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RE: Assange und die Elite | 01.09.2021 | 19:29

Der Vorteil des Westens gegenüber China usw. ist die Demokratie. Wenn es für Aufklärer wie Assange die Einzelzelle statt den Nobelpreis gibt, dann zerstören wir den Vorteil, den die EU/USA in der Welt hat.

Der Prozess in London wirkt absurd wie eine kafkaeske Farce, weil Assange hinter Panzerglas wie ein Monster präsentiert wird, weil er dauerhaft in die Einzelzelle kommt ("Weiße Folter"), weil der Kontakt zu seinen Anwälten beschnitten wird, weil die öffentliche Teilnahme am Prozess und die Berichterstattung durch die Presse extrem beschränkt wird.

Übrigens Günter Wallraff hat einen offenen Brief an Merkel initiiert, unterzeichnet von 120 prominenten Politikern, Journalisten und Künstlern - für die Freiheit von Julian Assange: https://assange-helfen.de/ Zur Unterstützung von Julian Assange habe ich einen Whistleblower Song geschrieben: https://www.youtube.com/watch?v=qGaEMx6FdTU

RE: Passt unser System in eine friedliche Welt? | 18.09.2016 | 12:26

Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel!

Der frühere UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sagte, dass der Frieden unterfinanziert sei. Richtig, aber was ist Frieden? Ein soziales System ohne Krieg und Kleinkrieg? Wie könnte das funktionieren, wie kommt man da hin?

Wir brauchen mehr Friedensforschung, die ihre Aufmerksamkeit vom Krieg abwendet. Der feine Unterschied liegt darin: Wer Frieden will, darf nicht gegen etwas kämpfen, sondern es geht darum, dem Krieg mit smarten Methoden das Wasser abzugraben, wie dies z. B. die japanische Philosophie „Aikido“ zeigt.

Diese Art von Frieden nennen die Friedensforscher Johan Galtung und Prof. Dieter Senghaas: „Struktureller Frieden“. Heute gibt es hierzu genug Wissen und nach meinem Kenntnisstand wäre es zwar nicht einfach, aber möglich ein Leuchtturmprojekt, ein ergebnisorientiertes „Human Peace Project“ zum Beispiel in einem Friedensdorf zu realisieren, es fehlt nur noch das Geld und die Vernetzung dafür.

Ein System des Friedens wäre realisierbar, wenn wir einen ähnlichen Aufwand für die Realisierung von Frieden betreiben würden, wie dies zur Perfektionierung des Krieges beim „Manhattan Projekt“ geschah, bei dem Tausende Wissenschaftler ca. 1943-1945 am Bau der Atombombe arbeiteten.

Es mag utopisch klingen, aber es ist ernst gemeint. Europa benötigt ein „Silicon Valley der Friedensforschung“, eine Denkfabrik des Friedens und „Gruppenübungsplätze des Friedens“, als praktisches, interdisziplinär, künstlerisch, wissenschaftlich begleitetes Testlabor.

Wünschenswert wäre eine Startfinanzierung von 1 Milliarde Euro und ein Zeitrahmen von etwa einem Jahrzehnt (ich denke hier an J. F. Kennedy und sein „Apollo-Programm“ oder an „Masdar City“). Letztlich brauchen wir eine funktionierende Friedensstadt. Der Künstler Joseph Beuys sprach in diesem Zusammenhang von der gemeinsamen Entwicklung zu einer harmonischen und künstlerischen Gesellschaft als eine „Soziale Plastik“. Viele haben zu diesem Thema geschrieben. Erich Fromm, Eric Berne, Krishnamurti, Erving Goffman, Dieter Duhm, Bertolt Brecht, Ken Wilber...

Eines meiner Friedens-Forschungs-Interessen betrifft Beziehungen, Gruppendynamiken, Schwarmintelligenz und die Frage wie dies durch Spielregeln, Umstände, Möglichkeiten und Best-Case-Szenarien beeinflussbar ist. In diesen kollektiven Prozessen kann ich eine „soziale Software“ erkennen, die formbar ist. Als Schauspiellehrer kenne ich hier die Arbeit von Keith Johnstone, Lee Strasberg und Augusto Boal. Das Stanford-Prison-Experiment offenbarte die Macht der Umstände und die Tatsache, dass Simulationen zur Realität werden können.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Liebesforschung. Viele wissen gar nicht, dass es so etwas gibt. Die Rutgers-Universität nahe New York forscht z. B. in diesem Bereich und hier lehrt Prof. Helen Fisher, deren Bücher ich empfehle. Aus Workshops kenne ich außerdem eine praktische Liebesforschungsarbeit, die in Friedens- und Ökodörfern praktiziert wird. Hier ist heute schon teils ein Know-how entstanden, das in manchen Bereichen erstaunlich weit entwickelt ist. Im Bereich Hirnforschung und Neuroethik schätze ich außerdem Prof. Thomas Metzinger sehr. Wenn wir all diese sozial-psychologisch-philosophischen Gebiete (und einige mehr) wie „Mosaiksteine“ zusammenführen, dann ist ein komplementäres und in sich stimmiges Weltbild zu sehen, das ein neues globales Ganzes erkennen lässt.

Der heutige Mensch braucht ein „soziales Softwareupdate 2.0.“, denn in unserem historisch gewachsenen Zivilisierungsprogramm stecken zu viele „Trojaner“ und zu viel „Kampfaffe“. Die Friedensforschung braucht dazu eine gut sichtbare Arbeitsbühne in den Medien und in der Realität, die neue Friedensideen aufsaugt, ausprobiert, testet, realisiert und vernetzt.

Ich stelle diese etwas gewagte Friedensstrategie detailliert auf meiner Webseite vor: www.realtheater.de

Hans Mack - Künstlername: Neo von Terra

RE: Das Versagen der Friedensforschung | 31.05.2011 | 16:38

Der Artikel bringt einen tragischen Mangel unserer angeblich modernen, vernünftigen und aufgeklärten Zeit auf den Punkt.

Wir benötigen spätestens seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" ein Wunschbild, wohin wir eigentlich wollen. Wenn man nur weiß GEGEN was man ist, dann bleibt man stecken.

Wir brauchen eine Denkfabrik mit angeschlossener Praxis- Entwicklungsabteilung für ein System des Friedens und eine Friedenstechnologie, die so wirksam für den Frieden ist, wie die Waffenindustrie für den Krieg!

Wir benötigen eine Mobilmachung der Friedensforschung!
Wir benötigen ein "Deutsches Friedensforschungsinstitut", das praktisch, interdisziplinär und systemisch forscht. Die Friedensforschung benötigt 1 Milliarde Euro und ein Netzwerk von Leuten mit Biss, die endlich aufwachen und die Wichtigkeit ihrer Arbeit selbstbewusst vertreten! Friedensforschungszentren und entsprechende Initiativen sollten sich vernetzen und Ideenwettbewerbe ausschreiben, die im Licht der Medien stehen! Es gibt viele Ideen in den Schubläden, die meist ignoriert werden!

Wir benötigen eine Friedensforschung 2.0:
www.web-tv-nuernberg.de/ideen-aus-der-schublade.htm

Es gibt in diesem Zusammenhang eine Projektidee für die Simulation einer Zukunftsgesellschaft in Modellgröße:

www.realtheater.de

"Unser bewusstes Wirklichkeitsmodell ist eine niedrigdimensionale Projektion der unvorstellbar reicheren physikalischen Wirklichkeit, die uns umgibt"
Thomas Metzinger/Neuroethik

Information und Kommunikation ist das Gegenteil von Krieg!