Nils Markwardt
Ausgabe 1116 | 21.03.2016 | 06:00 68

„Westlicher Todestrieb“

Interview Wir Europäer müssen uns an Flüchtlingsströme gewöhnen, sagt der Philosoph Alain Badiou. Weil wir eine große Mitverantwortung tragen. Von Integration hält er gar nichts

Migration, Einwanderung, Asyl – dies sind die Themen, die Alain Badiou seit Jahrzehnten prägen. Nicht nur, weil er sie bei seinem andauernden Versuch, den Kommunismus neu zu denken, immer wieder in den Mittelpunkt gestellt hat, sondern auch, weil er sich seit Langem praktisch für Sans-Papiers engagiert. Etwa durch die von ihm 1985 mitbegründete Bürgerrechtsbewegung Organisation politique. Abends zuvor saß der Philosoph, der zu den international einflussreichsten Intellektuellen Frankreichs gehört, noch auf der Bühne des ausverkauften Berliner Gorki Theaters und diskutierte mit seinem Verleger Peter Engelmann über Strategien politischer Interventionen. Doch auch wenn Badiou, der bei einem Bekannten in Schöneberg übernachtete, beim Interview noch Morgenmantel trägt, ist er genauso hellwach und streitbar wie erwartet.

der Freitag: Herr Badiou, in Ihrer Theorie spielt der Begriff des Ereignisses eine zentrale Rolle. Er beschreibt das abrupte Einbrechen des Neuen, einen radikalen Riss in der bisherigen Ordnung. Erleben wir das gerade mit der Flüchtlingskrise?

Alain Badiou: Absolut. Es gibt natürlich eine lange Geschichte der Einwanderung, in Frankreich leben mittlerweile Millionen von Menschen, die einst aus Afrika oder anderen Kontinenten kamen. Aktuell gibt es jedoch einen zweifachen Unterschied. Der erste betrifft den Grund: Es geht hier vorrangig nicht um klassische Arbeitsmigration, sondern um die Folgen der Verheerungen im Nahen Osten und in Afrika. Der zweite betrifft die Form: Es ist kein langwieriger Prozess, sondern eben ein abruptes Ereignis.

Der mit ihnen befreundete Philosoph Slavoj Žižek hat in jüngster Zeit immer wieder betont, dass die Flüchtlingskrise auch das Ergebnis des globalen Kapitalismus sei. Sehen sie es ähnlich?

Ja, die Rolle des globalen Kapitalismus ist hier zentral. Er offenbart eine neue Form des Imperialismus, eine neue Form des Kampfes um Rohstoffe und Ressourcen. Das heißt, es ist nicht mehr der klassische Kolonialismus, in dessen Zuge ganze Staaten unterworfen wurden, sondern das, was man im Französischen „zonage“ nennt: die Akzeptanz zersplitterter, anarchischer Räume, in denen keine staatlichen Strukturen mehr herrschen, sondern kriminelle Gangs regieren. Der Westen beteuert etwa permanent, dass er die Terromiliz „Islamischer Staat“ bekämpfe, gleichzeitig hält er sie aber auch am Leben. Denn der IS ist mittlerweile ein ökonomischer Faktor, er handelt mit Kulturschätzen und Öl.

Der IS ist aus Ihrer Sicht also bereits in den globalen Kapitalismus integriert?

Exakt. In Afrika und dem Nahen Osten zeigt sich eine neue Form des imperialistischen Widerspruchs, dessen Konsequenz darin besteht, dass in vielen Regionen kein normales Leben mehr möglich ist. Man zerstört den Staat, kreiert eine anarchische Situation, unterstützt dann, je nach den eigenen Interessen, die eine oder andere politische Kraft. Das Ergebnis ist für die Zivilbevölkerung fürchterlich. Die Menschen können nicht mehr in ihrem Land bleiben.

Zur Person

Alain Badiou, 1937 in Rabat, Marokko, geboren, ist Philosoph, Mathematiker, Romancier und einer der wichtigsten Intellektuellen Frankreichs. Er gilt als führender Vertreter des Neo-Kommunismus. Nach Lob der Liebe (2015) geht es ihm aktuell um eine Philosophie des Glücks

Foto: Keffieh67/Wikipedia

Also kommen sie nach Europa.

Und Europa hätte die Mittel, Millionen Menschen aufzunehmen. Aber viele sehen in den Flüchtlingen eine Bedrohung ihrer Privilegien. Nun stimmt es, dass es gewisse kulturelle Unterschiede zwischen islamischen Ländern und Europa gibt, etwa im Hinblick auf die Rolle der Familie. Aber das ist natürlich nicht der Grund für die Situation im Nahen Osten. Diese wurde gewissermaßen künstlich herbeigeführt, durch die Zerstörung staatlicher Strukturen. Folglich müssen die Bevölkerungen in Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern die Flüchtlinge sozusagen als Quittung akzeptieren. Dafür, dass sie nichts gegen die Verwüstungen im Nahen Osten unternommen, ja diese teilweise erst geschaffen haben. Die Briten waren im Irak, die Amerikaner ebenso. Frankreich hat wiederum in Saudi-Arabien, dem wohl reaktionärsten Land in der Region, seine Interessen, etwa den Verkauf von Rafale-Jets.

Ihrer Meinung nach entstehen Ressentiments gegenüber Migranten also auch aus der Verkennung des geopolitischen Kontexts?

Ähnliches gab es früher auch. Viele Franzosen haben auf die Einwanderung von Menschen aus dem Maghreb mit Rassismus reagiert. Dabei ignorierten sie die Zusammenhänge. Denn der Grund für die Migration lag in der Entwicklung des französischen Kapitalismus. Die Einwanderer haben etwa in den Fabriken von Renault und Citroën gearbeitet. Die Mittelschichten kauften dann die Autos, ohne sich bewusst zu machen, dass sie das Ergebnis dieser Arbeiter sind. Die Entstehung reaktionären Positionen folgt also oft aus der Ignoranz gegenüber den Entwicklungsgesetzen des globalen Kapitalismus. Die Leute wollen nur die Produkte, aber sie vergessen die Gesetzmäßigkeiten dahinter. Sprich: die anarchische und gewaltsame Entwicklung des Kapitalismus.

Dennoch nimmt der Rechtspopulismus in Europa zu. In Deutschland reüssiert die AfD, in Frankreich bekommt Marine Le Pen immer mehr Zuspruch, in Osteuropa regieren rechtspopulistische Parteien. Was tun?

Kommt man der extremen Rechten entgegen, verstärkt man die Angst vor Flüchtlingen nur. Wenn die europäischen Regierungen sagen, dass sie nicht in der Lage seien, die Fluchtursachen zu bekämpfen, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben und ihren Bevölkerungen klarmachen, dass Flüchtlingsströme unabwendbar sein werden. Denn Millionen Menschen fliehen aus ihren Ländern, weil sie dort einfach nicht mehr leben können. Und wir sind Teil dieser Entwicklung. Zumal der Westen, wie gesagt, zum Zwecke seiner eigenen Interessen die Existenz zerstörter Regionen akzeptiert.

Aber da machen Sie es sich doch zu einfach. Die Konflikte in Afrika und dem Nahen Osten sind doch nicht monokausal auf den Westen zurückzuführen, sondern entspringen ebenso der dortigen Unterdrückung, der Misswirtschaft, der Korruption.

