Asyl der Gedanken… Zeit der Detonation…

Ein Ausweg?! Gehen wir zum Thema Asyl doch einmal einen Schritt vorwärts in die Vergangenheit, damit wir unsere Zukunft nicht schon wieder einmal rückwärts gestalten. ...
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...Betrachten wir doch einmal die Frage des Asyls nicht nur allein nach äußeren Gesichtspunkten, sondern auch aus der Sicht längst ausgewanderter Gedanken, die doch vergebens ein Asyl suchten:

Kurz - die äußeren Fakten sind klar: Ausbeutung, Korruption, Diktaturen usw. haben es über Jahrhunderte geschafft, nach und nach Abermillionen von Mitmenschen auf anderen Kontinenten in Verzweiflung, Elend und Tod zu stürzen. „Wir“ in Europa und den USA haben an all dem – ebenfalls über Jahrhunderte bis in die Gegenwart - kräftigst mitgemischt und so manches dabei initiiert, Lebensgrundlagen brutal geraubt und die Lunte seit unseren Eroberungszügen mit angezündet. Damit nicht genug, erschafften auch die korrupten örtlichen Clans mit ihrer Gier und Unmenschlichkeit weitere Höllen… All die derzeitige Aufnahme von Flüchtlingen ist, und darüber sind sich auch alle Willkommenskulturbeschwörer längst einig, nur bis zu einem bestimmten Punkt, der gewiss noch lange nicht ausgereizt ist, machbar, wenn wir an die Abermillionen denken, die Gründe hätten zu kommen.

Je mehr aber kommen, umso mehr erhöhen genau sie die Chancen, nicht etwa nur über lächerliche Zäune, Spürhunde und Zeltstädte tiefer nachzudenken, sondern über die massiven Fehler der Vergangenheit und die ebenso massiven Fehler der Gegenwart, die eine lebenswerte Zukunft verhindern könnten.

Jetzt ist die Zeit der Detonationen. Die ersten Splitter fliegen uns um die Ohren… die alten Bomben platzen!

Zum inneren Asyl:

Die Welt steht auch u.a. derzeit deshalb so desolat da, weil sich zunächst ja nicht etwa Menschen, sondern Gedanken auf die Flucht in ein Asyl machten. Doch sie fanden keines.

Es gab damals, als diese Flucht der Gedanken begann, dieses „Europa der Hoffnung“ für sie nicht – vielleicht auch deshalb nicht, weil viele von ihnen ja mitten im geographischen Europa der Macht geboren wurden und das „Paradies“ eh immer woanders ist.

Es waren also zunächst „nur“ Gedanken, die keine Heimstatt mehr fanden, die sich zuerst auf den langen Marsch machten… Unerhörte, die Ungebührliches zu ihrer Zeit forderten und natürlich: ungehört blieben. Allzu viele von ihnen „ertranken“ in einem Mittel(mäßigen)Meer der Gleichgültigkeit und des Nichtverstehens. In einem Meer, das keine ausreichende Phantasie für die Probleme der Zukunft hatte. Man war allzu lange tumb genug zu glauben, man raube folgenlos. Dahinter standen Gedanken, die Humanität und Lebenssinn, Nachhaltigkeit und Freiheit im besten Sinne des Wortes als Kunstwerk entwickelten. Gedanken, die von klugen, weisen, durchblickenden Menschen ausgearbeitet und auch sehr gut begründet wurden. Von Mitmenschen, die uns als Warner höchste Dienste leisteten.

Doch diese Warner und Propheten der Weisheit forderten auch schon immer etwas dafür. Sie forderten Umdenken, Verzicht, Umwertung von Schein-Werten in echte Werte. Sie forderten Disziplin, Mitdenken, Protest und die Kraft zur Solidarität. Sie forderten unser Herz und unseren Verstand heraus, forderten unsere Einmischung… Mit anderen Worten: Sie forderten das scheinbar Unmögliche, weil es ja unsere Bequemlichkeit tangierte, weil wir nicht satt, sondern gern übersättigt sein wollten, weil wir schwelgen wollten, weil wir vom Guten einfach nicht genug bekamen – weil wir entsetzlich verwöhnt und verführbar waren. Und all das wussten schon immer und wissen auch heute die, die das Spiel mit der Macht über alles lieben und es auch weiterhin behalten wollen. Also mussten sie ihren Völkern geben, was diese begehrten, damit die Völker ihnen gaben, was sie begehrten: Ruhe im (politischen)Karton, damit die Macht erhalten blieb. Brot und Spiele. Viel Brot und schöne Spiele. Immer mehr und immer gigantischere Spiele auf allen Ebenen, mit sämtlichen Tabubrüchen, die nur denkbar waren, bis auf eines. Das Tabu der Macht… das durfte auf keinen Fall aufs Spiel gesetzt werden. Aber dafür brauchte es immer mehr Brot und Spiele, die süchtig machten, ablenkten und aufkommende Gedanken auch leicht umlenken konnten.

