Suman Ghosh
18.03.2016 | 14:08 2

Was macht einen Film zu einem Flop?

Urteil In der Geschichte des Kinos wurden so einige Kinofilme als Flop abgestempelt. Aber was sind die Kriterien für einen schlechten Film?

Manche Filme sind ein Erfolg, andere sind es wiederum nicht. Erfolg kommt in vielen Formen vor. Einige Filme sind bereits vor der Premiere ein absoluter Hit und andere brauchen mehr Zeit, um beim Publikum anzukommen. Während wieder andere erst Interesse erzeugen, nachdem sie von Kritikern oder anspruchsvollen Bloggern empfohlen wurden oder sich durch Mundpropaganda verbreitet haben.

Die Produzenten, der Regisseur, die Besetzung und die ganze Mannschaft des 2015 erschienenen Films “Momentum” über einen Hi-Tech-Bankraub, hätten kaum ein schlechteres Ergebnis für ihren 20 Millionen US-Dollar teuren Film erzielen können. Am Eröffnungswochenende in Großbritannien hatte der Film in den zehn Kinos, in denen er anlief, die miserablen Einnahme von nur 46 britischen Pfund.

Eingebetteter MedieninhaltMit einem Ranking von Rotten Tomatoes mit 27% und den vernichtenden Bewertungen der Medien, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Einnahmen durch den Starauftritt von Morgan Freeman verbessern.

Douglas Fairbanks ist vielleicht das erste Beispiel für einen großen amerikanischen Star, der durch eine Reihe von Flops zu Grunde gerichtet wurde. Der verwegene, auf einem fliegenden Teppich reitende Charmeur in “The Thief of Bagdad” (1924) und Action-Held einiger der einprägsamsten Momente der Stumm- und frühen Tonfilme, wurde offenbar von seinem Glauben an die Unfehlbarkeit seiner Berühmtheit ruiniert. In den 1930er Jahren hat sich sein einst bewunderndes Publikum von seinen repetitiven und übertriebenen Erscheinungen als Playboy, der sich weigert, sein Alter anzuerkennen, abgewandt. Selbst die Verfilmung von “Mr Robinson Crusoe” (1932), die auf dem “exotischen” Tahiti gedreht wurde, geriet in Vergessenheit.

Eine moderne Parallele dazu ist die “Die Hard”-Serie mit dem ertragreichen und beliebten Bruce Willis. Wie seine Zeitgenossen Arnold Schwarzenegger und Tom Cruise in den “Terminator”- und “Mission Impossible”-Filmen, hat Willis seine Rolle als John Maclane seit dem originalen “Die Hard”- Film 1988 wiederholt eingenommen. Wie auch immer, das einst populäre Maclane-Vermögen schwand mit “A Good Day to Die Hard” (2013), dem fünftem Film der Reihe. Der Film wurde zwar nicht schlecht besucht, aber die Kritiken waren weitgehend miserabel.

Kenne deine Grenzen

Vielleicht überrascht es, aber Bruce Willis hatte schon den einen oder anderen enttäuschenden Flop in seiner Karriere. Berauscht durch den Erfolg des ersten “Die Hard”-Films, schrieb Willis als Co-Autor das Skript von “Hudson Hawk” (1991) mit. (In den 1920ern hatte auch Fairbanks unter dem Namen Elton Thomas zu schreiben begonnen.) Das Drehbuch von “Hudson Hawk” musste im Laufe der Dreharbeiten immer wieder umgeschrieben werden, bevor ein vernichtendes Kinokassen-Urteil das Projekt endgültig beendete. Der Versuch von Willis, in einem rosa Hasenkostüm in “North” (1994) seine lustige Seite zu zeigen, blieb ebenso erfolglos.

Eingebetteter MedieninhaltJohn Travolta, der sich einen Namen mit dem Klassiker “Saturday Night Fever” gemacht hatte, blieb mit dem 2000er Science-Fiction-Epos “Battlefield Earth” auf der halben Strecke liegen, in welchem er den Alien Terl spielte. Der Film basiert auf einem Roman des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard und wird von einige als der schlechteste Film aller Zeiten betitelt. Noch dazu floppte er an den Kinokassen.

Wenn die Verweigerung der Stars, ihre Grenzen anzuerkennen, eine Art von Flop bedeutet, dann zeichnet sich die zweite Form gewiss durch Filmerzählungen von nationalen, regionalen oder familiären Identitäten ab. Die unterchauvinistische Repräsentation nationaler Identität auf der Leinwand war bislang eine Garantie für Beschwerden, doch zieht sie nach wie vor Regisseure und Produzenten an wie die Motten das Licht.

Nationale Schätze?

Zwei jüngste Beispiele sind “Australia” (2008) von Baz Luhrmann und “Lincoln” (2012) von Steven Spielberg. Beide Filme waren hochmütig thematisiert und erhielten gemischte Bewertungen von Publikum und Kritikern gleichermaßen. Während beide Filme es immerhin schafften, ihre Investitionen bequem wieder reinzuholen, waren andere weniger erfolgreich.

The Alamo” (2004), eine gut recherchierte und sorgfältig erstellte Erzählung über die Revolution in Texas, war ein spektakulärer Flop in der gesamten Geschichte des amerikanischen Films. Es gibt Hinweise darauf, dass die Nachwelt möglicherweise etwas freundlicher auf diesen Film zurückblicken wird, der zu prosaisch und uninteressant für sein Publikum war und dessen Erzählungen durch seine eigene Sorgfältigkeit auf historische Details untergeht.