Das auch, natürlich. Aber in Afrika gibt es heute praktisch keinen wirklich freien Staat. Es herrschen oftmals korrupte Eliten, die Teil des Systems des globalen Kapitalismus sind, keine Frage. Bedenken wir jedoch nur, was mit jenen passierte, die ihre Länder einst wirklich befreien wollten: Patrice Lumumba, Amílcar Cabral und Ruben Um Nyobé wurden ermordet, Kwame Nkrumah aus dem Amt geputscht. Zudem hat allein Frankreich innerhalb von 40 Jahren rund 50 Militärinterventionen in Afrika durchgeführt. Das ist eine Art permanenter Krieg. Und nun wird Afrika zur Ausplünderung freigegeben. Sei es durch französische, britische, amerikanische oder chinesische Großkonzerne. Und schließlich: Gruppierungen wie der IS oder Boko Haram existieren vor allem in Ländern, wo es Öl gibt. Deshalb könnte man zugespitzt sagen: Am Ende geht es weniger um die Frage des Islamismus als um die des Öls.

Im Zuge der Flüchtlingskrise stellt sich vor allem auch die Frage der Integration. Brauchen wir dafür eine stärkere europäische Identität?

Das Konzept der Integration lehne ich ab.

Wieso das?

Integration ist und war sehr lange Zeit das Konzept, mittels dessen lediglich die Unterdrückung und Separierung von Minderheiten legitimiert wurde. Denn die Frage ist ja: Integration in was? Die Antwort war immer: in das Wertesystem der westlichen Mittelklasse. Letztere sieht sich selbst als das gloriose Ergebnis der Menschheitsgeschichte, aber das ist sie nicht. Sie steht vielmehr für Egoismus, Engstirnigkeit, Ignoranz gegenüber Entwicklungsgesetzen der Moderne. Ich persönlich habe viele Menschen aus Afrika, die einen muslimischen Hintergrund haben, kennengelernt und mit ihnen gearbeitet. Und für mich gehören diese eher zu Frankreich als etwa Marine Le Pen.

Wenn es Ihnen nicht um Integration geht, um was dann?

Der Punkt ist nicht die Integration, sondern, dass der globale Kapitalismus in der westlichen Welt eine bestimmte Form der Moderne entwickelt hat. Eine, die gegenüber den Traditionen neue Freiheiten erzeugt hat. Das hatte Marx gewissermaßen vorhergesagt: die Auflösung aller hergebrachten Traditionen durch den kalten Weg des Geldes. Um die globale Hegemonie des Kapitalismus herauszufordern, dürfen wir aber nicht nach dessen Regeln spielen, die letztlich nur zur Entstehung von Milliarden Ausgeschlossenen führen. Wir müssen vielmehr eine neue Form der Modernität entwerfen. Mein Vorschlag ist die kommunistische Moderne, die nicht die Diktatur des Privateigentums bedeutet.

Die Integration abzulehnen, das dürfte manchen Rechten freuen.

Wir können nicht sagen, dass wir das Konzept der Integration befürworten müssen, weil es sonst reaktionäre Widerstände gibt und man der extremen Rechten in die Hände spielt. Denn am Ende macht man dann die Politik der extremen Rechten ohne die extreme Rechte – einfach weil man sich vor der extremen Rechten fürchtet.

In einem Interview mit „Libération“ haben Sie jüngst gesagt, dass die unerwiderte „Sehnsucht nach dem Westen“ eine Art „Todestrieb“ produziert hat – und zwar bei den Attentätern der Pariser Terroranschläge. Was meinen Sie damit?

Den Nihilismus jener jungen Männer, die den Massenmord in Paris verübten, habe ich versucht in psychoanalytische Begriffe zu fassen. Sie fühlten sich nicht als Teil der Gesellschaft, was sich zunächst in einer Art anarchische Orientierungslosigkeit zeigte. Sie glaubten nicht mehr daran, unter Beachtung der Regeln und Gesetze einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Aus diesem Unwillen, ein richtungsloses Leben zu führen, entstand eine Form der Aggressivität – und zwar gegen das eigentliche Objekt ihres Begehrens. Sie wollten es zerstören, weil sie es nicht erreichen können. Vor diesem Hintergrund machen islamistische Organisationen schließlich ihre ideologischen Angebote. Sie versprechen, den verhassten Westen zu bekämpfen und diese Aggressivität zu glorifizieren. Solch fanatisches Märtyrertum hat eine lange Geschichte, das ist keine Erfindung des IS. Man denke an das Christentum oder den Heldenkult des Faschismus. Wo es Herrschaft gibt, gibt es auch das Begehren, auf der Seite der Herrschaft zu stehen. Aber es gibt ebenso die Reaktion, wenn sich herausstellt, dass das nicht möglich ist. Dann verwandelt sich das Begehren eines Objekts in jenes seiner Zerstörung.

Sie sprechen vom Entwurf einer „kommunistischen Moderne“. Das ist gleichermaßen abstrakt wie vage. Was würden Sie denn konkret jemandem antworten, der nun Angst hat, dass er mit Flüchtlingen um Jobs und Transferleistungen konkurrieren muss?

Da gibt es eine objektive und eine subjektive Antwort. Auf der objektiven Ebene weisen Ökonomen, die bekanntlich ja meist nicht gerade revolutionär eingestellt sind, darauf hin, dass die Flüchtlinge zwar nicht sofort, langfristig der Wirtschaft aber schon zugutekommen werden. Nach dem Ende des Algerienkriegs kamen innerhalb weniger Monate ebenfalls über eine Million Menschen nach Frankreich. Überall meinte man, dass es unmöglich sei, alle aufzunehmen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber sie wurden einfach Teil der ökonomischen Entwicklung. So ließe sich heute auch im Fall Deutschlands sagen: Hier gibt es über 80 Millionen Einwohner, eine Million mehr ist da verkraftbar. Auf der subjektiven Ebene muss man immer wieder betonen, dass viele fliehen, weil sie in ihrer Heimat schlicht nicht mehr leben können. Ebenso müssen wir vermitteln: Die aktuelle Erfahrung zeigt, dass wir die Welt nicht mehr in starren Grenzen denken können. Man kann die Entwicklung Europas nicht mehr von der im Nahen Osten oder Afrikas trennen.

Info

Philosophie des wahren Glücks Alain Badiou Paul Maerker (Übers.), Passagen 2016, 104 S, 13,90 €.

Über das Überleben: Die BIlder des Spezials

Jedes Jahr im Sommer entstehen an ukrainischen Fernstraßen kleine private Märkte für Gemüse und Obst. Die Händler richten sich in Hütten ein oder leben mit ihren Familien in Wohnwagen und Zelten. Sie kommen auch aus Weißrussland und Moldawien, Georgien oder Armenien – alle wollen Geld verdienen für ein besseres Leben oder einfach dem Hunger entkommen. Die preisgekrönte Serie Bitter Honeydew des Fotografen Kirill Golovchenko dokumentiert den Überlebenskampf der Straßenhändler und das nächtliche Treiben in ihrer Welt. Das Buch zur Fotoserie ist in fünf verschiedenen europäischen Verlagen erschienen, mehr Informationen auf kirill-golovchenko.com.

Bitter Honeydew Kirill Golovchenko Kehrer 2015, 76 S., 38 €

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 11/16.

Kommentare (68)

denkzone8 21.03.2016 | 08:41

erstmal luft-holen:

unsäglich, was alles einem herausforderer der kapitalistischen hegemonie, einem vor-schläger der euro-kommunistischen moderne so heraus-purzelt....

als neo-kommunistischer philosoph ist er seit jahren dabei, den kommunismus neu zu denken(kömmts auf das neu-interpretieren an? würde dr. marx fragen)

wann kommt endlich mal ein luxemburger(ohne koloniale/dekoloniale scheuklappen) zu wort?

wo/wann ist das klare denken den franzosen abhanden gekommen? ab wieviel interviews gibts das philosophes-diplome?

aber halten wir erstmal fest, was stimmt:

die kapitalistische entwicklung war und ist begleitet von arbeits-kräfte-migration(vorher haben nicht-kapitalist. agrar-konjunkturen ähnliches bewirkt). das neue jetzt: ver-heerungen im nahen osten. aber:

ist der syrische bürgerkrieg(arabellion insgesamt) ein teuflischer plan?

