Was die Reichen alles dürfen

Geld Die Springer-Erbin Friede Springer schenkt dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner ein Vermögen. Steuern wird er darauf so gut wie keine Zahlen müssen
Ausgabe 40/2020
Reichtum schweißt zusammen: Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner (r.) und Erbin Friede Springer
Reichtum schweißt zusammen: Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner (r.) und Erbin Friede Springer

Foto: Future Image/Imago Images

Hierzulande hat in der vergangenen Woche kaum eine Zeitung die Gelegenheit ausgelassen, sich darüber zu empören, dass der Präsident der USA über ein Jahrzehnt hinweg so gut wie keine Einkommensteuer gezahlt hat. Woher nur kommt diese so überraschte Empörung? Steuervermeidung ist von jeher ein Privileg der besitzenden Klassen, bei Weitem nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Deutschland. Während die unten meist daran gewöhnt sind, sich durchleuchten zu lassen und mit Ängsten vor Ämtern zu leben, können die oben sich teure Beratung leisten, um meist sogar legal die Steuerschuld auf ihre eh schon großen Einkommen und Vermögen zu mindern.

Jüngstes Beispiel hierfür dürfte Friede Springer sein, Erbin des gleichnamigen Konzerns. Sie hat ihrem Nachfolger, dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, 15 Prozent der Unternehmensaktien geschenkt; deren Wert dürfte bei einer Milliarde Euro liegen. „Selbst in den USA, wo Topmanager wie Ex-T-Mobile-Boss John Legere (62) über 60 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen, wäre eine solche Summe extrem“, stellte sogar das Manager Magazin fest. Extrem ist aber auch, dass Mathias Döpfner darauf wohl so gut wie keine Steuern bezahlen wird.

Da Döpfners Privatvermögen kleiner ist als der Steuerbetrag, der zu bezahlen wäre, kann er beantragen, keine Steuern zu bezahlen. Das ist, vereinfacht gesagt, der Grund dafür. Würde ich selbst versuchen, mit einem ähnlichen Trick bei meiner Steuererklärung durchzukommen, wäre mein Scheitern vorprogrammiert.

Veranschaulicht hat diese mögliche Begünstigung Döpfners der Linken-Finanzexperte Fabio De Masi, seine Serie von erklärenden Tweets bei Twitter sollte jede und jeder lesen. De Masi betonte auch, seine Partei fordere „die Abschaffung der Privilegien für die Übertragung von Unternehmensvermögen“. Bei Reichen und ihren schier endlosen Möglichkeiten, Geld verschwinden zu lassen, helfen solche Versuche der Regulierung und Umverteilung allerdings auf lange Sicht nicht. Es gilt, nicht einfach Privilegien abzuschaffen. Wenn, dann muss Reichtum an und für sich abgeschafft werden.

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