Nil

Die gegenwärtige Krise ist in Wirklichkeit eine Krise der Wahrnehmung
Nil
RE: Die Grundeinkommens - Woche (37/2018) | 22.09.2018 | 11:05

Vielen vielen Dank für die Informationen !

RE: Buchvorstellung: Integrale Meditation | 04.09.2018 | 10:15

Vielen lieben Dank für Ihren Kommentar ! Da ich mich schon seit 1999 intensiv mit Wilber´s Werken, Integrale Theorie und Praxis, beschäftige, war es für mich nicht schwer ihm zu folgen. Mit Eros Kosmos Logos von Wilber bekommt man eine Gute Einführung zum Thema. Für ein vertieftes aufnehmen seiner Arbeiten, würde ich Jean Gebser´s Ursprung und Gegenwart: Die Fundamente der a´perspektivischen Weltsicht, Sri Aurobindo´s Integralem Yoga oder Vivekananda´s Raja Yoga, und Rupert Sheldrake´s das Gedächtnis der Natur empfehlen.

Sonnige Grüsse, Nil

RE: Die Grundeinkommens - Woche (34/2018) | 28.08.2018 | 13:58

Vielen lieben Dank für die regelmässigen Informatioenen !

RE: Was ist Erleuchtung? | 24.08.2018 | 17:15

Genpo Roshi

(Übersetzung: Michael Habecker)

(aus einem Interview mit Genpo Roshi, veröffentlicht unter http://www.coach-your-self.tv/)

Zen war immer eine Schule des plötzlichen Erwachens, während andere Schulen des Buddhismus schrittweise vorgehen. Das Problem dabei ist jedoch, dass, wenn wir uns zu sehr auf das Suchen konzentrieren, dann können wir darin stecken bleiben. Stelle dir ein zweigleisiges Bahngleis vor. Eines der beiden Gleise nennen wir die relative Wirklichkeit, die menschliche Wirklichkeit, wo wir unseren Tagesgeschäften nachgehen, Beurteilungen und Entscheidungen treffen, Dinge analysieren und verbalisieren, miteinander kommunizieren – das nennen wir im Zen alltäglichen Geist [every day mind]. Der andere Schienenstrang ist diejenige Wirklichkeit, nach der wir alle suchen, wenn wir uns auf die Suche machen. Wir suchen nach Gott, nach Wahrheit, Befreiung, Erwachen, unserem wahren Selbst. Danach suchen wir. Doch solange wir dabei auf dem Alltagsgleis bleiben, kommen wir nicht auf das andere Gleis, wir hängen fest. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange wir schon darauf feststecken oder wie schnell wir uns auf dieser einen Gleisschiene bewegen, wir bleiben dabei immer nur auf diesem einen Gleis. Wenn wir in die Ferne schauen, dann sieht es so aus, als wenn sich hinten am Horizont beide Gleise treffen und zusammenlaufen, und wir meinen, dass wenn wir noch härter üben und uns noch mehr anstrengen, dass wir dann dorthin gelangen. Doch die Illusion der Vereinung beider Gleise bleibt immer hinten am Horizont, wir kommen nicht wirklich näher. Was wir daher tun sollten, ist einen Weg zu finden, wie wir auf das andere Gleis hinüberspringen können. Das schaffen wir jedoch nicht innerhalb des Raum-Zeit Gefüges. Der relative Bereich, der menschliche Bereich, ist immer an Zeit und Raum gebunden. Dort stecken wir drin, ich sehe mich selbst hier, dort drüben bist du, dann gibt es die Umgebung, der Baum ist ein Baum und ich bin ich, wir sind getrennt, die Zeit schreitet voran, ich verliere Zeit, werde dabei immer älter, alles verändert sich, dem versuche ich mich entgegenzustellen. Ich möchte das Ewige erleben, das Gegenwärtige, das andere Gleis. Aber wie komme ich dahin? In dem Augenblick wo ich [im Rahmen des Big Mind Prozesses] die Frage an diesen Aspekt in dir stelle, kannst du sofort aus dem Big Mind heraus sprechen, du bist da. Du bist jenseits von Zeit und Raum.