-ist der is ein notwendiger bestandteil des globalen k-systems?

-sollte die zerstörung bürgerlicher staaten das neue mittel des kapitals sein, bessere verwertungs-bedingungen zu schaffen? welche konkurrenz-vorteile ergeben sich für welches kapital?

-als ehrenwerter gesamt-geschäfts-mann akzeptiert frau europa jetzt die "flüchtlings-quittung"(?).

-nur "verkenner des geopolitischen zusammenhangs" können sich un-zuständig glauben.

-nur "ignoranz gegenüber den entwicklungs-gesetzen des globalen kapitalismus" führt zum widerstand gegen staatliche migrations-projekte. oh, je, luftholen...

-wer kapitalistisch-produzierte produkte kauft, muß auch den rest des systems in kauf nehmen. puuh.

-"europa hätte die mittel": eine erstaunliche blindheit eines kommunisten gegenüber der eigentums-frage.

-weil wir das herrschende k-system nicht mit guten vorschlägen transformiert haben, tragen wir die verantwortung für dessen schweinereien.

-wenn man die welt nicht mehr in starren grenzen denken kann: muß man dann logischerweise die staats-grenzen aufgeben?

als eu-denker zertifiziert: wicht-ig, schwadronier-klasse a, ein ausfluß-reicher intellektueller.

besser: ich brech hier mal ab und erklär der katz die zahnbürste...

Lethe 21.03.2016 | 10:16

Gedanken dieser Art bekommen ihre Weihe natürlich erst dann, wenn ein Philosoph sie denkt, egal wie lange vorher sie schon gedacht waren^^

im Prinzip Zustimmung zum analytischen Teil, auch wenn er einige Sachverhalte noch nicht scharf genug sieht, zumindest in diesem Interview. Seine Visionen zur Überwindung ... na ja, sind genau so halbseiden wie viele andere auch. Klingt gut, eine kommunistische Moderne - die nicht die Diktatur des Privateigentums bedeutet bedeutet dann wahrscheinlich wieder nur die Abschaffung des Privateigentums, was schon mal in die Hose ging, aber man muss ja nichts aus der Geschichte lernen - allein, wie er zu dieser kommunistischen Moderne hingelangt, darüber schweigt auch dieses Sängers Höflichkeit. Hoffen auf den Zusammenbruch des Systems wahrscheinlich.

Kinderträume.

Ratatörskr 21.03.2016 | 10:43

"...allein, wie er zu dieser kommunistischen Moderne hingelangt, darüber schweigt auch dieses Sängers Höflichkeit."

Das wäre doch ganz einfach: Man müßte einmal einem Land erlauben, sich ungehindert autonom zu entwickeln. "Was wäre, wenn Kuba die notwendige gesellschaftliche Strukturveränderung" hätte auf den Weg bringen können? Diese Frage haben sich die Sloterdijks ja auch noch nicht gestellt.

Die kapitalistische Moderne führt uns auch gerade vor, dass sie auch nicht kann oder können will, was sie vorgibt zu können.

Welche Visionen hat der neokapitalistische Weltanspruch? Auch die Landung auf dem Mars ist noch seine Vision. Obwohl die Kostenfrage ganz real ist.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2016 | 10:53

"Aus diesem Unwillen, ein richtungsloses Leben zu führen, entstand eine Form der Aggressivität".

Genua.

Es ist schliesslich die westliche Wertegemeinschaft, die den Willen hat, ein richtungsloses Leben zu führen. Die industrielle Verwertung alles Lebendigen - eine, psychoanalytisch betrachtet, verdrängte suizidale Charakterstruktur - ist doch der einzige "Wert", nach dem sich das globale Finanzimperium sehnt und alle hörigen Marktgläubigen, die das Heilsversprechen des ewigen Wachstums für bare Münze nehmen. Globaler Neokolonialismus, zynischer Imperialismus der Konzerne, Unterdrückung durch Waffengewalt, aber auch strukturelle Gewalt: Im Namen von Christentum, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ist es doch "der Westen", der der Welt einmal mehr zeigt, zu welch "professionellem" Nihilismus er fähig ist. Wieviel Unfreiheit er im Namen der Freiheit produziert.

Daß Deutschland wieder (!) freiwillig seinen Untergang wählen wird, ist in der Psychoanalyse schon vor Kriegsende diskutiert worden. Aber die Ursachen gruppennarzisstischer Größenphantasien (vgl. S. Freud, A. Adler, E. Fromm, W. Reich etc.), die zu totalitärer Gleichschaltung des Denkens führen, wären von Nationalstaaten mit Interesse am Selbsterhalt (z.B. europäische) durch Bildungspolitik sicher aufzuarbeiten gewesen. Nun werden eben "Schuldige" gefunden (Christen finden immer einen Sündenbock, den sie beschuldigen und beschämen können, um ihre Hände in Unschuld waschen zu können..), die "den heiligen westlichen Werten" Abtrünnigen werden des Ungehorsams, ja des Unglaubens bezichtigt, nur um mit solch billigen, verbalen Hütchenspielertricks dann - trotz der Kritik am methodischen Schuldumkehrverfahren westlicher "Politik" - wieder die vermeintliche moralische Überlegenheit herzustellen. Opferschelte nennt sich diese Art der scheinsouveränen "Argumentation". Da sind die ideellen Stützpfeiler der Moderne, wie sie z.B. Rousseau oder Kant lieferten, aus belastbarem Material gebaut. Ihren Gedanken der Aufklärung folgend, kann die Forderung im 21. Jh. nur sein, daß es Aufgabe und vornehmste Pflicht eines jeden vernunftbegabten Wesens (vgl. Mensch) ist, SICH SELBST in das unausweichliche Weltbürgertum zu integrieren. Die Geschichte, daß sich immer die Anderen zu integrieren haben, weil "wir hier" schon sooo fortschrittlich sind, klingt bei jeder Wiederholung unglaubwürdiger.

Magda 21.03.2016 | 10:59

Ich bin einigermaßen ratlos. Denn einerseits sind da natürlich Aussagen drin, die überhaupt niemand überraschen.

Zum Beispiel diese:

Die Entstehung reaktionären Positionen folgt also oft aus der Ignoranz gegenüber den Entwicklungsgesetzen des globalen Kapitalismus. Die Leute wollen nur die Produkte, aber sie vergessen die Gesetzmäßigkeiten dahinter. Sprich: die anarchische und gewaltsame Entwicklung des Kapitalismus.

Das ist sicher so, aber - was nun?

Diese Integrationstheorie ist mir nicht einleuchtend.

Der Punkt ist nicht die Integration, sondern, dass der globale Kapitalismus in der westlichen Welt eine bestimmte Form der Moderne entwickelt hat. Eine, die gegenüber den Traditionen neue Freiheiten erzeugt hat. Das hatte Marx gewissermaßen vorhergesagt: die Auflösung aller hergebrachten Traditionen durch den kalten Weg des Geldes. Um die globale Hegemonie des Kapitalismus herauszufordern, dürfen wir aber nicht nach dessen Regeln spielen, die letztlich nur zur Entstehung von Milliarden Ausgeschlossenen führen. Wir müssen vielmehr eine neue Form der Modernität entwerfen. Mein Vorschlag ist die kommunistische Moderne, die nicht die Diktatur des Privateigentums bedeutet.

Wer in diesem Zusammenhang "wir" ist fragt man sich. Eine neue Form der Modernität zu finden - das bedeutet im Grunde, die Flüchtlinge zu Instrumenten auf dem Wege zu oder im Kampf um diese neue Form der Modernität machen zu wollen.

Die werden aber den Theoretikern eins husten, wenn ich das mal sagen darf. Die werden einfach nur ihren Weg suchen und wenn sie keinen Weg in diese - meinetwegen verlogene Welt der westlichen Mittelklasse oder Gesellschaft - finden, werden sie sich kaum und schon gar nicht geschlossen an der Suche oder am Kampf um eine neue Moderne beteiligen, sondern sich in "Parallelwelten" zusammenfinden.

