Gemurmeltes German-Mantra

Flüchtlinge Ich hocke hier. Murmelnd. Ich drehe an den Perlen meiner Kette. German-Mantra. Wir schaffen das! Was? Na, das eben! Das mit der Phantomdiskussion. Und überhaupt!
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Das mit den vielen, die jetzt kommen. Das mit der Barmherzigkeit und dem braunen Pack. Angst hin oder her. Germanangst gilt nicht. Nicht jetzt. Wir schaffen das. Klar doch.

Deals. Wir kaufen die Flüchtlingskontingente den Balten und Slowenen ab. Bei 6000 Euro pro Flüchtling einmalig steht das derzeitige Sonderangebot. Das ist zu zahlen, wenn nun einer partout nicht will. Und auch die Flüchtlinge wollen ja nicht. Wollen ins Merkelmamiland. Leute im Osten: Greift zu! So preiswert wird’s nicht mehr. Ihr wisst doch: Mindestens 12.500 Euro pro Person pro Jahr. Auf Jahre. Tendenz steigend. Überhaupt ist alles inflationär. 6000 Euro für einen Flüchtling sind Peanuts für euch, angesichts der Realkosten! Ok, einige Flüchtlinge schaffen es ja auch in unseren Arbeitsmarkt. An Fleiß und gutem Willen fehlt es den Geschundenen gewiss nicht.. Aber wie vielen gelingt es tatsächlich, von den zu erwartenden neuen Millionen (Gabriel, auf Jahre, Tendenz steigend!) auf einem enggewordenen europäischen Arbeitsmarkt innerhalb einer engstirnigen EU, auf die man den Paragraphen der Unzurechnungsfähigkeit anwenden sollte. Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern. Italien, Spanien, Portugal und all die anderen Länder. Und jetzt packen sie auch in Pakistan die Koffer... und noch weiter im Osten. 60 Millionen auf der Flucht. Laut Schätzungen sollen es bis zu 600 Millionen werden. Bald. Eritreaer, Syrer, Afghanen. Klare Sache. Aber hallo Leute! Da geht’s auch schon um Millionen. Und sprecht uns nicht von der Verzweiflung in den Lagern Jordaniens. Die Länder tun, was sie können. Nur sie können halt nicht mehr, als die Menschen dahin vegetieren zu lassen. Die UN versagt. Mal wieder. Was kostet uns eigentlich das ständige Versagen und was das Aufrechterhalten des Versagers?

Und was, wenn al-Assad bald vielleicht im Moskauer Asyl lebt? Dann ist alles wieder paletti, dann ziehen alle wieder zurück, bauen brav auf? Natürlich nicht. Wir sehen doch, was passiert, wenn der Westen „missioniert“. Wer schlägt der Schlange den Kopf ab und welche Köpfe wachsen nach? Libyen zum Beispiel. Afghanistan. Irak.

Ihr seid willkommen. Aber was geht, Girls und Boys? Wie lange geht es? Man braucht die Spannungen doch nicht herbei zu reden. Sie leben durch die Ängste. Die Ängste erzeugt auch die Regierung selbst. Das braucht keinen braunen Mob. Sie ist selbst gründlich dabei. Nicht Ahmed ist das Problem oder Aishe, sondern die Faktoren Masse, Zeit, Psyche. Das ist die Kurzformel. Die Langformel braucht Mathematiker der Menschlichkeit. Ein zu schaffender Berufszweig. Dazu all die vielen weiteren Faktoren, die uns seit Jahren zusätzlich eingehämmert werden: Altersarmut, Alterspyramide, Klimawandel, demographischer Wandel, Wertezerfall, Ressourcenausbeute, Umweltschäden…und jetzt auch noch VW. Man rechne… und bete. Und dann noch die Sache mit dem Kapitalismus: Dem geliebten Bösen. Dem geschickten Dealer, der uns zu Junkies machte, auch zu Ausbeutern. Die Beute schlägt zurück. Ein weites Feld. Vielleicht ist die Welt viel gerechter, als wir glauben, wenn wir nur die Zeitrelation mit hineinnehmen.

Barmherzigkeit. Unsere neue Seite. Die trugen wir schon immer in uns. Nur Hitler, der Arsch, hat uns kurz mal verführt. Kollektive Hirne am Eingang der Begeisterung abgegeben. So etwas passiert. Da waren wir die Bösen. Die ganz Bösen. Jetzt sind wir die Retter der Welt. "Rette mich vor dem Retter, rette!" Stanislaw Jerzy Lec. Welches nicht manipulierte Hirn blickt noch durch. Keines. Ziel erreicht. Denn mit Durchblick ist nichts mehr auszuhalten. War das nicht schon immer gewollt? Aber bitte doch nicht so!

