nestroy

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RE: Die Erfolgsquote des MfS | 29.05.2009 | 19:57

Faktenhuberei? Tatsachen sind redundant? Hier spricht der Literaturwissenschaftler nicht der Historiker. Literaturgeschichte besteht aus dem ewigen Umschreiben und Deuten des Bekannten. Geschichte aber lebt von Quellenmaterial, das ständig größer wird, neue Blicke erlaubt. Wer allerdings glaubt, daß nicht das konkrete Geschehen relevant ist, sondern dieses nur Ausdruck eines Zustands ist, hat von Geschichte und ihrer Wissenschaft wenig verstanden. Es hat eben niemand anderer als Kurras geschossen, nicht die Weltgeschichte und nicht das soziale oder politische System.
Geschichtsschreibung ist keineswegs der absurde Versuch, ein unübersichtliches und ungeordnetes Gewimmel zu ordnen. Der Titel "Aufstieg und Niedergang der Römischen Welt" ist ja nicht primär ein fiktives Erzählmuster, sondern Beschreibung eines Vorgangs. Eine kleine Stadt am Mittelmeer entwickelt sich zur Herrscherin eines Imperiums- und dieses verschwindet. Das ist ein objektiver Sachverhalt, kein Narrativ.