Klingt sehr nach irgendeiner Suche nach neuem revolutionären Potential, die mir verdächtig ist.

Überall meinte man, dass es unmöglich sei, alle aufzunehmen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber sie wurden einfach Teil der ökonomischen Entwicklung. So ließe sich heute auch im Fall Deutschlands sagen: Hier gibt es über 80 Millionen Einwohner, eine Million mehr ist da verkraftbar.

So ist es. Also, das ist dann einfach die Praxis. Das weiter oben mit der neuen Moderne war die revolutionäre Theorie. Danke.

Lethe 21.03.2016 | 11:00

Man müßte einmal einem Land erlauben, sich ungehindert autonom zu entwickeln.

Und für wie realistisch halten Sie das?

"Was wäre, wenn Kuba die notwendige gesellschaftliche Strukturveränderung" hätte auf den Weg bringen können?

Ja, was wäre dann? Vielleicht wäre Kuba dann genau so isoliert, wie es die ganze Zeit war? Und darüber hinaus, Strategien zur Überwindung eines globalen Phänomens bestehen nicht darin, lokale Erfolge ins Große zu übertragen, selbst wenn die lokalen Erfolge gelegentlich nicht imaginär sein sollten.

Die kapitalistische Moderne führt uns auch gerade vor, dass sie auch nicht kann oder können will, was sie vorgibt zu können.

Was gibt sie denn vor zu können? Ich sehe an Anspruch eigentlich nur die Verfestigung menschlicher Gier als Antriebsmotor für Entwicklung, wobei "Entwicklung" reiner Euphemismus bleibt, zumindest wenn man "Entwicklung" als "Entwicklung zum Besseren" auffasst.

Welche Visionen hat der neokapitalistische Weltanspruch?

Die Gier immer weniger Menschen immer effektiver zu befriedigen und den Rest in Unmündigkeit zu halten. Bislang macht er das erfolgreich.

A-Deiport 21.03.2016 | 11:02

Der Mensch ist immer auf der Suche nach einem bessern Leben und der Wohlstand zieht die Menschen wie ein Magnet. Dies kann man ihnen auch nicht zum vorwurf machen.Wenn wir in deren Situation wären, würden wir uns genauso verhalten.

Letztendlich müssen wir einfach erkennen, dass wir diesen Wohlstand mit den anderen teilen müssen. Entweder bei uns hier , wenn sie gerade da sind oder dort ,wo diese Menschen herkommen. Wir können es uns aussuchen, aber an Teilen kommen wir nicht vorbei.

na64 21.03.2016 | 11:06

Ich gleite jetzt beim Philosophen in das mystische als Werbelüge für:

Die Ritter der Angst.Ein Mythos entsteht da zu wenig Wissen vorhanden ist und durch Halbwahrheiten ersetzt wird, um Angst im Glauben, im Vertrauen erzeugen zu können und damit Gruppendynamiken, mit dieser Illusionsblase einer unvernünftigen Erscheinung als unheilvolle Fata Morgana über Autoritäten in Form von einzelnen Personen, oder in einem Verbund mit Waffen, wir so die Kraft und Macht besitzen, um über diese Angst in Ihrer Blase eines aufkommenden Labyrinths ohne Orientierungsmöglichkeiten beim regieren von uns fern halten zu können. Wir suggerieren uns selbst eine Kunterbunte bis Rabenschwarze Erscheinungsmöglichkeit der Geschehnisse um automatisch gewissen Leuten, Personen Autorität und Macht zu geben. Ihnen zugestehen, Ihnen befähigen nach dem Sie auf uns eingeredet haben, von Ihren neu zu Verfügung stehenden Gewaltformen Gebrauch zu machen, da wir dieses neue Labyrinth einer neuen Umorientierung nicht als Motivation für unsere Philosophie von einem Leben, wie wir es gerne hätten auch wollen. Wir benötigen diese Ritter der Angstbewältigung in der Politik, damit wir Mauern als Grenzen aufbauen können um uns selbst vor Veränderungen zu schützen. Da wir wissen, wenn sich eine Veränderung breit macht, gibt es kein zurück mehr zum Anfangspunkt dieser Entstehung, um ... ja um was!?. Was wollen wir eigentlich erreichen!?. ... um uns selbst vor dieser Veränderung zu schützen. Das tragisch komische an diesem Verhalten ist, es gibt keinen Schutz vor Veränderungen. Das wissen selbst die Ritter der Angst und so ist es Ihre Aufgabe die bevorstehende Veränderungen mittels Sprache als positive neue Motivation im konservativen Sinngehalt einer akzeptierten Philosophie zu verkaufen. Jetzt liegt es an uns ob wir bei den Politikern, bei den Parteien an die ganz schlimmen, oder an die humaneren Trickbetrügern einen Glauben, ein Vertrauen schenken wollen. Machen wir uns nicht vor, der größte Erfolg von Motivationen entsteht über das Lügen, wie in der Werbung. Und ist Angst, wie auch der Instinkt der Urängste bei unserem Schutzbedürfnis mit in diesem Spiel von gezielter Werbung, so blockiert unser Denken die Vernunft als Möglichkeit einer Lösung aus. Ab da läuft der Irrsinn, der Nonsens einer Mitläuferschaft als Selbstläufer einer Bewegung in eine Veränderung die Ihr/Wir gar nicht so haben wollten. Scheinbar benötigt der Mensch an sich Verhaltensprozesse die zu einer Zerstörung von geglaubten Motivationen dienen, um in dieser eskalierenden Gewaltausübung die Veränderung, die sich schon am Anfang, im Mythos der aus keimenden Angstzustände ersichtlich zeigten, auch letztendlich diese Veränderungen annehmen zu können, da wir nur eine Einsicht des dazulernen aus unseren begangenen Fehlern bekommen wollen. Am End setzt sich doch das durch, was man in der gesteuerten Zielinterpretation ausgrenzen wollte. Ein vermischen von Kulturen und Ideen ohne alteingesessene nationale wirtschaftliche Ideologien Philosophie. Erst werde ich dich als das feindlich Fremde versuchen wollen zu töten, zu kappern und daran das du mein Feind, mein Eigentum geworden bist und so auch in mir, im Bewusstsein, ein Besitz in mir, einen Platz ein nimmst, erkenne ich, dass ich wie Du geworden bin und kann dir die Hand reichen, da ich dich jetzt verstanden habe, wie du als Mensch bist. Was wäre daran so schlecht, so negativ wenn man hier seine gewohnten Autoritätsplattformen von ausübender politischer kriegerischer Gewaltformen schon vor einer Eskalation verlässt!?. Ein Utopia des Unmöglichen versucht. Schlimmer ist es doch wenn jetzt jeder mit Scheuklappen der Angst, so in seinem beengten Tunnelblick durch die Landschaft laufen möchte und diese selbst auferlegte eigene enge fordert letztendlich nur Gewalt herauf, um sich davon befreien zu wollen und keiner sieht dann mehr, wo neue Anregungen und Motivationen für Verbesserungen vorzufinden sind. Kreative Prozesse brauchen einen Freiraum der Offenheit und kein ein igeln in Kummer und Sorgen, welche über unsere Ängste vor anstehenden Veränderungen schon einen selbst erfüllenden Charakter haben. Irrationales Verhalten scheint Mode geworden zu sein. Die Bekleidung unserer Art zu Leben ist in unserem Bewusstsein verankert, welches sich über unsere motivierten Handlungen nährt und die Gier, den Hunger nach neuen Errungenschaften, nach Weiterentwicklung befriedigen und stillen soll. Und davor habt Ihr/Wir Angst, dass andere auch an diesem Weg teilhaben wollen, die im Grunde genommen genauso diesem wirtschaftlichen geprägten Denken nacheifern wie wir selbst. Das ist lachhaft. Angst ist dann besiegt, wenn man über Sie lacht. Wir könnten ja die EZB dazu animieren das Sie Ihr Helikoptergeld in den Krisen- und Kriegsnationen abwirft, damit sich diese ausgegrenzten Menschen, Bildung und Teilhabe kaufen können.