Die große Entladung hat begonnen. Nichts ist zu stoppen. Wir schaffen das! Mantra-Gemurmel. Ich will, dass wir das schaffen. In diesen Dingen bin ich deutsch. Auch wenn es um Ordnung und Gründlichkeit und Sauberkeit geht. Doch welche Ordnung? Welche Gründlichkeit? Hier tun sich Alternativen auf. Es beruhigt. Das Drehen an der Kette. Das Merkel-Mantra. So warmherzige Silben. Das Om der neuen Wirklichkeit. Das große freie Durchatmen des Gutmenschen. Ohne die vielen Gutmenschen stünden wir ja längst wieder einmal böse da. Ich will zu den Guten gehören. Aber wie lange reicht die Kraft, der Wille? Überall Konjunktive. Luftblasen. Politisches Gestottere. Treuherzig blickende Augen. Absichtserklärungen. Kein Geld. Aber für Banken. Immer. Wir müssten. Wir wollen. Wir sollten. Lasst uns doch. Na, dann macht doch. Machen sie ja auch. Die Bürgermeister vor Ort. Jeder geht brav über das Äußerste hinaus, als wäre Spagat seine tägliche Dehnübung. Das muss er. Der braunen Soße wegen, brandsatzgefährlich. Aber auch sonst. Für die Ängstlichen, nicht braun, schwarz oder grün. Einfach nur ängstlich. Die, die sich den Luxus des Mitdenkens leisten. Ob sie zu Ende denken, sei mal dahingestellt. Nicht jedem liegt das Thema Tod. Oder das Thema Teilen oder die Frage der Gerechtigkeit. Wer denkt denn schon die Sache vom Ende aus? Selbstmordkandidaten… Selbst schuld, wenn Denker es an die Nerven bekommen. Die Anstalten füllen sich.

120.000 Flüchtlinge sind offenbar ein gigantisches europäisches Problem, für das man gleich mehrere erfolglose Konferenzen braucht. Ach! ? - Aber es kommen doch Millionen. Warum werden solche Treffen für solche lächerlich geringen Altzahlen überhaupt abgehalten, die nichts mehr gelten? Dafür steigen Regierungschefs ernsthaft in den Flieger? Phantome in Brüssel. Hey, wacht auf, ihr Schnarchnasen. Kommt ihr euch nicht albern vor, über Zahlen zu sprechen, die so etwas von mega-out sind angesichts der täglichen Flut? Kleine Schritte tun, wenn die Lawine donnert? Ihr tänzelt auf dünnem Eis. Aber ihr tut es wissentlich. Das ist eure Schuld. Seid ihr des Irrsinns?

Und überhaupt die Sache mit der Schuld? Vergesst sie, abgehakt. Vergangenheit. Auch wenn viele von euch damals schon dabei waren und sich ignorant stellten. Verantwortet es vor dem Herrgott oder vor euch selbst. Es geht ja nicht ums merkelige Willkommen, nicht nur um Jahrzehnte, sondern schon um Jahrhunderte des Versagens und der Ausbeute. Die Kriege nicht zu vergessen. Die amerikanische Mission, die deutschen Waffenschmieden. Und nun überall die Clans und Stammesfürsten fest im Sattel. Geschmiert. Prostituiert. Egal, ob in Afrika, im Nahen Osten oder an der Börse. Überall Clans und Stammesfürsten, die absahnen, die das Schaumkrönchen der Gutmenschengabe wegschlecken. Schamlos, in bekannter Lustekstase. Hot Spots die Lösung?

Macht euch nichts vor. Die lokale Hilfe vor Ort wird wiederum versickern, wenn ihr nicht streng mit dem Stöckchen ganz fest auf die gierigen Finger klopft. Täglich und auf Dauer kontrolliert. Im Grunde müsstet ihr doch massenhaft viele Diktatoren entmachten, um wirklich erfolgreich zu sein – was quasi Diktatur voraussetzt. Demokratische Aussichten! Aber selbst dann: Es braucht Jahre und Jahrzehnte, bis diese uralte verpasste Chance dann tatsächlich einmal so greift, dass es eine Massenflucht eindämmt.

Sagt das mal einer losgedonnerten Lawine.

Hirnlosigkeit, Versprechen, Zuversicht. „Es liegt auch in unserem eigenen Interesse“. De Maziere. Natürlich. Das liegt es. Und wie. Wir haben das alles im Griff. Das Pack einerseits und die anderen andererseits. Also die unsäglich vielen, die keiner mehr richtig zählt. Dauerhaft bleiben. Keine Übernachtungsgäste für ein halbes Jährchen, wie uns irgendwie suggeriert wird. Da ist früher oder später keine Rebellion zu befürchten, die zudem auch menschlich nachvollziehbare Gründe hat? Doch? Von welcher Seite? Von allen natürlich! Blickwinkelsache halt. Aber man darf es nicht sagen? Kassandra war schon immer unbeliebt. Ach, wir sperren die Bösen einfach weg. Die bösen Deutschen und die bösen Ausländer, die sich nicht benehmen können. Nach den Flüchtlingsasylheimen müssen dann vermutlich zunächst einmal Gefängnisse für die Bösen aller Coleur gebaut werden, die sich bald fetzen werden, weil zu vieles zu schnell kommt und manches Notwendige dafür überhaupt nicht. Adaption? Anpassung wer an wen warum?