NICHT-DUALITÄT

Was ist Sein und Wirklichkeit letztendlich und dem Wesen nach? Eine Antwort auf diese Frage ist die Lehre (und Praxis) der Nichtdualität. Demnach bestehen Sein und Wirklichkeit aus zwei Aspekten die voneinander unterschieden, aber nicht voneinander zu trennen sind, und in unterschiedlichen Begriffspaaren sowohl von den kontemplativen Traditionen wie auch von der Philosophie beschrieben werden:

Absolut Relativ

Leere Form

Transzendent Immanent

Seinsgrund Manifestation

Ungeboren Vergänglich

Zeit-los Zeit-lich

Freiheit Fülle

daß etwas ist was etwas ist

Sein Werden

Nirvana Samsara

Dies bedeutet in seiner allgemeinsten Konsequenz für den Menschen, dass er (oder sie) sich nicht nur in einer Welt der Formen und Veränderungen befindet, sondern auch eingetaucht ist in etwas was vor aller Zeit und an jedem Ort immer-schon von Anbeginn vorhanden war, und auch jetzt, von Augenblick zu Augenblick, jeden Wirklichkeitsmoment durchdringt. Das Erwachen zu dieser Absolutheit ist das Bestreben der kontemplativ-mystischen Traditionen der großen Weltreligionen, und auch eines Teils der (kontemplativen) Philosophie. Dabei handelt es sich nicht um eine dogmatische Theorie, sondern um eine lebendige Praxis (oder, besserer gesagt, um eine Nicht-Praxis), die jedem Menschen offen steht. Das Aufwachen und sich immer besser zurechtfinden in der Welt der Formen ist das erklärte Ziel aller Wissenschaft, einschliesslich der humanistischen Geisteswissenschaften. Die Versöhnung von beidem führt uns in die integrale Verwirklichung von Nicht-Dualität.

RE: Was ist Erleuchtung? | 24.08.2018 | 17:14

Moralische Intelligenz lässt uns wissen, welches Verhalten richtig und angemessen ist. Wir behandeln andere in dem Maße fair, wie wir uns mit ihnen verbunden und solidarisch fühlen, und folglich nimmt unser moralisches Empfinden mit unserer Identität zu, die sich über die bisher bekannten sechs bis acht Stufen der moralischen Entwichlungslinie entlang evolutionär entwickelt und immer umfassender wird.

Auf der egozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie interessieren mich nur meine persönlichen Dinge, auf der ethnozentrischen Stufe der moralischen Entwicklunglinie liegen mir daüber hinaus die Angehörigen meiner Gruppe am Herzen, auf der weltzentrischen Entwicklungsstufe der moralischen Entwicklungslinie sind es alle Menschen und auf der kósmozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie schliesslich alle Wesen überall.

Das ist auch richtig, dass Moral und Ethik nicht ganz dasselbe ist. Zur Ethik gehören die Regeln und Vorschriften, die eine Gesellschaft oder Gruppierung für angebracht und notwendig hält. Gut ist hier das, was von der jeweiligen Kultur als gut erachtet wird. Moral dagegen beschränkt sich nicht auf das, was regional als gut definiert ist, sondern orientiert sich an universalen Prinzipien und definiert weniger das Gute als vielmehr das, was richtig ist. Ethik kann moralisch sein oder auch nicht. Ihre Definition des Guten beansprucht Gültigkeit in den inneren kollektiven Dimensionen, des in der Welt seins, und legt fest, was in einer Gruppierung, Organisation oder Kultur als richtig, gerecht oder angemessen gilt. Berufsgruppen beispielsweise haben oft ein für die Angehörigen verbindliches Ethos - wir können hier an Medizin, Rechtswesen oder Politik denken. Wir müssen beachten, dass dieses Ethos nicht immer gar so moralisch ist. Auch die Mafia besitzt ihr ganz eigenes Ethos, und das ist wirklich nicht moralisch. sondern repräsentiert, um genau zu sein, die ethnozentrische Stufe der moralischen Entwicklungslinie. Eine dieser "ethischen" Regeln ist die Omertá, die Schweigepflicht, die für alle Mitglieder verbindlich ist, und das oft unter Androhung des Todes.

Moral betrachtet die Dinge von einer höheren Warte aus und fragt, ob ein bestimmtes Ethos universale Gültigkeit beanspruchen kann. Was für die Mafia gut ist, muss deswegen nicht für alle Menschen richtig sein. Moral also gelangt zu universalen Urteilen über das, was richtig ist, während eine Ethik oder ein Ethos bestmmt, was für eine bestmmte Gruppierung angemessen und gut ist. Der Bezugsrahmen ist hier also nur die eine innerliche kollektive Dimension des in der Welt seins. Moralische Urteile sind dagegen zu Inhalten von allen vier Dimensionen des in der Welt seins, wie innerlich-/individuell, äusserlich/individuell oder äusserlich/kollektiv, möglich. Denn hier wird ja gefragt, was im Hinblick auf das Ich oder das Wir oder das Es richtig ist - es geht nicht allein um das, was für das Wir angemessen ist.

