Das Leben ist eine Autofahrt

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ob Philipp Poisel jemals ein Herbert Grönemeyer werden wird? Ich wage es zu bezweifeln, besser gesagt: ich hoffe es nicht. Als er 2008 sein erstes Album „Wo fängt dein Himmel an?“ beim Label Grönland Records von Grönemeyer veröffentlicht, glauben viele an einen würdigen Nachfolger für den Bochumer. Doch dieser Philipp Poisel ist mehr als eine Grönemeyer-Kopie. Er läuft seinen eigenen Weg, wenn’s sein muss auch „Bis nach Toulouse“ – so wie es der Titel seines neuen Albums besagt. Schon bei den ersten Tönen möchte man ins Auto springen und Gas geben, ganz weit weg fahren. An den Erfolg des ersten Albums anzuknüpfen schien eine kaum lösbare Aufgabe zu sein, doch Poisel schafft es auf seine leise und unspektakuläre Art.

In den neuen Songs outet er sich als ein Reisender der nie zur Ruhe kommt, es zuhause in Stuttgart nie lange aushält, in keinem Hafen aufwacht in dem er am Vortag angekommen ist und für den die Freiheit unterm Himmelszelt über allem steht. Mit seinen Texten erinnert er uns an eine Frage: Wo wollen wir im Leben hin? Immer auf der Suche nach Liebe, Heimat, dem Sinn des Lebens? Diese Suche, die Zerrissenheit zwischen Bleiben und Gehen, Stillstand und schwindeliger Achterbahnfahrt – das ist das Leben von dem Poisel singt. Zwar sind die Songtexte alle ein wenig romantisiert, dennoch immer mit Ernsthaftigkeit. Klar, ist es ein bisschen viel Liebesduselei wenn Poisel seine Gitarrensaiten zupft und dabei von der Liebe seines Lebens singt, aber ihm verzeiht man es, weil er einen berührt mit seiner Stimme und der undeutlich, schön nuschelnden Aussprache.

12:47 02.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nina Draxlbauer

Freie Journalistin Österreicherin, lebt in NRW
Schreiber 0 Leser 0
Nina Draxlbauer

Kommentare