Innovation Lab Print HMS: Süddeutsche Zeitung - ein sinkendes Schiff?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Im Rahmen des Innovation Lab Print an der Hamburg Media School beschäftigte sich unsere Gruppe mit der Süddeutschen Zeitung und ihrem Onlineangebot. Wie kann man Synergien besser nutzen und das klassische Dilemma – sinkende oder stagnierende Auflagenzahlen der Printausgabe und defizitäres Onlineangebot lösen?

Der Status Quo der Süddeutschen Zeitung ist nicht sonderlich innovativ. Hauptansatzpunkt unserer Kritik ist, dass sich das Online-Angebot unter www.sueddeutsche.de von den Mitbewerbern nur geringfügig unterscheidet. Die SZ verfügt im Internet über kein Alleinstellungsmerkmal. User generated Content wird über jetzt.de nur geringfügig eingebunden, die Community süd-café ist nicht prominent auf der Webseite positioniert.

Zwar bietet die Süddeutsche ihre Printausgabe auch als E-Paper im Abonnement an, die Nutzerzahlen bewegen sich aber in einer verschwindend geringen Dimension. In den sozialen Netzwerken Facebook und MeinVZ / StudiVZ ist die Süddeutsche jedoch prominent vertreten. Ebenfalls zum Angebot gehört ein RSS-Feed, dass Nutzer kostenlos abonnieren können, um so stets die neusten Schlagzeilen auch auf ihren mobilen Endgeräten zu erhalten. Kostenpflichte iPhone-Applikationen nach dem Vorbild von BILD Mobile sind in Vorbereitung.

Süddeutsche Online übernimmt Texte aus der Printausgabe, stellt diese jedoch häufig erst am Tag des Erscheinens der Printausgabe ins Netz. Hierbei sind der Gruppe mehrere Probleme aufgefallen. Zum einen krankt die Integration des Online-Angebots am traditionellen Selbstverständnis der Printjournalisten. In vielen Verlagen wird die Online-Redaktion noch stiefmütterlich behandelt, viele Redakteure weigern sich schlichtweg ihr Material den Kollegen zur Verfügung zu stellen oder ihre Artikel selbst online zu veröffentlichen.

Die Printausgabe der SZ selbst ist wenig innovativ, hier wurde in der Gruppe kontrovers die Einführung einer zusätzlichen Kompaktausgabe im Tabloid-Format diskutiert. Ein Vorteil bestünde in der Möglichkeit ein junges Publikum an Qualitätsinhalte heranzuführen. Die Printauflage der Süddeutschen ist jedoch, im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen selbst in der Krise noch stabil. Um dennoch dem Dilemma der Stagnation und der schwachen Präsentation im Internet zu entkommen, hat die Gruppe einige Lösungsvorschläge erarbeitet. Neben der Einführung eines möglichen Kompaktformates, sollte auch innerhalb der Redaktion eine Umstellung erfolgen.

Internet- und Printredaktionen sollten viel enger zusammenarbeiten und über eine
gemeinsame Kritikkultur die Qualität beider Angebote verbessern. Zusätzlich sollte das Online-Angebot der SZ neugestaltet werden. Zum einen sollten mehr multimediale Inhalte wie Videos Einzug auf süddeutsche.de erhalten, zum anderen sollten prominente Autoren wie Hans Leyendecker oder Heribert Prantl öfter ihre Artikel, möglicherweise auch exklusiv, online veröffentlichen. Über eine meinungsbetontere Darstellung können die Nutzer der Online-Seite in einen Diskurs einbezogen werden. An dieses Argument schließt ein weiterer verbesserungswürdiger Punkt an: Der Dialog zwischen Redaktion und Lesern muss, unserer Ansicht nach, erhöht werden. Inhalte der Nutzer sollten stärker integriert werden. Um besser für die Zukunft gerüstet zu sein, sollte auch über alternative Finanzierungsmodelle nachgedacht werden. So könnte man das SZ-Magazin als eigenständiges Magazin vertreiben oder kostenpflichte Seminare und Coachings für SZ-Leser anbieten.

Gruppe Süddeutsche: Jenny Bauer, Nina Draxlbauer, Matthias Nedoklan (Text), Marike Anna Stucke und Viktoria Weber

18:58 21.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Nina Draxlbauer

Freie Journalistin Österreicherin, lebt in NRW
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Nina Draxlbauer

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