und nochmals Guttenberg

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Mit einigem Entsetzen registriere ich, dass die Mehrzahl der Deutschen glaubt, die Glaubwürdigkeit des Barons zu Guttenberg hätte nicht gelitten. Haben wir Deutschen denn mittlerweile alle Maßstäbe verloren und verinnerlicht, dass Menschen (hier der Politiker) lügen und tricksen? Haben wir uns daran gewöhnt, belogen zu werden? Er, der Baron zu Guttenberg, hat (nachgewiesen) eine Vielzahl von Texten in seiner Dissertation abgeschrieben. Wer wollte denn glauben, dass dies bei der Textmenge nicht bewusst gemacht wurde? An die Alternative, dass seine Arbeit von einem Ghostwriter geschrieben wurde - man denke nur an die Papiere, die er als Wirtschaftsminister ohne viele Skrupel sich von internationalen Kanzleien hat schreiben lassen – mag man gar nicht denken. Als Person ist der Baron zu Guttenberg nicht mehr glaubwürdig. Auch kann man sich erst im Verzeihen üben, wenn der andere seine Schuld ohne Ausflüchte zugegeben hat. Die Trennung zwischen seinem Amt als Verteidigungsminister und der privaten Person ist insofern falsch, da es sich letztlich um eine Charakterfrage handelt. Dies gilt sowohl für den Minister als auch für die dahinter stehende Privatperson. Was mich auch bedrückt ist die Tatsache, dass, sollte ihm nicht der Titel aberkannt werden, sich in Zukunft jeder im Wissenschaftsbetrieb auf „Guttenberg“ berufen kann und das Abschreiben und Kopien sanktioniert werden. Ich bin nicht blauäugig, zu allen Zeiten wurde getrickst und weil das so war und ist, sollen wir uns damit abfinden? Nein, Baron zu Guttenberg ist nicht mehr glaubwürdig. Da helfen auch keine juristischen und parteipolitischen Spielchen, die in Kauf nehmen, die wissenschaftliche Arbeit in ihren Grundfesten zu beschädigen und dies nur, weil es im Moment politisch nicht opportun ist, den Minister aus dem Amt zu nehmen. So leidet auch weiter die Glaubwürdigkeit der politischen Klasse. (nicklas quinten)

12:57 23.02.2011
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Geschrieben von

niclas quinten

Schreiben, schreiben und nochmals schreiben. Völlig egal, ob es veröffentlicht wird oder irgendeiner es liest. Status: Schreiber und Leser
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