Moral gehört zu den multiplen Intelligenzen, weil sie einen sechs bis acht Hauptstufen durchlaufenden und universal gültige Entwicklungslinie darstellt. Ethik repräsentiert dagegen keine universale Entwicklungslinie, weil sie von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein und sich im Laufe der Geschichte einer Kultur ändern kann. Sie ist in der Regel eine Mischung aus einigen moralischen Anteilen und vielen kulturell bedingten Vorlieben und Eigentümlichkeiten und historischen Variablen, die durchaus moralisch, aber eben auch schlicht unmoralisch sein können.

Sicher, es gibt "ethische Intelligenz", aber sie behandelt lediglich, dass man die Regeln und Rollen, die historischen Hintergründe und Zusammenhänge seiner Kultur kennt - und was man da sieht, hängt weitgehend von der erreichten Stufe der eigenen moralischen Entwicklunslinie ab. Wenn sich Menschen, beispielsweise, entscheiden, zivilen gewaltfreien Ungehorsam zu leisten, um zu zeigen, dass Moral manchmal über der Ethik steht und mehr zählt. Ziviler Ungehorman, etwa eines Gandhi oder einer Rosa Park, beruft sich darauf, dass manche als ethisch deklarierten Regeln und Gesetzte einer bestimmten Gesellschaft unter höheren, universalen Gesichtspunken unmoralisch sind und nicht befolgt werden dürfen. Wer zivilen Ungehorsam übt, nimmt in Kauf, dass sein Handeln als "Gesetzesbruch" hingestellt wird, aber in diesem Fall ist das "illegale"Handeln nicht unmoralisch, sondern im Gegenteil hoch moralisch.Deshalb kann ziviler Ungehorsam ein sehr mutiges, von hoher Gesinnung getragenes Handeln sein. Der Mensch folgt seinem Gewissen, und das heißt: seiner moralischen Intelligenz. Moral als Intelligenz folgt dem evolutionären "Trend" des Kósmos, sie tranzendiert und schliesst ein, und ihre Entwicklungsstufen sind Ausdruck einer durch Transzendenz und Inklusion immer mehr Umfassenden Identität.

RE: Im Hahniversum | 21.08.2018 | 09:33

Ich bin immer wieder erstaunt, was für moralisch unterentwickelte Journalisten auf die Welt losgelassen werden :-)

RE: Auf der Suche nach dem Guten | 20.08.2018 | 20:13

Wenn ich was zu dieser integressanten Diskussion beitragen kann, möchte ich folgendes hinzufügen:

Moralische Intelligenz lässt uns wissen, welches Verhalten richtig und angemessen ist. Wir behandeln andere in dem Maße fair, wie wir uns mit ihnen verbunden und solidarisch fühlen, und folglich nimmt unser moralisches Empfinden mit unserer Identität zu, die sich über die bisher bekannten sechs bis acht Stufen der moralischen Entwichlungslinie entlang evolutionär entwickelt und immer umfassender wird.

Auf der egozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie interessieren mich nur meine persönlichen Dinge, auf der ethnozentrischen Stufe der moralischen Entwicklunglinie liegen mir daüber hinaus die Angehörigen meiner Gruppe am Herzen, auf der weltzentrischen Entwicklungsstufe der moralischen Entwicklungslinie sind es alle Menschen und auf der kósmozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie schliesslich alle Wesen überall.

Das ist auch richtig, dass Moral und Ethik nicht ganz dasselbe ist. Zur Ethik gehören die Regeln und Vorschriften, die eine Gesellschaft oder Gruppierung für angebracht und notwendig hält. Gut ist hier das, was von der jeweiligen Kultur als gut erachtet wird. Moral dagegen beschränkt sich nicht auf das, was regional als gut definiert ist, sondern orientiert sich an universalen Prinzipien und definiert weniger das Gute als vielmehr das, was richtig ist. Ethik kann moralisch sein oder auch nicht. Ihre Definition des Guten beansprucht Gültigkeit in den inneren kollektiven Dimensionen, des in der Welt seins, und legt fest, was in einer Gruppierung, Organisation oder Kultur als richtig, gerecht oder angemessen gilt. Berufsgruppen beispielsweise haben oft ein für die Angehörigen verbindliches Ethos - wir können hier an Medizin, Rechtswesen oder Politik denken. Wir müssen beachten, dass dieses Ethos nicht immer gar so moralisch ist. Auch die Mafia besitzt ihr ganz eigenes Ethos, und das ist wirklich nicht moralisch. sondern repräsentiert, um genau zu sein, die ethnozentrische Stufe der moralischen Entwicklungslinie. Eine dieser "ethischen" Regeln ist die Omertá, die Schweigepflicht, die für alle Mitglieder verbindlich ist, und das oft unter Androhung des Todes.

