Verändert „der Freitag“ Bewusstsein?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Für mich bleibt die Frage, was wir tun können. Wenn es unten nicht mehr reicht, Vorbild zu sein, was ist dann ein Mittel der Wahl? "

Diese Frage stellte Ismene gestern in einem anderen Blog:

www.freitag.de/kultur/1205-stimmt-r-cksichtsloser-geht-s-auch-unten-zu-aber-nur-die-eliten-profitieren-kr-ftig

Und diese Frage stelle ich mir schon lange – auch wenn ich erst seit kurzem hier schreibe (aber schon länger hin und wieder mitlese) und möchte es am Beispiel des „freitag“ einmal anschaulich nachfragen:

Wie „gut“ ist „der freitag“ und seine Community? Wie „gut“ im Sinne von verändernd, Bewusstseins schärfend, Impuls gebend?

Wir erleben: Hier und auch in anderen guten Foren im Netz werden ständig eine große Anzahl von konstruktiven Worten, Vorschlägen, Ratschlägen und engagierten Beiträgen von Profis und Laien zu allen Themen des Lebens abgegeben. Legt man dies auf eine Waage, käme schon eine beträchtliche Qualität von (Gesamt-)-Bewusstsein zusammen. Aber wo und wem nützt es denn? Nur der eigenen Seele? Die stolz zu sich sagt, dass sie zumindest nicht geschwiegen hat, Salz in offene Wunden streute, sich hier und dort von Meinungsgegnern beschimpfen ließ – aber sich dabei ja auch vortrefflich unterhielt? Ein geistiger Fight, der irgendwie ja auch Spaß machte, weil der Meinungsgegner dem eigenen Niveau durchaus entsprach? Eine Schmiede zur Selbstschärfung? Eine Schmiede zur geistigen Selbstbefriedigung? Oder doch viel mehr?

Mich würde interessieren, ob all die "Debattierzirkel" im Netz (nicht abwertend gemeint!) auf gehobenem Niveau überhaupt irgendwas bewirken – außer der privaten Lust daran!?

Wie kann man das testen? Vielleicht mit einer internen Umfrage? Aber ist der "freitag" dafür nicht noch zu jung? Oder gab es sie bereits?

Die Redaktion könnte, falls geneigt, einen Fragebogen entwickeln, der u.a. folgende Fragen stellt:

Wie lange sind Sie aktiv schreibend dabei?

Wie lange sind Sie aktiv lesend dabei?

Hat sich während dieser Zeit Ihre Einstellung verändert?

Wenn nein, warum nicht? ---Bekamen Sie keine neuen Impulse, keine neuen Anregungen? Blieb alles bei Ihnen alles beim Alten in Sachen Anschauung, Haltung?

Wenn ja, was haben Sie für sich persönlich verändert? Gab es innere oder äußere Aktivitäten, die mit den Impulsen beim "freitag" zu tun hatten?

z.B. Eher Rückzug (von der Welt an sich, der Politik, der Kultur usw.) aus Frust an den Verhältnissen - oder neues Engagement (bei Kollegen, Freunden, Familie, soz. Umfeld) durch kritischere Beiträge - oder ganz andere Formen von Engagements in der Gesellschaft usw.

Waren oder sind sie zugleich in anderen Foren lesend oder schreibend aktiv? Welche?

Wie erleben Sie dort die Gemeinschaft? Geht es über das debattieren hinaus? Werden konkrete Dinge geboren, wo sich Menschen neu zusammenschließen?

Oder geht es letztlich früher oder später überall "gleich" zu im Sinne von Streit, Themen auf spannendem Gesprächsniveau, das aber letztlich für die kritisierte Sache nichts bringt? Was glauben Sie, woran liegt das? - usw. usw.

Eine solche Umfrage kann nur ein Stimmungsbild sein. Mehr nicht. Aber eines, das dennoch etwas aussagt, wenn diese Studie lang genug angelegt wird und weitere kritische Hinterfragungen zum Freitag und seiner Community – auch im Vergleich zu anderen Zeitungsforen - noch mit dazu kommen.

Welche Talente und Kapazitäten sich hier so versammelt haben, ist den Beiträgen zu entnehmen. Und da ist ja viel Beachtliches, an dem man echte Freude haben kann. Also geistiger Reichtum an sich ist ausreichend da! Daran mangelt es nicht (analog zu druckfrischem Geld!) Man darf davon ausgehen, falls ausreichend viele guten Willens sind mitzumachen, auch ein hohes Maß an kritischer Reflexion und Selbstreflexion für eine solche Umfrage möglich ist.

Da eine solche Studie ja anonymisiert von der Redaktion ins Netz gestellt werden könnte, sollten auch keine Antworthemmungen da sein. Technisch sollte nicht nur eine primitive Multiple Choice-Möglichkeit geschaffen werden, sondern zusätzlich individualisierte Stellungnahmen, die später mit zu lesen sind und das Stimmungsbild abrunden. Der Braten im eigenen Saft untersucht sich quasi selbst!

Dass die Sache hier natürlich auch Spaß machen und Befriedigung schenken soll und keinesfalls als missionarischer Ort der Weltrettung verstanden werden will, ist selbstverständlich, weil: Gute Dinge entstehen unter dem Aspekt von Freude und Begeisterung schneller und schöner als unter griesgrämigen Gebeugtheit mentaler Schultern. Also keine Konkurrenz zwischen Spaß/Unterhaltung vs. Ernst/Probleme.

Kernfrage wäre: Wie sehen sich Redaktion und Community selbst im Hinblick auf die Kraft des eigenen Wortes zu einer echten Wirkung nach innen und außen? Ist die Qualität bereits so gut, dass über das geschriebene Wort hinaus auch ein tätiger Wille entsteht, der Handfestes und Konkretes zu den ständig beschriebenen Problemen auch beiträgt? Oder will man das am Ende gar nicht einmal?

Verändert sich wenigstens die interne Schreiber- und Leserschaft durch sich selbst?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nashira

Ich sprenge Lichtlöcher in meinen Dunkelraum, bewege mich zwischen den Stühlen und verschatte mir das Tageslicht, um schärfer sehen zu lernen.
Nashira

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