Schlau, aber abgehängt

Information Smartphones sorgen für eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft

Manch einer würde behaupten, dass der rasche Aufstieg des mobilen Zugriffs in der Theorie keine gute Idee für Einzelpersonen und die Gesellschaft war. Eine Öffentlichkeit, die verknüpfter ist, ist auch informierter. Ein gesteigertes mobiles Vordringen bedeutet, dass sich mehr Menschen öfter als jemals zuvor miteinander verbinden können.

Aber einem neuen Bericht des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy aus Harvard zufolge gibt es eine dunkle Seite der mobilen Revolution, die befürchten lässt, dass eine weniger beteiligte, „zweitklassige“ Nutzerschaft entsteht, die nicht so sehr von der mobilen Übernahme profitieren wie man annehmen könnte. Eine mobilere Öffentlichkeit könnte, paradoxerweise, eine weniger informierte werden.

Johanna Dunaway, ein ehemaliges Mitglied von Shorenstein und Verantwortliche für den Report, macht die Smartphones selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Dank der Kombination von kleineren Bildschirmen, langsamerer Verbindungsgeschwindigkeit und unterschiedlichen Datenpreise sind mobile Geräte in vielerlei Hinsicht keine geeigneten Überträger der Nachrichtennutzung.

Mithilfe einer Eye-Tracking-Software konnten Dunaway und ihre Kollegen beobachten, wie sich Menschen mit Nachrichten auf ihren Handys beschäftigen. Ihr Ergebnis: „Wir fanden heraus, dass im Vergleich zu Computernutzern die Handynutzer weniger Zeit mit dem Lesen von Nachrichteninhalten verbrachten. Sie haben die Links auch nach längerer Nutzung seltener bemerkt und verfolgt.“ sagt Dunaway.

Ihre Befunde wurden von vorherigen Daten von Pew Research unterstützt, die herausfanden, dass, während die meisten Seiten mehr Besucher per Smartphones als über PCs kriegen, die Leser dazu tendieren, weniger Zeit mit dem Lesen als an mobilen Geräten zu verbringen.

In Anbetracht dessen, dass voraussichtlich bis 2020 zwei Drittel der Onlineaktivität auf mobilen Geräten geschehen wird, sind die Auswirkungen einer mobil dominierten Öffentlichkeit laut dem Bericht recht finster.

Dunaway sieht eine Verbindung zwischen den Risiken von Handys zu vielen anderen Herausforderungen der Nachrichtenagenturen. Diese haben Probleme, die Menschen in einem Medienökosystem zu informieren, das von Auswahl, Fragmentierung und der Anziehung von Nachrichtennutzern zu Quellen, die ihre Ansichten beweisen und Neigungen durchsetzen, dominiert wird.

Letztendlich bedeutet dies, dass Smartphones zwar den Nachrichtenagenturen helfen, mehr Menschen als je zuvor zu erreichen, das Problem jedoch darin besteht, dass diese mobilen Nachrichtennutzer weniger beschäftigt und weniger informiert sind. Sie werden wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit den Sport- und Unterhaltungsnachrichten als der politischen Berichterstattung widmen. Des Weiteren ist die Übernahme des Handys am deutlichsten in Kreisen von Latinos, Schwarzen und Amerikanern mit geringem Einkommen, was noch einmal eigene Herausforderungen hervorbringt, zeigt Dunaway auf:

„Es könnte richtig sein, daraus zu schließen, dass wir ein Zeitalter einer zweitklassigen digitalen Bürgerschaft betreten, geführt von einer ausschließlich mobilen digitalen Unterschicht.
Ein denkbares Ergebnis ist eine größer werdende Lücke zwischen denen, die politisch interessiert und informiert sind und denen, die es nicht sind. Setzt man voraus, dass diese Lücke entlang der Einkommens-, Rassen-, Ethik- und Berufsgruppen entsteht, könnte der Effekt eine Beschleunigung der Kluft zwischen Reich und Arm in Amerika nach sich ziehen – und dies zu einer Zeit, in der diese Schwelle bereits der Grund für politische Sorgen und Unruhen sind.“

Dieser Beitrag erschien zuerst auf netzpiloten.de

Ricardo Bilton ist Journalist und schreibt für das Nieman Journalism Lab. Er setzt sich stark mit dem Thema "Virtual Reality" auseinander. Zuvor war er als Reporter bei Digiday zuständig und schrieb unter anderem Artikel für VentureBeat, ZDNet, The New York Observer and The Japan Times

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Ricardo Bilton | Netzpiloten

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