Moral betrachtet die Dinge von einer höheren Warte aus und fragt, ob ein bestimmtes Ethos universale Gültigkeit beanspruchen kann. Was für die Mafia gut ist, muss deswegen nicht für alle Menschen richtig sein. Moral also gelangt zu universalen Urteilen über das, was richtig ist, während eine Ethik oder ein Ethos bestmmt, was für eine bestmmte Gruppierung angemessen und gut ist. Der Bezugsrahmen ist hier also nur die eine innerliche kollektive Dimension des in der Welt seins. Moralische Urteile sind dagegen zu Inhalten von allen vier Dimensionen des in der Welt seins, wie innerlich-/individuell, äusserlich/individuell oder äusserlich/kollektiv, möglich. Denn hier wird ja gefragt, was im Hinblick auf das Ich oder das Wir oder das Es richtig ist - es geht nicht allein um das, was für das Wir angemessen ist.

Moral gehört zu den multiplen Intelligenzen, weil sie einen sechs bis acht Hauptstufen durchlaufenden und universal gültige Entwicklungslinie darstellt. Ethik repräsentiert dagegen keine universale Entwicklungslinie, weil sie von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein und sich im Laufe der Geschichte einer Kultur ändern kann. Sie ist in der Regel eine Mischung aus einigen moralischen Anteilen und vielen kulturell bedingten Vorlieben und Eigentümlichkeiten und historischen Variablen, die durchaus moralisch, aber eben auch schlicht unmoralisch sein können.

Sicher, es gibt "ethische Intelligenz", aber sie behandelt lediglich, dass man die Regeln und Rollen, die historischen Hintergründe und Zusammenhänge seiner Kultur kennt - und was man da sieht, hängt weitgehend von der erreichten Stufe der eigenen moralischen Entwicklunslinie ab. Wenn sich Menschen, beispielsweise, entscheiden, zivilen gewaltfreien Ungehorsam zu leisten, um zu zeigen, dass Moral manchmal über der Ethik steht und mehr zählt. Ziviler Ungehorman, etwa eines Gandhi oder einer Rosa Park, beruft sich darauf, dass manche als ethisch deklarierten Regeln und Gesetzte einer bestimmten Gesellschaft unter höheren, universalen Gesichtspunken unmoralisch sind und nicht befolgt werden dürfen. Wer zivilen Ungehorsam übt, nimmt in Kauf, dass sein Handeln als "Gesetzesbruch" hingestellt wird, aber in diesem Fall ist das "illegale"Handeln nicht unmoralisch, sondern im Gegenteil hoch moralisch.Deshalb kann ziviler Ungehorsam ein sehr mutiges, von hoher Gesinnung getragenes Handeln sein. Der Mensch folgt seinem Gewissen, und das heißt: seiner moralischen Intelligenz. Moral als Intelligenz folgt dem evolutionären "Trend" des Kósmos, sie tranzendiert und schliesst ein, und ihre Entwicklungsstufen sind Ausdruck einer durch Transzendenz und Inklusion immer mehr Umfassenden Identität.

RE: Auf der Suche nach dem Guten | 20.08.2018 | 15:59

Wenn ich was zu dieser integressanten Diskussion beitragen kann, möchte ich folgendes hinzufügen:

Moralische Intelligenz lässt uns wissen, welches Verhalten richtig und angemessen ist. Wir behandeln andere in dem Maße fair, wie wir uns mit ihnen verbunden und solidarisch fühlen, und folglich nimmt unser moralisches Empfinden mit unserer Identität zu, die sich über die bisher bekannten sechs bis acht Stufen der moralischen Entwichlungslinie entlang evolutionär entwickelt und immer umfassender wird.

Auf der egozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie interessieren mich nur meine persönlichen Dinge, auf der ethnozentrischen Stufe der moralischen Entwicklunglinie liegen mir daüber hinaus die Angehörigen meiner Gruppe am Herzen, auf der weltzentrischen Entwicklungsstufe der moralischen Entwicklungslinie sind es alle Menschen und auf der kósmozentrischen Stufe der moralischen Entwicklungslinie schliesslich alle Wesen überall.