Filou Sophia 21.03.2016 | 11:26

"Wir Europäer müssen uns an Flüchtlingsströme gewöhnen"

Das ja gerade nicht. Denn wir Europäer können auch Grenzen befestigen, militärisch aufrüsten, mit Verbrechern kooperieren, selbst welche sein, den Fetisch Besitz und Individualismus über alles stellen, unsere Verfassungen ändern, internationale Abkommen brechen. Und wir, die Linke, können Interviews geben, Artikel schreiben, Schriften veröffentlichen, uns im Gorki zuprosten und dem hilflos, verlegen, wütend zuschauen. Das Müssen ist nämlich bereits über Bord und im Mittelmeer abgesoffen.

Reinhold Schramm 21.03.2016 | 12:07

Imperialismus heute --- Die äußere Inszenierung der (künstlichen) Zerstörung staatlicher Strukturen.

"Man zerstört den Staat, kreiert eine anarchische Situation, unterstützt dann, je nach den eigenen Interessen, die eine oder andere politische Kraft. {...} Die [überflüssigen] Menschen können nicht mehr in ihrem Land bleiben."

Die herrschenden Wirtschaftsinteressen der Finanz- und Monopolbourgeoisie, der staatsmonopolistischen und imperialistischen Wohlstands- und Reichtumsmetropolen, bewirken die geopolitische und ökonomische Neuaufteilung der Claims der Welt.

Feste regionale und nationale Strukturen sind der Ausbreitung des kapitalistischen Imperialismus im Wege. Folglich müssen sie auseinander-gebrochen, materiell korrumpiert und atomisiert werden: in unwesentliche Bestandteile zerlegt werden. Die kollektive Solidarität im Gefüge der widerständigen Gesellschaften und in bisherigen Bindungen werden nachhaltig beseitigt. Nur auf dieser Grundlage werden modifizierte ökonomisch-imperialistische Interessen in den zerschlagenen und aufgelösten Rohstoff- und Weltregionen etabliert.

"Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung der alten Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert." Marx/Engels - Manifest.

Comparse 21.03.2016 | 12:11

Was bedeutet für Sie Privateigentum?

Wenn von der Abschaffung des Privateigentums gesprochen wird, dann ist das Eigentum an Produktionsmittel gemeint und nicht Ihr Eigentum an Stuhl, Auto, Haus oder Katze.

Und dass das vorkommunistische Modell Sozialismus diesen Rückschlag erfuhr, den es erfuhr, hat Ursachen, die Sie aus der kapitalistischen Propagandamaschine nie erfahren werden.Vielmehr schlagen ich Ihnen vor, Ihren Blickwinkel zu ändern und die Sache mal von der anderen Seite zu betrachten. Das könnte u.U. zu erstaunlich neuen Einsichten führen.

Comparse 21.03.2016 | 12:24

Danke für Ihren Beitrag.

Er erinnert mich wieder an mein Studium der Werke von Marx und Engels.

Vieles davon ist in Vergessenheit geraten - gut, wenn wir wieder daran erinnert werden.

Im Westen Deutschlands hat man Das kommunistische Manifest und Das Kapital im Unterricht vielleicht mal erwähnt, aber offenbar so, dass die Leistungen dieser beiden Deutschen nie die verdiente Würdigung erfuhren.

Stattdessen wurde mit dem von den USA finanzierten Wirtschaftswunder der erneute Tanz ums Goldene Kalb eingeläutet und das mit den verheerenden Folgen, die wir heute beobachten dürfen.



Ratatörskr 21.03.2016 | 12:39

Betrachten wir die Gier als Antriebskraft der Vision auf dem Mars zu landen.

Und die Menschenwürde als Antriebskraft der Vision zur sozialen Gerechtigkeit.

Gemeinsam können wir das schaffen.

Die kapitalistische Moderne gibt uns vor, mit Grenzen die Menschen ein- u. auszugrenzen, aber das Kapital muss grenzenlos wüten können. So betrachtet war der EU-Gipfel der Einfallslosigkeit nichts anderes als eine symbolische, euphemistische Veranstaltung zu dem Preis der verschacherten Menschenrechte.

Ich halte es für notwendig u. realisierbar, einem autonomen Land seine autonomen Entscheidungen zu garantieren. Schon weil es eine Vision ist, dass die Menschen sich grenzenlos versklaven lassen. Es ist keine Vision, dass die Großmacht USA vor diesem kleinen Land Kuba keine Angst hatte, aber vor dem Denken der kubanischen Menschen, die ihre Menschenrechte nicht als euphemistische Vision, sondern als ihr reales Menschenrecht in einer blutigen Revolution erkämpften.

Warum wäre Kuba dann von wem isoliert worden? Und wenn, hätte sich dann nicht die Doppelzüngigkeit der kapitalistischen Politik gezeigt. "Wir wollen für alle Menschen das Beste",heißt es, aber "am besten beuten wir sie aus", macht man es.

So betrachtet, kann man das Land Kuba als Musterbeispiel der Großmachtpolitik verstehen. Kuba hat die USA nie militärisch bedroht. Und nicht umsonst sind die Kriege "Stellvertreterkriege".

Menschenrechte sind Vision u. Kriege Realität. Das will ich nicht glauben.

uebung 21.03.2016 | 13:44

Warum ist das so,

dass getan wird, als wären Europa und andere Industrie- oder Dienstleistungsgesellschaften von der Fragmentierung und Aufhebung des Staates ausgenommen? Solche Analyserichtungen kommen mir wie ein rosinenpickerischer Nationalismus vor. Ganze westeuropäische Gesellschaften stehen in der Verantwortung, bei failed state konstatiert man hingegen nur eine 'korrupte Elite'. Wieso ist die westeuropäische, pan-us-amerikanische Elite nicht korrupt und westliche Gesellschaften mehr in der Lage, die Situationen zu beeinflussen? Gerade die Kriege der letzten 20 Jahre haben doch gezeigt, dass über jedwede Gesellschaft mit Brachialität hinweggegangen wird. Was genau konnten die westlichen Gesellschaften gegen die Imperialisten, die Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien etc. bombardierten konkret ausrichten?

Kausal ist nachvollziehbar, dass die massiven 'Verheerungen' in afrikanischen und Nah-Ost-Staaten zu Massenfluchten führen, auch die Beteiligung der westlichen Wertegemeinschaft daran. Und man versteht die Menschen, warum sie weg wollen. Aus dieser Perspektive ist nachvollziehbar, den Westen als paradiesischen Hort wahrnehmen zu wollen.

Doch als eine zentrale Angst, unbewusst, wenig artikulierbar, würde ich vielmehr sehen, dass der Europäer dies durch die Fluchten auch in sein Land/ seine Region als potentielles Ereignis (der Weg zum failed state, anschaubar in failed-Kiezen) viel häufiger um sich herum befürchtet. Im Prinzip ist die Krisentheorie eins zu eins eine Frau-Merkel-und-ihr-Netzwerk-Politik/ Strategie. Wenn Krise nicht gerade aktiv produziert wird, wird sie weidlich für die schnelle Entscheidung zum Umbau der Gesellschaft benutzt. Staat wird in Form von Rechtsbruch permanent abgebaut.

Begleitet wird sie von Medien, die dann die Security in Asylheimen als Hort der Abgehängten ausmachen. Die Abgehängten aus Koordinaten xy treffen auf die Abgehängten aus Koordinaten z0.

