Nahe am Tod - Persönliche Grenz-Erfahrungen mitten im Leben

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Idee zu dem Beitrag kam mir eben, als ich bei Maike Hanks „Kino im TV“ etwas einstellte: Die Sache mit der Todesbegegnung so mitten im Leben.

Mal sind es Unfälle, mal sind es Krankheiten oder ganz andere Dramen, in die eine Reihe von Menschen so im Laufe des Lebens verwickelt werden. Ich selbst neige offenbar ungewollt und ungerufen dazu, mich immer einmal wieder in Todesgefahr zu befinden, ohne dass ich auch nur die geringste Selbsttötungsabsicht in mir trage. Ich kann versichern: Ich lebe gerne.

Aber wenn ich mir die Häufigkeit meines (scheinbaren?) Beinahe-Sterbens vor Augen führe, frage ich mich, was das ist. Auch frage ich mich, ob es anderen Menschen genauso ergeht. Ihnen zum Beispiel hier! Dabei spreche ich nicht von den Extremsportlern oder Extremberufen. Das ist eine ganz andere Klasse, die sich da dem Tod bewusst aus ganz eigenen Motiven ja nähert – und manch einer von ihnen ja auch in jungen Jahren erlebt.

Ich spreche hier vom Durchschnittsmenschen, ohne besondere Fähigkeiten oder Ambitionen, also einem wie mich. Einem Menschen, der kein Bergkletterer ist, keine Extreme versucht, keinen Ehrgeiz oder Wagemut unter Beweis stellen will - sich aber doch immer wieder ungewollt in schwierigste Situationen bringt (gemessen nur an der eigenen Leistung oder persönlichen Überforderung). Eher würde ich mich sogar in Richtung "Sicherungsfan(atiker)" einordnen, statt einer Abenteurerin. Oder zum Beispiel auch als Hobby-Kajakfahrer, der nach der Meisterung eines eigentlich fast harmlosen Wasserfalls dann dennoch in einem winzigen Augenblick kentert, im Boot eingeklemmt ist (auch mein Fehler) und fast absäuft, natürlich während eines plötzlich auftretenden Gewitters in einer Zone ohne Anladungsmöglichkeit, die anderen schon weit voraus. Traumatische Erinnerungen – und wieder einmal gut gegangen. Oder als ein Kind, dass schon ganz früh im Kindergartenalter mit seinem kleinen Köpfchen brachiale Zusammenstöße mit einem Polizeiauto hatte – wobei das Polizeiauto gewann. Oder die Sache mit der Klettertour auf über 3000 m, die ich bei Maike Hank ein klein wenig genauer beschrieb. Es gibt noch mehr Dinge, die ich hier nahe am Grenzbereich von Leben und Tod aufzählen könnte, um deren Einzelheiten es aber nicht geht, sondern um die Frage, was es ist, dass durch eine gewisse „Unachtsamkeit“ Situationen immer wieder neu in allen Lebenslagen entstehen und was man – außer den Blessuren und des erneuten Schwures nach besonderer Achtsamkeit in allem – daraus mitnimmt?

Was nehmen Sie aus Ihren Extrembegegnungen in Grenzbereichen mit? Es muss dabei auch gar nicht die körperliche Grenzerfahrung sein, sondern es kann sich auch um geistige oder emotionale Grenzerfahrungen handeln.

Ist das scheinbar „Schusselige“ an scheinbarer Unachtsamkeit am Ende vielleicht auch ein intelligenter Motor für eine unsäglich tiefe Lebensintensität? Prägen sich damit auch dann Anschauungen, bis hin ins Gesellschaftliche oder Politische um, wenn man diese Grenze immer wieder schicksalhaft „aufsucht“?Denn nichts ist ja ohne Wirkung auf ganz andere Bereiche, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und dennoch massiv Einfluss ausüben können.

Sind diese „Unglücke“ oder „Zufälle/Krankheiten“ oder selbst verschuldenten Dilemmata am Ende nicht sogar ein „Glück“ (wenn man es überlebt)? Ein Glück, weil sie einem die zarte Zerbrechlichkeit des Lebens so fühlbar tief mit allen Sinnen vor Augen führen und ins Blut einschreiben, dass man das Gefühl hat: Hier geht es um viel, viel mehr als das, was es scheint?

Was ist mit ihren ganz eigenen Grenzerfahrungen? Erleben Sie diese als persönliches Pech oder als Chance? Als bloßes Ärgernis, Störung und ungebetenen Schmerz…. Oder als was …..?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nashira

Ich sprenge Lichtlöcher in meinen Dunkelraum, bewege mich zwischen den Stühlen und verschatte mir das Tageslicht, um schärfer sehen zu lernen.
Nashira

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