Bin ich ein Placebo - oder wer narrt mich da mit Heilung?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Anlässlich der lange geführten Diskussion in Merdeisters Weltskeptikerkonferenz, möchte ich Fragen stellen, die sich auf die innere Haltung der Menschen beziehen, falls sie tatsächlich über echte Placebos (also Scheinarzneimittel, dass keinen Arzneistoff enthält) oder über behauptete Placebos (wie die Homöopathie, die völlig anders geartet ist) immer wieder neu gesunden.

Echten wie behaupteten Placebos ist gemeinsam, dass man keinen Arzneiwirkstoff nachweisen kann. Die echten Placebos enthalten tatsächlich nur das Trägermaterial von z.B. Wasser, Alkohol oder Milchzucker und die Homöopathie ist ein Sonderverfahren der Verdüngung und Potenzierung, wo mit den Impulsen der Wirkstoffe so fein gearbeitet wird, dass er sich unseren derzeitigen Messinstrumenten zwar entzieht, aber dennoch seine beabsichtigte und getestete Wirkung punktgenau an der richtigen Stelle entfaltet.

Die Kritiker der Homöopathie bezweifeln die Wirkung auch dann, wenn/obschon immer wieder viele Menschen daran gesunden und nehmen dann alternativ jenen Placeboeffekt an, der auf Psychologie oder Einbildung, Zuwendungusw. basiert, wodurch diese Heilung dann eintrat. In diesem Fall wäre es bei beiden Gruppen also so, dass sie in leichten wie schweren Fällen pharmakologisch gesehen an Nichts oder scheinbar Nichts gesundeten.

Um hier also weiter zu kommen, muss man sich wohl oder übel sowohl der Psyche wie dem Geist widmen.

Das dauernd wiederholte Argument, dass die guten Ärzte durch ihre menschliche Zuwendung für die Heilung hauptsächlich mit verantwortlich sind, mag in den Fällen der Fall sein, wo die homöopathischen Ärzte aufgesucht werden. Nehmen wir es einfach einmal an, um eine bessere Ausgangslange für offene Skeptiker zu schaffen ! … (Selbst wenn diese Ärzte selbst davon überzeugt sind, dass es eben nicht allein ihre menschliche Zuwendung ist, sondern vor allem auch ihr Spezialwissen um die Wirkung von Homöopathie und der hohen Kunst, den Patienten dem richtigen Medikament zuzuordnen.)

(Dass sich viele nicht homöopathische Ärzte sehr liebevoll um Patienten kümmern, auch wenn sie nicht dafür bezahlt werden, ist auch eine schöne Erfahrung, die ich dankbar machte, aber die in diesem Zusammenhang der Fragestellung im Moment aussen vor bleiben kann).

Aber was ist mit den Abertausenden von Fällen, zu denen ich auch gehöre, die sich seit vielen Jahren eben in der Regel mit allem möglichen und auch sehr verschiedenen Krankheitsbildern allein behandeln und damit erfolgreich umgehen?

Hier wirkt dann k e i n e psychologische Ärzte-Zuwendung, weil keiner dafür in Anspruch genommen wurde.

Meines Wissens (ich lasse mich gern belehren, wenn das falsch ist!) haben all die vielen bisherigen Studien entweder Allo- mit Homöopathie verglichen – oder Homöopathie gegen Placebos und kamen dann eben auf das Argument, dass im Falle homöopathischer Wirksamkeiten eben die psychologische Zuwendungs-Komponente entscheidend war.

Dieser Denk-Ansatz reicht aber keinesfalls aus, wenn man den Vorgang der Heilung umfassender verstehen lernen will.

(Will man das überhaupt?! - Arbeitsplatztechnisch wäre zunehmende Volksgesundheit ja eine Megakatastrophe!)

Denn dann wären Studien notwendig, die in allen behaupteten und scheinbaren Vergleichsstudien wie auch „Placebo-Fallstudien“ nicht nur chemisch-pharmalogische Kriterien untersuchen, auch nicht nur die psychologische Zuwendungsrate und das Angenommen-Sein, sondern vor allem die tiefere Bewusstseinshaltung des Patienten (und des Arztes! in sich verstärkender Kombination), die nicht allein psychologischer Natur ist, sondern eine geistige Grundhaltung dokumentiert.

Erst durch letzteres kann man dem Kernpunkt zum Verständnis von echter Heilung langsam näher kommen.

Müssten also die weitergehenden Studien unter anderem nicht auch dies hier fragen:

1.Was machen die „Placebo“-Selbstbehandler richtig, wenn ihr Verfahren immer wieder neu wirkt?

2.Wie „bewusst“ oder „unbewusst“ gehen sie in ihren Selbst-Behandlungen vor? *) (Bewusstes und Unbewusstes würde in der Studie dann spezifiziert werden müssen).

3.Welche Grundvorhaussetzungen, Inhalte und welche Qualität muss/sollte ein solches Bewusstsein denn haben?

4.Gibt es Übereinstimmungen unter den erfolgreichen Selbstbehandlern? Wenn ja welche und wo unterscheiden sie sich eklatant?

5.Was wenden sie wie an?

6.Wann und woran scheitern sie wie oft oder wie selten?

7.Warum brauchen sie (in der Regel) n i c h t die ärztliche Zuwendung, um trotzdem erfolgreich zu sein?

8.Welches Menschen-, Medizin-, Körper- oder Gesundheitsbild tragen die Laien unter den Selbstbehandlern in sich, dass ihre Therapie offenbar ebenfalls wirkt?

Heilung geschieht über verschiedene Faktoren, von denen hier nur die „groben“ Oberfaktoren aus Platzgründen genannt werden:

1. ärztliche Behandlung/Medikamente (allo- oder homöopathisch)

2. Psychosomatische Einflussfaktoren (wie z.B. Ängste, Sorgen, Belastungen, Dauerstress usw. auf Seiten des Patienten ... und Wärme, Hilfsbereitschaft, Angenommensein, menschliche Zuwendung auf Seiten mancher Ärzte oder Therapeuten/Heilpraktiker) und

3. Die Grundhaltung der Annahmen wie man die Welt, den Körper, die Gesundheit und auch die eigenen inneren Heilkräfte sieht… (es gibt noch weitere Faktoren z.B. wie auch die genetische Disposition usw.)

Frage an die Leserschaft:

Wer zum Beispiel ist felsenfest überzeugt, eine Art „inneren Arzt“ zu haben? – Also in vielen Fällen über gut funktionierende Selbstheilungskräfte zur Verfügung, wenn es vor allem die inneren Krankheiten betrifft( also nicht Brüche usw.)

Wenn ja, wer glaubt darauf starken Einfluss odergar keinen Einfluss zu haben?

Im Falle von Einfluss: Wer glaubt, dass dieser persönliche Einfluss von der geistigen Grundannahme (Glaubenssatz) über die Gesundheit und die Möglichkeiten von Wirkmechanismen mit entscheidend ist für die entsprechende Auswirkung? -siehe punkt 3 oben

Wer hält den „inneren Arzt“ eher für Unfug und ist überzeugt, dass allein die Automatismen des autonomen Systems im Menschen für das Richtige sorgen (wie z.B. die Blutgerinnung bei offenen Wunden)?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nashira

Ich sprenge Lichtlöcher in meinen Dunkelraum, bewege mich zwischen den Stühlen und verschatte mir das Tageslicht, um schärfer sehen zu lernen.
Nashira

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