NinaRäuber

studiert Literaturwissenschaft; will schreiben, wenn sie groß ist; liebt den Freitag als einzige Zeitung gänzlich und lässt sich gern belehren.
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RE: Zerstörter Glaube | 18.09.2012 | 17:07

Ich störe mich ja an dem Wort Antisemitismus in dem Zusammenhang. War das Kopftuch-Verbot denn antimuslimisch? Wenn ich jetzt den Zeugen Jehova verbiete künftig an meiner Türe zu klingeln, ist das antichristlich? Mich stören ja solche Bezeichnungen immer immens, ich halte das für eine unmögliche Abschreckung. Man kann über religiöse Dinge gar nicht mehr sprechen ohne gleich ANTI-SOMETHING zu sein, ohne dass man als Deutscher gleich wieder antisemitisch ist, ohne dass irgendwo wieder ein wütender Extremist gleich Fahnen verbrennt usw. Das ist für mich eine unerhörte Einschränkung meiner Meinungsfreiheit. Aber zum Thema:

Es geht doch nicht um das generelle Verbieten einer religiösen Tradition, sondern vielmehr um die Regelung dieser Tradition. Und ich finde das ganz richtig. Der deutsche Staat ist ein säkularisierter und kann ergo in seinen grundsätzlichen Gesetzen keine Ausnahmen machen für spezielle religiöse Praktiken.

Krass gezeichnet: Wenn ein Angehöriger des Mola-Mola-Glaubens auf der Insel Mola Mola Kinderblut trinkt, kann er das in Deutschland eben nicht - Religionsfreiheit hin oder her - einfach weil deutsches Gesetz das Trinken von Kinderblut auf irgendeine Weise verbietet - für Religion kann da keine Ausnahme gemacht werden und darf auch nicht. Das ist eben Säkularisierung.

(Wehe es polarisiert jetzt jemand, dass ich jüdische Beschneidungen mit molamolaischem kinderbluttrinken gleichgestellt hätte, es handelt sich um ein hypothetisches Krass-Beispiel.)

Wenn also manche Arten/Durchführungen von Beschneidungen dem deutschen Gesetzgeber aufstoßen, weil sie - was weiß ich, die Gesetzeslage ist mir nicht wörtlich bekannt - gegen das Gesetz der körperlichen Unversehrtheit verstoßen, so ist das für mich etwas, das in aller erster Linie einmal völlig areligiös (NICHT ANTIRELIGIÖS) - eben säkularisiert - behandelt werden muss. Wenn es dem deutschen Grundgesetz widerspricht, muss es verboten oder mit Auflagen versehen werden. Ob das aber schon jahrelang geduldet wird, spielt keine Rolle. Nur weil etwas tradiert ist, - oder eigentlich gerade wenn etwas so tradiert ist - muss es auf seine gesetzliche Richtigkeit untersucht werden können.

Dass das dann als Antisemitismus ausgelegt wird, also als GENERELLE ABLEHNUNG DER JÜDISCHEN MITBÜRGER UND DER JÜDISCHEN KULTUR ausgelegt wird, erscheint mir - mit Verlaub - als kollosaler Schwachsinn.