es geht nicht.

Dank für den Ruf nach Empfehlung! ;)

RE: Ende des Monats: Ende der Welt! | 19.12.2018 | 21:19

Zitiert diesen Artikel und den Text von Kathrin Hartmann "Feuer am Horizont" aus dem Klima-Spezial: Die blinden Flecken der Klimabewegung

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 21.08.2018 | 16:12

Fein, wir sind uns als einiger, als es zunächst den Anschein hatte! :)

Ich bin ja völlig bei Ihnen, dass wir einen andere Wirtschaftslehre brauchen - es gibt in D, soweit ich weiß, keinen Lehrstuhl für biophyseco, allerdings immerhin immer mehr Initiativen Kritischer Wirtschaftswissenschaftler (1,2), die auch spannende Kurrikula anbieten. Es tut sich also was - allerdings kommen auf einen kritischen Wirtschaftswissenschaftler noch immer tausend(e), die den Mainstram anbeten.

Was den letzten Absatz angeht: Mir ist klar, dass "Ausweitung" angesichts unserer fossilen Infrastruktur und der Notwendigkeit, zu einer Null-Emissionen-Ökonomie zu kommen, ein riesiges Problem darstellt. Aber man darf eben auch keinen Klimaschutz auf Kosten der Armen betreiben. - Das würde auch gar nicht funktionieren, denn "Null-Emissionen" bedeutet eben auch, dass niemand mehr aus purer Not die Wälder abholzt. Die ganze Frage nach einer "besseren" Wirtschaft ergibt nur Sinn, wenn sie mit der globalen sozialen Frage verbunden bleibt. Und an dieser Stelle gilt es eben, den Zielkonflikt zu lösen, dass mehr Beteiligung am Wohlstand zu mehr Konsum führt und daher zu mehr Verbrauch. Gibt man diese Verknüpfung auf, wird es am Ende auf "Bevölkerungsreduktion" bzw. "Genozid auf Raten" hinauslaufen - für Sie vermutlich genauso inakzeptabel wie für mich.

RE: Die empfindliche Atmosphäre | 21.08.2018 | 12:11

Als ich den Untertitel las ("Warum die Gesetze der Natur stärker in der Ökonomie verankert werden müssen ", dachte ich: Endlich mal was zu diesem wichtigen Thema! Und dann? Welche Enttäuschung! Es gibt inzwischen durchaus eine Menge Fachliteratur, die sich des Themas annimmt, ein Stichwort wäre "Biophysikalische Ökonomie" (2). Der Autor scheint sich mit in seinem Thema aber nicht wirklich auszukennen, oder hält seine Kenntnisse zurück:

"Natur" wird in diesem Text allein etwas der Ökonomie äußerliches hergeleitet, noch dazu sollen Naturgesetze etwas sein, dass "klare" (!) Grenzen setzt, denen es sich "zu unterwerfen gilt". Um die Naturgesetze zu berücksichtigen, müsste die Ökonomie aber endlich begreifen, dass sie - einerseits - Teil der "Natur" ist: Ökonomie ist, wie wir als Gesellschaft stoffliche Austauschprozesse mit der natürlichen Umwelt organisieren. Dabei wird unvermeidlich Energie "verbraucht", bzw. die Entropie erhöht (Thermodynamik). Dieser Umstand macht Energie zu DER zentralen Ressource und eine Ökonomische Lehre, die Naturgesetze einbezieht, setzt hier an.

Stattdessen bleibt es bei einem "unterkomplexen" Naturbegriff, der auf gefährliche Weise an antidemokratische Traditionen der Umweltbewegung anknüpft: Die Vorstellung von ehernen Gesetzen der Natur, denen es sich zu unterwerfen gilt, hat historisch immer wieder dazu gedient, soziale und politische Fragen zu "Naturgesetzen" umzudefinieren, die nicht mehr hinterfragt werden würfen. Nicht zuletzt haben Rassisten und Faschisten mit solchen Denkfiguren ihre Menschenverachtende Ideologie gerechtfertigt.

Unsere Kenntnisse über die Naturgesetze sind unvollständig und werden das wohl auch immer bleiben. Hinzu kommt, dass wir Menschen in einem sozialen Verhältnis zur Natur leben, und dieses ist SEHR komplex. Die Rede von Naturgesetzen, die uns angeblich vorschreiben, wie wir zu leben haben, hat historisch vor allem Menschen gedient, die uns vorschreiben wollten, so zu leben, wie sie es aufgrund ihrer Weltanschauung für richtig halten und Alternativen auszuschließen.

Ein Beispiel dafür, wie gefährlich das ist, bietet der Text selbst: "Wenn sich der Wert auf 430 ppm erhöht, ist dass 2-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen", heißt es da mit Blick auf Naturgesetze. Das ist schlicht falsch! Praktisch alle "Klimapfade" die momentan diskutiert werden, gehen davon aus, dass der Wert tatsächlich auf über 430 ppm steigen wird - wir haben schlicht keinen "Transformationspfad", wie das noch verhindert werden soll (außer einen Atomkrieg vielleicht). Dass es trotzdem Modellrechnungen gibt, wie das 2-Grad-Ziel gehalten werden kann, liegt daran, dass all diese "Überschussszenarien" davon ausgehen, dass wir ab ca. 2050 "Negativemissionen" erreichen können, also CO2 wieder aus der Atmosphäre filtern und den Wert wieder senken. Tatsächlich kann die 430 ppm-Grenze also durchaus überschritten werden - für eine Weile. Damit wird aus einem angeblichen Naturgesetz aber etwas, das sozialen Prozessen und damit politischen Entscheidungen unterworfen ist: Welche Technologien fördern wir? Welche Formen von sozialen und kulturellen Wandel sind hilfreich? Wind und Solar oder doch Atomenergie? Biolandwirtschaft oder doch Präzisionslandwirtschaft?

An dieser Stelle freilich gilt es, biologische und physikalische Tatsachen anzuerkennen: Wir müssen den Ressourcen- und vor allem Energieverbrauch so effizient wie möglich gestalten. Aber wir müssen den bald 10 Milliarden Menschen auch ein menschenwürdiges Leben und Teilhabe am Wohlstand ermöglichen. Das wird ohne erhebliche Ausweitung von Güterproduktion, Dienstleistungen und mithin Energieverbrauch nicht möglich sein. Und wenn es sich zB als richtig erweist, dass die Präzisionslandwirtschaft die Menschheit mit viel geringerem Flächen- und Energieverbrauch ernähren kann, als die Biolandwirtschaft dies vermag, sollte dieser Umstand unsere politischen Entscheidungen informieren.