Eingebetteter MedieninhaltEinige Verkaufs-Misserfolge der Vergangenheit konnten im Nachhinein wieder ausgeglichen werden, so auch der gefürchtete Film “Heaven’s Gate” (1980). Es ist ein aufwendig montierter, aber nuancierter Western-Film, der in den 1890ern in Wyoming spielt. Die aufkeimende Karriere des Regisseurs Micheal Cimino und das Vermögen des Produzenten United Artists wurden durch den Film vernichtet. Gleichzeitig kennzeichnet er das Ende der Western-Filme in Hollywood. Dass ein Film gleich alle drei genannten Auszeichnungen erhält, ist sehr selten in der Geschichte des Kinos. Ironischerweise zählt “Heaven’s Gate” heute zu den besten 100 amerikanischen Filmen aller Zeiten und ist fest verwurzelt in der Kategorie der Meisterwerke, die aber zu ihrer eigenen Zeit falsch verstanden wurden.

Größenwahn

Die Pracht der epischen Großproduktionen verführte viele Regisseure, es ihnen gleichzutun. Nur wenige von ihnen schafften es aber auch, die Möglichkeiten, die darin lagen, mit Leichtigkeit zu übertragen und einen Erfolg zu erzielen, wie es die Filme “Ben Hur” (1959), “Spartacus” (1960) oder “Gladiator” (2000) taten.

Im Gegensatz dazu haben “Cleopatra” (1963) und “The Fall of the Roman Empire” (1964), beides Sandalen-Epen, an der Abendkasse versagt, wie auch kürzlich der Film “Alexander” (2004) vom Regisseur Oliver Stone. Alle drei Filme machten den Fehler, zu lang, zu ausführlich und zu vernarrt in ihre Hauptpersonen zu sein. Weder das Publikum noch Historiker konnten dadurch befriedigt werden.

Eingebetteter MedieninhaltVor Kurzem wurden “Cleopatra” und “Der Untergang des römischen Reiches” durch die kollektive Sehnsucht von zeitgenössischen Cineasten rehabilitiert, während andere Filme weniger Glück hatten.

Interessanterweise unterscheiden sich erfolgreiche und epische Filme in ihren erzählerischen Ambitionen, durchaus von den weniger erfolgreichen Filmen. “Ben Hur”, “Spartacus” und der “Gladiator” sind alles Geschichten des in Ungnade gefallenen Protagonisten. Sie sind Opfer von unfairen Umständen und versuchen sich selbst zu erlösen. Es sind “zeitlose” Geschichten über die Ausdauer des menschlichen Geistes, die Fähigkeit des Außenseiters und Systeme die zusammen stürzen, die auf einer historischen Leinwand abgehalten werden. Eben genau diese Inhalte kommen beim Publikum sehr gut an.

Einige Filme sind erfolgreich, während andere es nicht sind. Die Filmgeschichte bezeugt, dass Neugestaltungen und schablonenhafte Filme unbeliebter werden, da sie sich wiederholen. Das Phänomen wird gerne als “Genre-Müdigkeit” beschrieben. “Momentum” gehört wohl dazu, als einer der Jüngsten in einer langen und eher mittelmäßigen Reihe von Filmen. Andere wiederum scheitern trotz originellem und ehrgeizigem Ausmaß, indem sie zu sehr eingenommen sind vom Personenkult, sowohl realer als auch fiktiver Personen. Dadurch schaffen sie es nicht, ihr Publikum zu erreichen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Netzpiloten.de bzw. auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion

Suman Ghosh arbeitet derzeit als Dozent für Filmwissenschaft an der Bath Spa Universität. Bevor seine akademische Laufbahn an der Jadavpur Universität als Dozent für vergleichende Literaturwissenschaft begann, war er der leitende Redakteur für The Asia Age

Kommentare (2)

miauxx 20.03.2016 | 18:51

Schlechter Artikel. Im Ernst von einem Hochschuldozenten? Diese bloße Aufzählung von Flops quer durch die Filmgeschichte plus ein paar im geringsten Ansatz stecken bleibender Analyseversuche hätte so wohl auch jeder Hobby-Cineast hinbekommen. Erstaunlich für einen Akademiker ist schon die Eingangsthese, dass ein Flop an der Kinokasse gleichzusetzen sei mit einem schlechten Film.

Lethe 21.03.2016 | 10:47

Die Netzpiloten scheinen zumindest derzeit ein echtes Qualitätsproblem zu haben.

Ein "Flop" ist normalerweise definiert als kommerzieller Reinfall. Umgekehrt können künstlerische Katastrophen an der Kasse brummen, das ist bei Hollywood-Blockbustern sogar eher die Regel als die Ausnahme. Und künstlerische Qualität hat vielleicht schon mal den ein oder anderen Film davor bewahrt, vollständig zu floppen, aber eine Garantie bietet sie nicht.

Natürlich kommt es bei qualitativen Erwägungen auch immer auf das ins Auge gefasste Publikumssegment an. Wobei ich es immer wieder witzig finde, wenn Regisseure Kunstkino machen und sich darüber beschweren, dass sie kein Massenpublikum erreichen, also ohne Subventionen nicht leben können.

Während wieder andere erst Interesse erzeugen, nachdem sie von Kritikern oder anspruchsvollen Bloggern empfohlen wurden

Witzig. Selbstüberschätzung einer Berufsgruppe?