Und überhaupt die Sache mit der Integration. Klar, die Masse der Flüchtlinge ist willig. Auch arme Gutmenschen. Wollen doch nur leben, überleben. Endlich haben sie quasi kollektiv das geografische neue Paradies beschlossen. D wie Germany. Was aber ist mit den zu erwartenden Massen der vermutlich Nichtintegrierbaren, die zwar auch wollen, aber einfach nicht mehr können? Darunter Versehrte, Analphabeten, Traumatisierte an Leib und Seele. Sie sind nicht mehr jung, nicht mehr belastbar, haben schon zu viele Kinder geboren, kennen unsere Form von Stress nicht einmal. Nicht jeder von ihnen kommt im Niedriglohnsektor unter, um wenigstens seine Grundexistenz bestreiten zu können, auch wenn er es ja gerne würde. Wer kennt ihre Zahl, traut sich, sie bald zu nennen? Realzahlen: politisches Aus! Traurige Beispiele. Herz-Stoff, der Romanautoren überfordert. Die Wirklichkeit ist immer schlimmer als die Phantasie. Man muss sie nur realisieren. Und dann all die unseligen, weil unpassenden Vergleiche mit den Flüchtlingen nach dem Krieg. Als wären wir hirnamputiert.

Hallo, wacht auf, wenn ihr Beispiele bringt. Wir leben in der Zeit von 3-Druckern, Internet und Robotern. Wisst ihr, was das in Bezug auf das Arbeitsproblem von Massen bedeutet? Vor allem in Wachstumsgesellschaften, wie die unseren? Schaut doch nur einmal in den frisch erschienenen den Atlas der Globalisierung von Le Monde Diplomatique!

Leben und Menschenwürde sind Luxusgüter in Zeiten des ausufernden Konsumismus geworden. Das darf man nicht sagen. Ist aber real so. Überhaupt die Sache mit der Realisierung. Sie wird gefährlich. Denn wenn man sagt, was man realisiert, steht man ständig vor einem ideologischen Feind. Die Fronten sind unscharf und kommen aus allen Himmelsrichtungen. Political correctness… Realisieren wir bitte diesen schönen Traum an den Machbarkeiten. Ressourcen sind endlich. Gilt das auch für die Liebe? Nein. Aber für die Menschen, die die Liebe zu leben hätten, die Träger der Möglichkeiten der Liebe sind, aber es nicht ausreichend stark vermögen. Sie fordert zu viel. Bedingungslos will sie sein. Wir Menschen wollen das aber nicht. Keiner muss lieben oder nächstenlieben. Lieben ist ein Kind der Freiheit und der inneren Verantwortung. Aber weil es so ist, müssen eben viele leiden, sterben. Ersaufen, verhungern, verbrennen oder zerschmettert werden. Giftgas geht auch. Wir kennen viele Arten von Krieg unter einander, weil wir nicht ausreichend stark lieben können. Auch hier sind wir Menschen: seelische Kretins.

Wir schaffen das! Trotzdem.Keiner sagt, dass es leicht ist. Aber es ist unerträglich, die Dinge nicht mehr zu Ende denken zu dürfen. Ängste nicht aussprechen zu dürfen. Wer träumt, lebt gefährlich. Aber ohne Träume ist es vielleicht noch viel gefährlicher – auf andere Weise halt. Es kommt ja auf die Trauminhalte an und das, was der erwachte Mensch dann daraus macht – oder sein lässt.

Die Lawine donnert. Zur Seite flüchten? Wohin? Die Lawine ist breit. Kein Missverständnis: Die Lawine sind nicht die vielen, die kommen und kommen und nicht zu stoppen sein werden. Die Lawine, die ich meine, ist die Lawine des kollektiven Versagens. Sie wird uns alle überrollen. Alle? Nein. Irgendwer bleibt immer übrig. Die am Rande. Nehme man den Rand als Metapher weit über das Geographische heraus. Ausgefranste Ränder des Geistes. Spuren des Lebendigen. Sie haben eine neue Aufgabe. Sie werden bunt durchmischt sein von Hautfarbe, Kultur, Ethik oder Religion. Sie werden aus unseren Fehlern lernen. Die Welt ist so schnell nicht wirklich aus den Angeln zu heben. Das Leben an sich noch weniger. Doch die Turbulenzen werden uns genau in der Härte treffen, wie wir sie über Jahrhunderte angelegt und bis heute fortgeführt haben. Wider besseres Wissen. Ignorant, dumm, dümmer am dümmsten. Beklagen wir uns also nicht, dass wir die Dummen sind.

Ziehen wir uns also die Schneebrillen auf, schalten unser Sauerstoffgerät ein und lassen wir Donnern, was nicht mehr aufzuhalten ist…. oder? Wer bläst in die Trompeten von Jericho? Und welche starren Wände des Wahns werden dann endlich zerstört?

05:20 23.09.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nashira

Ich sprenge Lichtlöcher in meinen Dunkelraum, bewege mich zwischen den Stühlen und verschatte mir das Tageslicht, um schärfer sehen zu lernen.
Nashira

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