Lethe 21.03.2016 | 14:49

Selbst wenn das genau so der Fall sein sollte - was ich Ihnen glauben kann oder nicht - ergeht man sich damit in einer psychologisch äußerst problemunbewussten Öffentlichkeitsarbeit. Die stets ungeheuer tiefgründige Theorie hinter den Reizworten verschwindet hinter den Reizworten. Und wenn Sie an die einschlägigen Versuche in China, Kambodscha oder Nordkorea, zwischenzeitlich auch in Vietnam, denken, bei denen es sehr wohl um die Abschaffung auch des echten Privateigentums ging/geht, dann stimmt Ihre Aussage ohnehin nicht.

Lethe 21.03.2016 | 15:59

Betrachten wir die Gier als Antriebskraft der Vision auf dem Mars zu landen.

Und die Menschenwürde als Antriebskraft der Vision zur sozialen Gerechtigkeit.

Die beiden Sätze befinden sich nicht auf Augenhöhe. Die Marslandung wird kommen wie das Amen in der Kirche, soziale Gerechtigkeit wird für alle Zeiten eine Phantasmagorie bleiben, zumindest wenn Luhmann recht behält und keine zusätzlichen Einflussgrößen auftauchen, die seine Systemanalyse in Frage stellen könnten.

Gemeinsam können wir das schaffen.

Wir? Wir 6,5 Milliarden harmlos Aufbegehrende?

Die kapitalistische Moderne gibt uns vor ...

Ja und? Wo finden Sie da Hoffnung?

Ich halte es für notwendig u. realisierbar, einem autonomen Land seine autonomen Entscheidungen zu garantieren.

Wer? Wer stellt Notwendigkeit fest? Wer realisiert? Wer garantiert?

Und wer leistet Gegenwehr?

Aber merkwürdig, wie sich die Dinge umkehren^^ früher galt der Internationalismus als Königsweg der sozialistischen / kommunistischen Internationale. Heute sollen es wieder Nationen richten? Noch dazu autonome? Sehen Sie irgendeines außer den USA, teilweise China, ein bisschen Indien, ein bisschen Saudi-Arabien, ein bisschen Canada und ein bisschen Russland? Und wo wäre Autonomie etwas wesentlich anderes als überlegene Militärmacht?

Warum wäre Kuba dann von wem isoliert worden?

Falsche Frage. Richtige Frage: Warum war Kuba denn seit dem Zusammenbruch des Ostblocks faktisch mehr oder weniger isoliert? Und wenn schon das bisschen kubanischer Sozialismus zur Isolation reichte, wie sollte dann eine wirklich verwirklichte Autonomie kommunistischer Prägung die Isolation überwinden? Wenn Kuba aufmuckt, machen die USA das Land wieder dicht, so einfach ist das. Just another failed state, oder glauben Sie, man hätte bei Kuba mehr Skrupel als in Libyen oder im Irak? Und womit? Nicht mit Recht und nicht aufgrund der überlegenen Theorie, nein, aber aufgrund überlegener Militärmacht.

Ratatörskr 21.03.2016 | 18:57

Sie haben ein merkwürdiges Leseverständnis. Ich formulierte zwei selbstständige Aussagen, die Sie durchaus auf einen Nenner bringen können, wenn Sie davon ausgehen, dass beide Ziele nur in einer gemeinsamen Anstrengung der Menschheit möglich sind. Dann geht es um die Antriebskraft und nicht um die Vision. Weder sind die Menschen eine Vision , noch die Menschenrechte noch der Planet.

Wenn Sie mir eine falsche Frage unterstellen, geht das nicht mit einer inhaltslosen Gegenfrage, diese muss schon begründet werden.Für Russland ist Kuba ein Partnerland. Fakt ist, dass Kuba von den USA Jahrzehnte wirtschaftlich stranguliert wurde. Dabei sollten Sie mir eine nachvollziehbare Erklärung liefern. Wie soll ich diese verworrene Frage verstehen?

"Und wenn schon das bisschen kubanischer Sozialismus zur Isolation reichte, wie sollte dann eine wirklich verwirklichte Autonomie kommunistischer Prägung die Isolation überwinden?"

Dieses "bisschen kubanischer Sozialismus"brachte den pol. Blutdruck dieser Großmacht USA fast zum kollabieren! Und was sollte autonomo Staaten daran hindern, aus guten Gründen friedliebende Partnerländer zu sein? Stellen Sie sich diese Frage im Hinblick auf die westlichen Freunde doch mit Saudi Arabien, IS u. a., deren Geschäftsverbindungen und Abhängigkeiten weitaus heftiger weniger friedfertig agieren. Bewerten Sie die weltpoltischen Fakten und Sie wissen es dann.

Vieles könnten sie bereits verstehen, wenn Sie in der Historie zurückblicken.

iDog 21.03.2016 | 20:08

"Wer in diesem Zusammenhang "wir" ist fragt man sich."

Bei Philosophens zu Hause sind "wir" immer die Menschen. :-)) wer sonst? Wussten sie das nicht?

Und was die Alternative zur Integration angeht, von der keiner weiß was es sein könnte, in das man integriert werden soll oder integrieren will - vielleicht das unmenschliche und gewalttätige Heuchlertum des mammongläubigen Westens? ..., so ist das sicher einfach nur das praktische Gegenteil , das es immer schon gab , das immer wie von selbst funktionierte, dessen Rrgebnisse wir jeden Tag sehene können , wenn wir wollen und historisch goutieren und anerkennen: das zu erst wohlwollende Nebeneinander und dann sich langsame Vermischung der Kulturen. Kann man wirklich überalle betrachten , selbst da wo es ideologisch nicht gewollt wird, und nie verhinderen, seit immer.

Montaine Duvall 21.03.2016 | 21:37

Ein bisschen naiv ist die öffentliche Diskussion und Empörung schon bei diesem Thema.

Ich und andere haben vor 25-30 Jahren eine Flut von Armutsmigranten für die Zukunft gesehen.

Das war optimistisch, denn die Kriegsflüchtlinge und Klimaflüchtlinge waren da noch nicht dabei.

Wir sind gerade dabei einen kleinen Probelauf zu machen für die kommenden Völkerwanderungen. Und wir haben beim Probelauf schon versagt.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2016 | 23:32

„Westlicher Todestrieb“

Wir Europäer müssen uns an Flüchtlingsströme gewöhnen, sagt der Philosoph Alain

Opa müssenmuss ist einfach out.

Es wird um Lernen gehen in einer Welt, die alles zu wissen scheint.

Überlassen wir die Welt also nicht einfach so jenen, die Antworten auf Fragen, die noch niemand gestellt hatte.

Lassen wir uns also qua nix danix einfach nicht mehr überrumpeln!

mymind 22.03.2016 | 00:22

Sicherlich verstehen etliche Regierungen & deren elitäre Politiker unter Integration die Eingliederung in das unmenschliche und gewalttätige Heuchlertum des mammongläubigen Westens. Nur gibt es da eine weitere Ebene, die das gesellschaftliche Miteinander betrifft & die MM nach ohne Integration auch kein wohlwollendes Nebeneinander ermöglicht & erst recht keine kulturelle Vermischung & Bereicherung. Es gab ja diese Erfahrungen & es gibt sie noch immer _ nur findet parallel ein Rollback auf allen Seiten statt, was auch ein absolutes Versagen dieser europäischen Demokratien, ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik & demzufolge des absolut mangelnden Engagement für ein solidarisches & multikulturelles Miteinander darstellt _ selbst innerhalb der europäischen Community.

