Weniger abnehmen. Mehr kämpfen. Gegen Amazon!

Vorsätze Warum nicht 2020 mal etwas für mehr Gerechtigkeit tun?
Ausgabe 02/2020
Symbolischer Protest des Bündnisses „Berlin vs. Amazon“
Symbolischer Protest des Bündnisses „Berlin vs. Amazon“

Foto: Imago Images/Christian Mang

Wie ist das eigentlich bei Ihnen: Sind Sie mit Ihren guten Vorsätzen schon durch? Oder fangen Sie grade erst an? In beiden Fällen würde ich gerne einen obendrauf legen: Was halten Sie davon, wenn wir uns zusammen Amazon entgegenstellen? Klar, mehr Sport treiben, weniger Stress, gesünder essen, weniger rauchen, das wäre schon was. Aber warum nicht etwas ändern, das unser aller Leben nicht nur besser macht, sondern auch Schlimmeres verhindern würde?

Nehmen Sie die zahlreichen Arbeiter*innen bei Amazon, die seit Jahren gegen die Arbeitsbedingungen streiken: Die werden überwacht, unter Druck gesetzt, sind psychisch und physisch am Ende. Und bald nicht mehr nur sie: Wenn man ein Logistiklager besucht, trifft man haufenweise mittelständische Unternehmen, die vom „Erfolg“ des Versandhändlers lernen wollen. Da sich ebendieser Erfolg im Wesentlichen auf die Gängelung der Arbeiter*innen gründet, bedeutet Amazon zu stoppen auch, der Ausweitung der Überwachung und Zwangsoptimierung an anderen Arbeitsplätzen Einhalt zu gebieten. Wenn Sie also das nächste Mal von einem Streik bei Amazon in Ihrer Nähe hören, fahren Sie doch hin und fragen Sie, wie Sie helfen können – oder bringen Sie warmen Tee vorbei!

Nun ist Amazon schon lange mehr als nur ein Buchversand und Logistikhändler. In Berlin plant das amerikanische Tech-Unternehmen den Einzug in ein Hochhaus im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg. Arbeiten sollen dort hochdotierte Programmierer*innen, von denen viele noch gar nicht in Berlin leben. Das ist eine frohe Botschaft für Immobilienspekulanten, die wissen, dass gut bezahltes, internationales Personal bereit ist, horrende Mieten zu zahlen. Und eine schlechte Nachricht für die Menschen, die jetzt schon keine bezahlbare Wohnung mehr finden, wie junge Familien und alte oder kranke Menschen. In Berlin hat man Google vertrieben, allerdings ist Amazon im Gegensatz dazu schlechte Presse erst mal egal. Es wird also ein harter Kampf.

Sie wohnen nicht in Berlin? Die Auseinandersetzung sollte Sie trotzdem interessieren. Deutsche Firmen beobachten ganz genau, wie Amazon, Google, Zalando sich weltweit öffentlichen Raum aneignen und zu ihrem Spielfeld machen. Fragen Sie mal die Menschen in Erlangen, wo Siemens einen „Campus“ nach amerikanischem Vorbild gebaut hat, wer bei der Vergabe von Wohnraum bevorzugt wird. Siemens-Mitarbeiter*innen natürlich!

Also, wie wäre es damit als gutem Vorsatz: 2020 gemeinsam kämpfen, gegen Amazon & Co. Ist auch nicht so einsam wie eine Diät! Und am Ende hoffentlich erfolgreicher.

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