Das ist auch richtig, dass Moral und Ethik nicht ganz dasselbe ist. Zur Ethik gehören die Regeln und Vorschriften, die eine Gesellschaft oder Gruppierung für angebracht und notwendig hält. Gut ist hier das, was von der jeweiligen Kultur als gut erachtet wird. Moral dagegen beschränkt sich nicht auf das, was regional als gut definiert ist, sondern orientiert sich an universalen Prinzipien und definiert weniger das Gute als vielmehr das, was richtig ist. Ethik kann moralisch sein oder auch nicht. Ihre Definition des Guten beansprucht Gültigkeit in den inneren kollektiven Dimensionen, des in der Welt seins, und legt fest, was in einer Gruppierung, Organisation oder Kultur als richtig, gerecht oder angemessen gilt. Berufsgruppen beispielsweise haben oft ein für die Angehörigen verbindliches Ethos - wir können hier an Medizin, Rechtswesen oder Politik denken. Wir müssen beachten, dass dieses Ethos nicht immer gar so moralisch ist. Auch die Mafia besitzt ihr ganz eigenes Ethos, und das ist wirklich nicht moralisch. sondern repräsentiert, um genau zu sein, die ethnozentrische Stufe der moralischen Entwicklungslinie. Eine dieser "ethischen" Regeln ist die Omertá, die Schweigepflicht, die für alle Mitglieder verbindlich ist, und das oft unter Androhung des Todes.

Moral betrachtet die Dinge von einer höheren Warte aus und fragt, ob ein bestimmtes Ethos universale Gültigkeit beanspruchen kann. Was für die Mafia gut ist, muss deswegen nicht für alle Menschen richtig sein. Moral also gelangt zu universalen Urteilen über das, was richtig ist, während eine Ethik oder ein Ethos bestmmt, was für eine bestmmte Gruppierung angemessen und gut ist. Der Bezugsrahmen ist hier also nur die eine innerliche kollektive Dimension des in der Welt seins. Moralische Urteile sind dagegen zu Inhalten von allen vier Dimensionen des in der Welt seins, wie innerlich-/individuell, äusserlich/individuell oder äusserlich/kollektiv, möglich. Denn hier wird ja gefragt, was im Hinblick auf das Ich oder das Wir oder das Es richtig ist - es geht nicht allein um das, was für das Wir angemessen ist.

Moral gehört zu den multiplen Intelligenzen, weil sie einen sechs bis acht Hauptstufen durchlaufenden und universal gültige Entwicklungslinie darstellt. Ethik repräsentiert dagegen keine universale Entwicklungslinie, weil sie von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein und sich im Laufe der Geschichte einer Kultur ändern kann. Sie ist in der Regel eine Mischung aus einigen moralischen Anteilen und vielen kulturell bedingten Vorlieben und Eigentümlichkeiten und historischen Variablen, die durchaus moralisch, aber eben auch schlicht unmoralisch sein können.

Sicher, es gibt "ethische Intelligenz", aber sie behandelt lediglich, dass man die Regeln und Rollen, die historischen Hintergründe und Zusammenhänge seiner Kultur kennt - und was man da sieht, hängt weitgehend von der erreichten Stufe der eigenen moralischen Entwicklunslinie ab. Wenn sich Menschen, beispielsweise, entscheiden, zivilen gewaltfreien Ungehorsam zu leisten, um zu zeigen, dass Moral manchmal über der Ethik steht und mehr zählt. Ziviler Ungehorman, etwa eines Gandhi oder einer Rosa Park, beruft sich darauf, dass manche als ethisch deklarierten Regeln und Gesetzte einer bestimmten Gesellschaft unter höheren, universalen Gesichtspunken unmoralisch sind und nicht befolgt werden dürfen. Wer zivilen Ungehorsam übt, nimmt in Kauf, dass sein Handeln als "Gesetzesbruch" hingestellt wird, aber in diesem Fall ist das "illegale"Handeln nicht unmoralisch, sondern im Gegenteil hoch moralisch.Deshalb kann ziviler Ungehorsam ein sehr mutiges, von hoher Gesinnung getragenes Handeln sein. Der Mensch folgt seinem Gewissen, und das heißt: seiner moralischen Intelligenz. Moral als Intelligenz folgt dem evolutionären "Trend" des Kósmos, sie tranzendiert und schliesst ein, und ihre Entwicklungsstufen sind Ausdruck einer durch Transzendenz und Inklusion immer mehr Umfassenden Identität.