Was Badiou über den Hintergrund, der zu Nihilismus & Aggression neigenden muslimischen Gewalttäter sagt, kann geradezu 1:1 auf die rechtsnationalistischen bis faschistischen Gewalttäter übertragen werden. Fanatismus ist meistens eine Reaktion auf Minderwertigkeitskomplexe, deren Protagonisten sehr empfänglich für faschistoide Ideologien sind. Die o.g. sind nur die Spitze des Eisberges. Selbst im sog. linken DFC ist anhand diverser Blogs & Kommentare nachlesbar, auf welcher Seite im Zweifelsfall Hirn wie Herz ticken & wie wenig die Verfasser sich ihres Rassismus & davon geprägten Weltbildes bewusst sind...

iDog 22.03.2016 | 00:58

ja da magst du Recht haben, vor allem im 2. absatz ... was die "Integrationspolitik" angeht, meinte ich mich auf längere Zeiträume zu beziehen, so etwa 3 Generationen, dann redet normalerweise keine mehr von "Integration" sondern man weiß selber fast nicht mehr wo man her stammte, es ist eine neue gemischte Kultur entstanden... siehe zB mitteleuropäische Geschichte seit ... nein, das gibt es eben nicht nur in den Amerikas. Aber es funktioniert heute nicht mehr , warum nur?

Es ist nur die eweige "Teile und Herrsche" Politik , auf die nun wieder besonders gerne die Rechten hereinzufallen scheinen inklusive deijenigen , die noch gar nicht wissen wie rechts sie sind ... die Ärmsten , die haben nix anderes ... oder?

wenn diese herrschaftliche Rassismus-Propaganda wegfiele (konjunktiv, denn sie fällt erst mit der Herrschaft) , dann wäre Integration nicht mal ein Thema. Vermischung ist Lebensprinzip.

Und wenn wir das dann auf deinen letzten Satz beziehen, dann ist Integrationspolitik Rassismus, nur politisch korrekt ausgedrückt ... erst diese formuliert und konfirmiert wohlmöglich den eventuellen Ausschluss aus der "feinen" Gesellschaft , die eben jede Menge Feinde braucht, um ihre Gewalttätigkeit pseudolegitimieren zu können ....

Lethe 22.03.2016 | 10:16

Nach Ihrer Lesart ist nichts von dem, was sie schreiben, eine Vision, Sie halten es ja für realisierbar. Vielleicht ist es ja wirklich nur eine Frage der Lesart, aber wenn Sie schreiben

Gemeinsam können wir das schaffen. [...] Ich halte es für notwendig u. realisierbar, einem autonomen Land seine autonomen Entscheidungen zu garantieren.

dann sehen Sie etwas, das ich nicht sehe. Wenn der eine etwas sehen kann, der andere nicht, ist das (je nach Kontext) eine Vision.

Nein. Wir können es nicht schaffen, da die Gemeinsamkeit nur hypothetisch existiert, nicht real. Wie Sie diese gemeinsamkeit faktisch herbeiführen wollen, wäre eine der Problemstellungen, nach denen ich gefragt habe. Und es ist nicht realisierbar, weil eine Garantie eines Garantiegebers bedarf, wofür wieder nur eine ausreichend mächtige Macht in Frage kommt. Die ist aber selbst ein Spieler mit Partikularinteressen.Wie Sie Mächtige dazu bewegen wollen, sich ihrer Macht nicht zu bedienen, sobald diese Partikularinteressen bedroht sind, wie Sie das ganz praktisch und realistisch machen wollen, wäre eine der anderen Problemstellungen, nach denen ich gefragt habe. Darauf haben Sie nicht im geringsten geantwortet. Immer nur wenn ... dann, und könnte und müsste, unter konsequenter Ignoranz gegenüber dem Wie?.

Es gibt dafür keinen mathematisch sicheren Beweis, insofern braucht Sie diese meine Meinung nicht dabei zu stören, es immer weiter zu versuchen. Ich warte dann einfach mal ab, was Sie zustandebringen.

Comparse 22.03.2016 | 12:40

Nein. Wir können es nicht schaffen, da die Gemeinsamkeit nur hypothetisch existiert, nicht real.

Wenn ich so etwas lese, das anfängt mit "Nein, wir können das nicht..." muss ich immer an meinen Vater denken, der des öfteren zu mir sagte: Geht nicht, gib`s nicht.

Alle Völker dieser Welt haben sehr wohl Gemeinsamkeiten:

Alle gehören der Gattung Homo sapiens an.

Alle streben nach Glück und Zufriedenheit.

Was aber macht tatsächlich ein geglücklichtes und zufriedenes Leben aus?

DARÜBER gilt es nachzudenken und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Denn wie sagte Ghandi schon sehr richtig: Die Welt hat genug für jedermann - aber nicht für jedermanns Gier.

Lethe 22.03.2016 | 12:47

Nun, eine Weile wurde sogar versucht, das Konzept der Familie aufzulösen, zumindest in China und Kambodscha. Und in fast allen diesen Ländern wurde versucht, alles an Privateigentum vorzuenthalten, was über die Notwendigkeiten zu elementarem Funktionieren hinausging. Einen Sozialismus oder Kommunismus, der in irgendeiner Weise soziale Großzügigkeit für alle gekannt hätte, war/ist für mich jedenfalls nicht erkennbar. Das schließt Kuba ein. Funktionieren, das ja, das wurde gesichert. Mehr nicht.

Lethe 22.03.2016 | 12:52

DARÜBER gilt es nachzudenken und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zustimmung. Und wo sehen Sie, dass genügend viele Menschen in relevanter, das heißt in substantielle Veränderungen erzeugender Weise über diese Dinge nachdenken? Auch Sie bleiben beim Appell und den Rest machen die Mächtigen dieser Welt unter sich aus.

Die Welt hat genug für jedermann - aber nicht für jedermanns Gier.

Das ist auch nicht notwendig. Es reicht für die Gier der Mächtigen. Das war das, was Gandhi nie akzeptieren wollte und woran er letztlich scheiterte. Die Antworten auf die Gier der Mächtigen sind seither nicht effektiver geworden.

anne mohnen 22.03.2016 | 19:55

- „Ja, die Rolle des globalen Kapitalismus ist hier zentral. Er offenbart eine neue Form des Imperialismus, eine neue Form des Kampfes um Rohstoffe und Ressourcen.“ In Bezug auf die Syrer ist das Quatsch!

- Das Gerede von „subjektiv versus objektiv“, greift schon lange nicht mehr.

Der Verweis auf Frankreichs Migranten aus der Maghreb als Beispiel gelungener Integration – ein schlechter Witz.

4711_please 23.03.2016 | 10:56

Die Forderung nach Integration sehe ich ebenso kritisch. Denn wie das Beispiel der gescheiterten jüdischen Integration in die deutsche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts genauso zeigt, wie das Beispiel der gescheiterten Integration von Sinti und Roma, die ja immerhin bereits seit Jahrhunderten auf deutschem Boden leben, ist die Anpassung an das westliche bürgerliche (Mittel-)Maß - neben den Bauchschmerzen hinsichtlich ihrer Werte - kein Erfolgsmodell. Bei der Integration gibt es immer diejenigen, die sich integrieren und diejenigen, in deren Wertesystem integriert wird. In Deutschland liegt der Schwerpunkt des politischen Integrationsdiskurses auf der Seite der Migranten, quasi als Bringschuld.

Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen der französischen und deutschen Sichtweise der Integration. In Deutschland bedeutet Integration in erster Linie ein Spracherwerb, denn den Deutschen ist es fremd, wenn Menschen unter ihnen leben, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse keine Eigenständigkeit im Alltag und im Job am Wohnort erreichen können. Diese Probleme sind Frankreich eher unbekannt, sprechen viele Migranten doch schon von Haus aus häufig französisch. Die Forderung, dass Menschen dort die Sprache erlernen, wo sie als gewöhnliches Kommunikationsmittel ihres geografischen Lebensmittelpunktes dient, halte ich nicht für abwegig. Spracherwerb halte ich nicht per se für eine Anpassung an das Wertesystem der Mittelklasse und ich vermute mal, Alain Badiou würde es ähnlich sehen, wenn die Migranten in Frankreich kein französisch sprechen würden.