Vielleicht ahnten die Warner, dass sie das scheinbar „Unmögliche“ von all ihren Völkern forderten, weil sie ja auch wussten: Sie haben es mit Gewohnheitstieren zu tun. Der Gewohnheitsleib ist der Mächtigste unter all unseren Leibern. Der Mensch geht oft lieber in den Tod, als dem Gewohnheitsleib eine neue Disziplin zu verordnen. Sie wussten von der unsäglichen Trägheit des Durchschnittsmenschen, der um jedes seiner kleinsten Pfründe kämpfen wird, weil er schon längst an der brandgefährlichen Nadel des Wohlergehens hängt, das naturgemäß fast alle Menschen von Herzen begehren. So wurden wir nach und nach Junkies des Konsums, den wir über alles lieben. Er war das perfekt wirkende Narkotikum zur Machterhaltung. Mit „wir“ ist dabei jene anonyme und dennoch konkrete ausreichend große Masse von Zustimmern gemeint, die dafür – wie unbewusst auch immer - verantwortlich zeichnet, dass unsere Erinnerungen an all diese wertvollen Warner, klugen Durchblicker, wahre Reformatoren, in die inneren Katakomben auf nimmer Wiedersehen verschwanden. Doch wollen wir nicht arrogant sein bei einer solchen Kritik: Wohlergehen ist ein wunderbares Gut für uns Menschen; aber der Preis, der dafür zu zahlen ist, kann zum Minus für uns werden. Diese Rechnung wird zumeist aber nicht ehrlich dem nicht mitdenkenden Teil der Bevölkerung aufgemacht!

Viele dieser Warner vor den sich klar seit langem abzeichnenden Katastrophen wurden diffamiert, mundtot gemacht oder gleich umgebracht. Heute stellt man sie auch gern in die Ecke der Verschwörungstheoretiker, also der Spinner. Doch ihre Ideen lebten und leben ja weiter und springen in ein nächstes kampf- und auch leid-bereites Hirn, das wiederum an der Verwirklichung von Weisheit arbeiten wird. Unliebsame kann man töten, ihre Ideen nicht. All diese Menschen sprachen aus dem Volk als einfache oder gebildete Bürger; als Philosophen, Wirtschaftsexperten, Physiker, Schuster, Priester oder Sachkenner von Natur oder Politik zu uns. Manche hörten ihnen zu, die Masse jedoch interessierte sich weiter für Brot und Spiele.

Mit all den zahllosen Dissidenten, Systemkritikern und Andersdenkenden verschwanden auch dann immer wieder vorübergehend deren Gedanken in ein Asyl ohne Namen…

Ein Nicht-Ort mit dem Namen: „Verdrängung“, der ungemein viel Platz bietet und die Toten nicht zählt. - Verdrängt wohin? Überall hin vielleicht, nur nicht dahin, wo Geist auch über die Macht der faktischen Entscheidung verfügt. Wo Geist den Hebel der Veränderung mit ansetzen könnte. Denn dort sind die Schotten schon immer dicht gewesen. Aber müssen sie es denn bleiben? Immerhin kämpfen Menschen nicht gegen Götter, wenn sie all dies in ihren berechtigten Forderungskatalog schreiben, sondern nur gegen andere Menschen...

... Aber dieser Ort der verdrängten Gedanken-Asyle hat einen Ausgang, der in der Not zu öffnen ist. Wir müssen nur den Schlüssel finden und ihn auch benutzen. Hoffnung gibt es immer. Vielleicht ist die Not bald groß genug, dass wir all diese Ideen wieder „herauslassen“ und zu uns bitten. Vielleicht weisen Sie uns Wege, wenn unsere Verzweiflung über die von uns teils mit verursachten Mißstände unerträglich wird. Wir brauchen ein Weißbuch all dieser Gedanken, die uns Wege weisen, die uns die Macht der Mächtigen aus ganz eigenen Gründen versagt.

Warum also nicht eine Konferenz der Zivilgesellschaft, wo sich diese Weisheit bündelt!?!?

Eine Konferenz initiiert von Unabhängigen, von Könnern, Wissenden und Zukunftsbereiten, die keine Lust an der Macht drängt, aber durchaus die Liebe zum Leben und die Verantwortung für unseren Planeten…

Wissende und Könnende, die keine Lobby im Nacken sitzen haben, nicht nach Posten schielen, sondern Freiheit und Verantwortung nicht nur hohle Worte sein lassen, sondern mit Leben und Liebe erfüllen wollen.

Skeptiker mögen einwerfen: Das wird verhindert! Das bekommt keine politische Mehrheit…!

Ja, mag sein, aber vielleicht können Sie den Menschen die Alternative so erklären, dass diese einsehen lernt: Mit der derzeitigen Politik der Konsumgier, Inhumanität und Hegemonieansprüche ist nicht nur kein Staat zu machen, sondern letztlich gar nicht zu überleben. Wer das ausreichend klar und deutlich erklären kann, wird vielleicht die nächste Chance zur Wende bekommen.

Also kein Kongress des weiteren Geschwätzes darf es werden, sondern eine Zuflucht oder ein ASYL der Hoffnung auf eine Zukunft, die für alle lebenswert ist. Ein globaler Kongress – ohne Beteiligung der globalen Macht. Oder anders: Ein Kongress einer neuen, anderen Macht der Menschlichkeit, die neue Wertmaßstäbe setzt. Es braucht die Besten von allen!

19:24 01.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nashira

Ich sprenge Lichtlöcher in meinen Dunkelraum, bewege mich zwischen den Stühlen und verschatte mir das Tageslicht, um schärfer sehen zu lernen.
Nashira

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