Wir vs. Ihr?

25 Jahre Mauerfall Identitärer Unsinn
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Im Winter 90/91 haben wir uns nachts auf dem großen Abenteuerspielplatz namens "Mitte" nie gegenseitig gefragt, wo eine, einer herkommt. Wir waren alle nur da, haben geredet und getrunken und geglaubt, alles könnte anders werden. So hätte es weitergehen können.

24 Jahre später ist in Leitartikeln, so auch in der neuen Freitag-Ausgabe, von "wir" und "ihr" die Rede. Was für eine Regression. Wobei es wahrscheinlich keine ist. Vielmehr meine Illusion, es hätte je anders werden können.

Die West-BRD war stickig, die DDR war stickig, die nicht mehr ganz so neue Gesamt-BRD ist auch stickig, diese bieder-imperiale Berliner Republik braucht kein Mensch. Jedenfalls keiner, der sich nicht einem "wir" oder "ihr" zuordnet.

Eine Vereinigte Räterepublik, die keine Herkunftsbezeichnung mehr im Namen führt, in der "Mischion is the Mission" Imperativ ist, alle Neuankömmlinge willkommen sind und Identitäten für Karneval aufgehoben werden - den Traum träume ich trotz aller Desillusionierung weiter.

01:13 07.11.2014
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Geschrieben von

nbo

Journalist, Technikbeobachter, Lomunaut, Recht-auf-Stadt-Aktivist.
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