Reinhold Schramm 23.03.2016 | 11:38

"Bringschuld" ist wie eine Luftblase.

Wichtig wäre eine -erkennbare- lebenswerte und soziale Perspektive für die Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft. Die Bereitschaft der Mehrheitsgesellschaft zur Hilfe und Aufnahme. Allerdings, in einer Gesellschaft in der der Hartz-IV-Strafvollzug für Millionen Erwerbstätige -bei Arbeitslosigkeit- toleriert wird, wurde der Humanismus der bürgerlichen Aufklärung bereits zuvor über Bord gespült.

Ratatörskr 23.03.2016 | 13:54

Machen wir doch nicht aus einer Mücke einen Elefanten. "Gegebenheiten" sind Fakten und können gesehen oder übersehen werden, nicht als Visionen. Wo fragen Sie nach "realistischen Optionen"?

Ich finde Ihre Ausführungen ziemlich wirr und offenbar auch nicht unbedingt in Kenntnis der Wortbegriffe.

Musterbeispiel Ihr folgender Satz:

"Heute sollen es wieder Nationen richten? Noch dazu autonome? Sehen Sie irgendeines außer den USA, teilweise China, ein bisschen Indien, ein bisschen Saudi-Arabien, ein bisschen Canada und ein bisschen Russland? Und wo wäre Autonomie etwas wesentlich anderes als überlegene Militärmacht?"

Was wollen Sie denn sagen, dass nur "überlegene Militärmächte" autonom sind? Sie schreiben damit nichts anderes, als dass Militärdiktaturen autonom sind! Dabei bekommen denkende Foristen Pickel.

Nordlicht 23.03.2016 | 21:51

Er gilt als führender Vertreter des Neo-Kommunismus.

Nach den vielen Spielarten, von Lenin über Stalin zu Mao zu Pol Pot - hat da also jemand den Mut oder die Unverschämtheit für eine weitere Spielart. Vielleicht gibt es Anregungen aus den verbliebenen kommunistischen Staaten Nordkorea oder Kuba?

Kommunismus nein Danke, auch nicht mit Neo-.

So wenig wie wir einen Neo-Faschismus brauchen.

Comparse 24.03.2016 | 08:37

Ich erkenne an Ihren Antworten, dass Sie - wie übrigens ich auch - nah dran sind, an uns Menschen zu verzweifeln.

Und ja, oftmals bleiben uns nur Appelle an die Vernunft und das Mitgefühl gegenüber unseren Mitmenschen.

Wichtig ist bei allen Appellen - auch wenn viele verhallen - dass wir uns selbst in unseren Worten und Taten rein halten und so ein Vorbild für unsere Mitmenschen bleiben.

Und für mich ist eines sicher - das verlange ich aber nicht von Ihnen, das ebenfalls zu glauben -: Mit dem Tod ist für uns nichts vorbei, sondern wir gehen in eine andere Form der Existenz über.

Platon sagte: Das Leben ist wie ein Schlaf, der Tod aber das Erwachen.

Lethe 24.03.2016 | 09:28

Wie sagte ein mittlerweile verstorbener Freund immer? "Es gibt zwei Arten von Zynikern. Beide Arten wissen um die Bedingtheiten der Menschen. Die eine Art nutzt dieses Wissen zur Durchsetzung ihrer Partikularinteressen aus, die andere Art verzweifelt daran." Ob es eine dritte Möglichkeit gibt, weiß ich nicht, jedenfalls fehlt mir langsam aber sicher die Kraft dafür, die Dinge freundlich umzudeuten, nur damit Träumer ungestört weiter träumen können. Dass der verzweifelte Zynismus gewisse Ähnlichkeiten mit dem kalten Zynismus hat, tut mir leid, ist aber nicht zu ändern. Wer verstehen will, kann trotzdem verstehen, aber ich zwinge niemanden dazu.

Moorleiche 24.03.2016 | 10:00

Hallo Lethe.

Ich lese das, was Du schreibst zunehmend mit einer Mischung aus Bedauern und Entsetzen.

Ich habe schon einen Sinn dafür, dass man so denken kann, aber ich möchte davor warnen, private Gefühlslagen zur Ideologie auszuweiten, das ist noch nie gut gegangen. Es ist maximal monothematisch immer und überall auf die Machtfrage hinzuweisen und darauf, dass das ja sowieso alles nichts bringt. Es gibt gute Gründe dafür, dass der Ausbruch aus dem Lager des nur biologisch Regulierten absolut nichts bringt, vor allem im Hinblick auf die Machtfrage. Man stelle sich vor, buchstäblich alle um einen herum ticken anders, keiner spielte mit als der erste Primat entdeckte, dass er auch anders kann, als immer wieder mal sein imaginierendes Ich aufflackerte.

Ist ja nicht so, dass das alles nicht schon unübertroffen dargestellt worden wäre.

Ratatörskr 24.03.2016 | 13:24

Eher gewinne ich den Eindruck, dass Sie den Sinn der Wortbegriffe nicht verstehen. Formalien sind nicht die Inhalte der festgeschriebenen Gesetze und Verträge. In welcher Kategorie diskutieren Sie hier? So würden Sie z. B. einen Mord als eine verbotene Tat gegen den Sachverhalt einer Formalie bewerten. Immerhin eine Tat gegen ein gesetzliches Verbot, dass nach Ihrem Wortbegriff nur eine Formalie ist?

Im Klartext Ihrer Vorstellung von Macht u. Machterhalt genügt die Willkür. Recht u. Gesetz sind Formalien. Wenn die Völker nicht mehr mitmachen, sind sie aber verbrecherische Revolutionäre. Und völkerrechtswidrige Kriege ( das sind Kriege in aller Regel) dienen dem Machterhalt. Und Schluss mit Lustig, dann ist der Machterhalt reale Gewalt über Erhalt.

Ratatörskr 25.03.2016 | 08:31

Da bin ich misstrauisch, einerseits weil mein Wirtschaftswissen nicht ausreicht und andererseits, weil mich diese Anleihen an die Fugger erinnern, die damals schon den Staat so finanzierten. Kriegsanleihen schönen auch nicht. Und dann könnte ich mich diesem Anleihengeschäft nähern, wenn z. B. die festgelegten Zinsen zu versteuern wären und wenn beim Zusammenbruch des Staates nicht zuerst diese Gläubiger Vorrang hätten. Weil, so verstehe ich das, sich der Staat jeden Blödsinn erlauben kann und die Gläubiger risikofrei agieren?

Außerdem verstehe ich Schäubles selektiven Geiz nicht. Er belegt m. E., dass er dem Geldkreislauf des Binnenmarktes vorhandene Gelder vorenthielt, die im sozialpolitischen Bereich riesige Lücken verursachten, zum Nachteil der nicht anleihenstarken Bürger, die Armen u. Schmarotzer genannten, die er auch jetzt nicht ausfüllen will.

Der Staat könnte also auch Anleihen für den Arbeits-, Renten- u. Gesundheitsmarkt ausgeben. Würden dann nicht die Gläubiger an ihre eigene Haut denken und den Arbeits-, Renten- und Krankenmarkt im Eigeninteresse erhalten müssen.?

Wenn Schäuble den prallen Geldsack für Flüchtlinge öffnet, hat er an seinen Profit gedacht. Mehr Menschen multiplizieren die Verhältnisse in gleichem Maße, finanziell und sozial. 100 % bleiben eben 100 %.

Noch eine Frage: Der Staat druckt ja nicht im eigenen Keller die Zertifikate, wie zahlt er jeden "Heller" zurück? Wie in Griechenland bei uns mit dem Verkauf des Rheins, der Mosel etc.? Ja gut, wir haben auch ein paar schöne Inseln. -;)