nipper01

Akademiker im Ruhestand, an Militär, Technik und Politik interessiert.
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RE: Verhinderte Waffenbrüder | 08.02.2013 | 15:03

Natürlich haben wir völlig unterschiedliche Sichten der Dinge: Würde man Ihren Gedanken folgen, hätten Engländer, Franzosen und später die Amerikaner Hitler nicht bekämpfen dürfen. Warum sich gegen Hitler einmischen und einen Krieg beginnen??? "Hitler hat doch nur Polen überfallen und vorher das Sudetenland annektiert, was geht uns (England, Frankreich) das an?" USA ist erst "eingestiegen" als die Japaner sie in Pear Harbour angriffen.

Das zur Geschichte! Dass Mali, Libyen nicht mit Deutschland im 3. Reich vergleichbar sind, stimmt. ABER: auch jetzt kristallisiert sich in der Welt eine radikale islamistische Gruppe (genauer gesagt: viele Gruppen), die uns als "Reiche" in Europa noch zu schaffen machen wird. Jetzt wäre "nur" Mali dran gewesen, die nächsten wären gefolgt (oder folgen noch). Schließlich hat die rechtmäßige Regierung Malis um Hilfe gerufen (wie damals Polen!), Frankreich hat nicht Mali überfallen sondern die legitime Regierung militärisch unterstützt (bzw. die Kohlen aus dem Feuer geholt)! Würde man Ihren "Gutmensch"-Ideen folgen, würden sich Katastrohen - wie sie in Mali unmittelbar bevor stand - und wie sie heute noch in Afghanistan existent sind - nicht nur vermehren sondern wirklich irgendwann auch uns in Europa bedrohen (in unserer Michel-mentalität). Dennoch bin ich niemals für Krieg - aber ein Einsatz, wie wir ihn diskutiert haben - ist noch lange kein Krieg. Je früher es legitimierte "Interventionen" gibt, um so mehr kann ein wirklicher Krieg verhindert werden.

RE: Verhinderte Waffenbrüder | 08.02.2013 | 13:41

Lieber "Springstein" und "Baszlo" - welch eine Wucht!! Von Deutschland können demnach wieder Gefahren wie vor 80 Jahren ausgehen? Das ist doch nun wirklich weit aus der Mottenkiste vorgeholt! Das glaubt Ihr doch selber nicht!

1. Libyen: Man hätte niemals an einem Kampfeinsatz teilnehmen müssen, wenn man die UN-Resolution mit getragen hätte. (Die deutschen Eurofighter sind zu Missionen wie die englischen gar nicht befähigt! Allenfalls die Tornado). Man hätte aber dann das Personal aus AWAC-Flugzeugen nicht abziehen müssen und durch simplen Schulterschluss die NATO (als ehemals unseren "Friedensicherer") nicht brüskieren müssen. Das war die berechtigte Kritik unserer Nachbarn!

2. Flexibel Transall-Maschinen bereitszustellen, ein Lazarett aufzubauen und die Betankung von französichen Flugzeugen - ohne dieses lächerliche Hick- Hack - durchzuführen, wäre vernünftig (und wird ja von allen relevanten Parteien im Parlament auch befürwortet!). Sind das Kampfeinsätze? Was nicht sein muss, ist dieses lächerliche Gezerre mit der damitverbundenen Zeitvergeudung. Die Betankung brauchen die Franzosen wahrscheinlich gar nicht mehr, da der Einsatz beendet wird, ehe wir vom "TÜV" gekommen sind!

3. Bisher hat Deutschland sich korrekt in anderen Krisen verhalten: Der Einsatz in der z.B. Tükei ist Symbolik, es sei denn es würde tatsächlich eine Flugsverbotszone eingerichtet, denn Angriffe über ca. 100Km in türkisches Gebiet hinein sind unwahrscheinlich. Auch der Einsatz von UNIFIL vor Libanon ist Symbolik! Der Einsatz vor Somalia ist langsam wirksam geworden (ein wenig!), aber wohin mit den Piraten? Asyl gewähren??

4. Bleibt noch Afghanistan: Unsere "Freiheit dort zu verteidigen" beruhte u.a. auch auf der früheren permanenten Weigerung Deutschlands sich in irgendeiner Weise an früheren Einsätzen zu beteiligen, was manchmal sicher richtig war. (Kohl hat es mit Geld versucht). NUR: Hier hat das Parlament zugestimmt - und jetzt planen wir mühsam den Rückzug.

Das Parlament ist demnach auch nicht gerade ein Garant für "Nicht-Einmischung", oder??

Die Dinge sind nicht immer so einfach, dass man mit dem kategorischen "Ohne-mich" Standpunkt vernünftige Politik machen kann. Ab und zu muss man auch mal Farbe bekennen....

RE: Verhinderte Waffenbrüder | 08.02.2013 | 09:14

Schön so viele Kommentare zu lesen: GEGEN etwas zu sein ist immer leicht, für eine Sache zu sein, ist schwieriger: Wenn wir schon in der NATO sind, können wir nicht durch unsere stetigen Selbstzweifel Aktionen, die von EU, UN usw als richtig erkannt werden, blockieren. Die - in der Tat sinnvolle - "EU einheitliche Eingreiftruppe" bremsen wir Deutschen aus! Ob die EU "nationalistisch und kolonialistisch ist", kann man diskutieren - Interessen für uns und unsere Zukunft wahrzhunehmen, ist aber legitim: NASENBÄR sollte aml das Buch von Claus Kleber: "Spielball Erde" lesen, dann würde ihm einiges klarer... Natürlich bin ich nicht für sinnloses Kriegsgeschrei und Aktionismus; ich bin für Vernunft und Verantwortung für unsere Kinder. Es freut mich dass einige (z.B. Wikinger333) das ähnlich sehen. Dennoch - dikutieren wir weiter.

RE: Verhinderte Waffenbrüder | 07.02.2013 | 17:12

Dass Politiker oft zu schnell reden, statt vorher nachzudenken, ist bekannt. ABER: Die Ausbildungsvorhaben für Malia waren bekannt und sind lediglich von der Geschichte "überholt" worden. Wichtiger erscheint, dass es für Fremde (und NATO-Partner) befremdlich erscheinen muss, dass wir die Malia-Aktion zwar mit 3 Transall unterstützen - jedoch nur vom (sicheren?) Senegal aus und auch nur bis Bamako. Weiter trauen sich die Deutschen nicht, da bekanntlich ein Mandat bislang fehlt! (Ein Mandat ist immer dann notwendig, wenn es gefährlich und bewaffnete Einsätze gibt - lt. Verfassungsgericht). Zwar reisen bereits Reporter kreuz und quer durch Malia bis nach Timbuktu; die Bundeswehr darf das natürlich nicht - zu gefährlich! Dass wir jetzt auch Sanitätspersonal schicken, wird sicher auch gern gesehen, aber selbst bewachen dürfen wir unsere eigenen Leute nicht (weil Wachen bewaffnet sind!); das sollen malische (odere andere) