Niko

Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen...Josephine Baker
Schreiber 0 Leser 0
Niko
RE: Madame Zhou und der Fahrradfriseur | 25.01.2013 | 22:53

Vorab freue ich mich für Dein Interesse!

Ich denke ja ohnehin, dass das China-Bild momentan nur noch von den Dissidenten bestimmt wird und politisch eingefärbt ist. Der Alltag der Menschen interessiert fast gar nicht mehr angesichts der "Ai Wei Weiisierung".

Ja, das ist wahr. Die kochen ihr eigenes Süppchen, die Rezepte kommen häufig auch von externen Küchenchefs. Inzwischen gehört es anscheinend zur politischen Inszenierung, ganze Bevölkerungen entweder in Sippenhaft zu nehmen oder deren Realitäten, ihr Alltagsleben mit ihren Bedürfnissen und Empfindungen immer nur in Verbindung mit dem politischen System zu sehen.

Gerade deswegen ist das Buch von Landolf Scherzer sehr wichtig. Leider ist die Veröffentlichung im letzten Frühjahr an mir vorbeigegangen, es gab keine sonderlich breit gestreuten Rezensionen und ich habe es kurz vor Weihnachten zufällig in einer gutsortierten Lieblings-Buchhandlung in meiner Provinzheimatstadt entdeckt _ die Global Player in den Großstädten haben bezüglich der NON-Bestsellerreiter ein schlechteres Sortiment…Leider

Er ist tatsächlich ein guter Reporter, nicht voreingenommen aber neugierig, nicht wertend sondern erfahren wollend. Eine Mischung, die gute Voraussetzungen hat, sich der Vielschichtigkeit der Menschen, eines Landes, als auch seiner Geschichte, zu nähern. Dabei beschönigt er nichts, aber er stigmatisiert eben auch nicht. China aus unserem Erfahrungs- und Lebenshorizont zu begreifen und zu bewerten, kann niemals funktionieren. Auch wenn, oberflächlich betrachtet, das Leben in den Großstädten vergleichbar ist mit westlichen Großstädten, die Menschen sind es zum größten Teil nicht, noch nicht. Viele Vorzüge, die wir genießen, sind ihnen zu wünschen, die Bewahrung ihrer Eigenheiten und manchmal auch damit verbundenen Freiheiten von Reglements, Vorschriften und Normen ebenso. Ein Fahrradfriseur im Tiergarten oder Englischen Garten hätte hierzulande zuerst Berührung mit dem Finanzamt, dann dem Gewerbeaufsichtsamt, dann dem Gesundheitsamt etc. , im Endeffekt müsste er seinen Openair-Laden dicht machen und womöglich Hartz IV beantragen und wäre dabei todunglücklich, weil er die Gespräche mit seinen ´Köpfen´ vermisst…

Der Leitsatz: ´Mit der Zeit wirst Du alles begreifen´, hat mir gut gefallen und ich glaube dem Scherzer auch. Mit der Zeit begreifen wir eigentlich immer weniger was Nonsens ist und was Freiheit bedeutet…

RE: Die Grandezza der Performance | 26.11.2012 | 23:24

@ Tiefendenker

Das stimmt: Worte können gewisse Events nicht nacherlebbar aufzeigen, sowie der ttt-Beitrag nicht annähernd den Film von Matthew Akers vermittelt kann und sein Film wiederum, so gelungen er ist, die Künstlerin Marina Abramović nicht in Gänze erfasst. Das ist auch gut so!

Wenn eine über 40 Jahre währende künstlerische Arbeit in einer Retrospektive, eine Retrospektive in einem 100-Minuten-Film, ein 100- Minuten-Film in einem 3-Minuten-TV-Spot oder alles zusammen in einem Text von 3 Seiten zusammengefasst werden könnte, dabei alle Betrachter, Zuschauer und Leser begreifen und erleben, sich in Folge damit auseinandersetzen könnten, dann wäre die Kunst banal. Ist sie aber nicht, in diesem Fall erst recht nicht. Die öffentliche Vermittlung kann nur als Köder gestreut werden, um Neugier zu wecken, aber nicht um die Katze zu töten ;-), sondern den menschlichen Instinkt und sein Interesse zu wecken.

Kaum eine zeitgenössische Kunstform ist dermaßen ignoriert, angefeindet oder polemisiert worden wie die Performance-Kunst, mit ihr auch die unnachgiebige Protagonistin Marina Abramović. Sie hat mich mit ihren Arbeiten vor über 20 Jahren bereits sehr beeindruckt, nicht zuletzt weil sie trotz Ignoranz und vielen negativen öffentlichen Reaktionen und Rezensionen ihren Weg weitergegangen ist.

Verrückt, masochistisch, langweiligste Performance der Welt etc. titelten nicht wenige Mainstream-Medien und deren Laienschreiberlinge. Nun sind sie entweder still, schreiben und berichten differenzierter oder genauso banal, nur inzwischen nicht mehr so böswillig. Auf einmal Pseudo-Respekt vor dem MOMA-Erfolg und nun auch noch ein Kino-Film: Wie immer sind diese schreibenden, ignoranten Abschreiber, die erst Qualität erkennen oder daran messen, wenn sich ein Erfolg einstellt, nicht ernst zu nehmen oder schlichtweg zum Kotzen!

Das alles interessiert mich nicht, im Gegenzug möchte ich auch nicht glorifizieren, nur Neugier wecken. Es lohnt sich, ihr nachzugehen…

RE: Parada | 31.08.2012 | 23:40

ach Gustlik, das ist aber lange her....

aber nun leben wir in wohl in einem Land, in dem nur bestimmte europäische Filme und Kultur als herausragend bewertet werden, der rest fällt hinten runter. Die Auswahl der Elite erleben wir im Kino & TV...