"Tim und Struppi - Hot or not?"

Design & Gestaltung Virtueller Realismus oder digitale Abstraktion? - Eine spontane Diskussionsrunde
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ilovekino88:

Hat einer von euch Tim und Struppi gesehen? Wie ist er so?

http://www.youtube.com/watch?v=NyPDg4SzirE


Bratling1445:

Also ich habe mir neulich Tim & Struppi angesehen. Ich erinnere mich noch an die Eingangsszene in der eine Karikatur von Tim angefertigt wird. Diese glich exakt der Figur von Tim aus dem Original-Comic. Sofort erinnerte ich mich an die gute, alte Zeit, als ich die Comics in der Hand hatte. Es führte mich gut in den Film und den Handlungsrahmen ein. Dann wurde ich mit dem “neuen Tim” konfrontiert. Die einfachen Striche und simplen Farbflächen sind durch einen dreidimensionalen, fast menschenechten, animierten Schauspieler ersetzt worden. Lediglich in der Gesichtspartie erkannte ich noch einige Züge des “alten Tims”. Doch schnell gewöhnte ich mich an den "neuen Tim", eher weniger durch sein Aussehen, sondern eher durch sein Tun und Handeln. Ich habe festgestellt, dass es nicht unbedingt wichtig ist, die neue optische Erscheinung an die alte anzupassen, um die Charaktere zu erkennen, sondern vielmehr die Handlungen des Charakters und wie er sich gibt (auch wie er sich durch die Welt bewegt) wichtig sind. 3d Animation ist eben nicht nur ein "erster Eindruck", sondern setzt sich aus vielen Faktoren zusammen - auch denen anderer Bereiche (Sound zum Beispiel).
Ich finde, der Versuch den Comic auf eine neue, moderne Ebene zu heben ist daher geglückt. Man erkennt die Original-Charaktere trotz des neuen Designs auf Anhieb und sie haben sich ein Stück ihres alten Charmes bewahrt. Besonders die ungeschickten Polizei-Kommisare “Schulz & Schulze” wirken sehr vertraut da sie äußerst liebevoll animiert sind. Die prächtige optik des Films lud oftmals zum Staunen ein.
Sehr zu empfehlen!

WhiteDingo:

Irgendwie kann ich deine Meinung nicht ganz teilen. Ähnlich wie bei "Mars needs Mom" ging es mir auch bei Tim und Struppi.
Ich mochte ja die Serie als Kind schon. Vielleicht bin ich mit zu großen Erwartungen in den Film gegangen, aber ich kam im ersten Moment nicht ganz mit der optischen Umsetzung klar.
Der Anfang war spektakulär, bis zu dem Moment nach dem Portrait.
Erst wird man ganz heiß gemacht auf die Umsetzung der Gesichter und dann...
<__< Enttäuschung auf der ganzen Linie.
Real und doch nicht real. Es ist als würde eine gewisse Grenze zwischen der animierten Welt und der Realität bestehen, die wir einfach nicht überschreiten können.
Es ist nicht wirklich möglich, einem wirklich vorzugaukeln, das diese Filme Real sind.
Die Gesichter wirken irgendwie lebendig aber dennoch sehr steril.
Ich kann ihnen das Leben nicht abnehmen
Ich hab echt ne ganze Weile gebraucht, eh ich den Film wieder genießen konnte.
Aber er war ganz gut. Man durfte halt nur nicht zu sehr an die alten Tim und Struppi Filme und Folgen denken.
Auf seiner eigenen Ebene gesehen, war es halt eine neue Auffassung der Geschichte und der Charaktere. Nur mein Fall waren sie nicht so ganz. ^___^v

tibimi:

Ich denke auch, dass diese 3D-Dartellungsart wie bei “Tim und Struppi” in Animationen (vorallem für Kinder) total “fail” ist, sowohl bei “Polarexpress” als auch “Mars needs mum”. Allein die Trailer solcher Filme sprechen mich überhaupt nicht an, weshalb ich bisher auch noch keinen dieser Filme angesehen habe, einfach, weil die Hauptcharaktere sehr gruselig und überhaupt nicht sympatisch auf mich wirken. Für diesen Effekt gibt es sogar einen Namen: “Uncanny Valley” - Das unheimliche Tal, was darauf verweist, dass ab einen gewissen Realitätsgrad die Charaktere nur schwer von Menschen angenommen werden. Hochabstrakte, völlig künstliche Figuren finde ich viel anziehender, interessanter, zugänglicher und vor allem akzeptabler als Figuren, die zunehmend realistischer werden... Doch anscheinend wird dieser Stil immer populärer. Man findet es in jedem 2. Computerspiel, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, im Gegenteil!!!
Es ist extrem zeitaufwendig, was ich als Multimedia/VR-Student bestätigen kann. Nutzen- und Zeitaufwand rentiert sich daher für mich persönlich nicht.
Viel mehr sollte dieser Realismus gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel: böse Charaktere kann man durch realistische Züge und mit bewussten Einsetzen des Uncanny-Valley-Effekts befremdlicher und unheimlicher wirken lassen.
Trotzdem all dem finde ich die abstrahierten, farbenfrohen und phantasievollen Welten des 3Ds eindrucksvoller, egal ob in Games oder in Animationen.
Hierzu könnt ihr euch unser Gameprojekt vom Sommersemester 2012 anschauen und eine eigene Meinung dazu bilden:

http://vimeo.com/46436372

Ich finde, die möglichst naturalistisch, realistischen Darstellung, wie wir sie eigentlich kennen, sind lediglich eine Abbildung der Realität, ohne kreativen, künstlerischen Anspruch und eignen sich daher besser für virtuelle Testläufe (realistische Physics oder so), oder Architekturvisualisierungen.
Es gibt aber auch gelungene Beispiele Beispiele für die Kombination zwischen Realismus und Abtraktion:

“Rango”: http://www.youtube.com/watch?v=k-OOfW6wWyQ

Die Formen sind interesssant und markant, aber gekoppelt mit den realistischen Materialien/Texturen erzeugen diese ein neues, charmantes Seherlebnis.


Alex1890:

Also ich fand den Film Tim und Struppi alles andere als kindgerecht. Ich weiß nicht wie euer Fernsehprogramm als Kind aussah, aber meine Kinderfilme waren um einiges fantasievoller als der neue “Tim und Struppi”!

Technisch war er vielleicht auf dem allerhöchsten Level - sodass man schnell mal vergessen konnte, dass es sich hierbei um einen Animationsfilm handelt- aber komischerweise fiel es mir ziemlich schwer mich in den Film hineinzufinden. Muss man wirklich jede Hautpore seiner Helden sehen? Man könnte fast schon sagen, der Film ist realistischer als die Realität selbst...Vielleicht wirkt er gerade deswegen so befremdlich(???) Jedenfalls hat dieser Hyperrealismus auf mich eher eine desillusionierende Wirkung als Faszination ausgeübt...die Figuren waren nicht halb so charismatisch wie ihre gezeichneten Vorbilder. Ich finde es einfach nur traurig, dass offenbar mittlerweile mehr Wert auf den technischen Aspekt gelegt wird als auf das was einen guten Film eigentlich ausmacht: Die Geschichte. Die kam mir nämlich viel zu kurz! Spielberg und Jackson wollten wohl eher einen zweitklassigen Western machen als einen Familienfilm. Während die Plot der Klassiker mittels Intelligenz und Charme gelöst wurden und das Publikum zu mitdenken und Rätsel-lösen animiert wurde, wurden sämtliche Probleme im Film durch nervenaufreibende Schießorgien und wüste Schlägereien geklärt.
Wer also auf sinnlose Ballerei und stumpfe effektgeladene Action steht, kommt hier wohl auf seine Kosten...
Wirklichen Fans der Comics, rate ich allerdings dringend davon ab sich diesen Film anzutun!


13:48 08.10.2012
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Geschrieben von

Nerdbirds

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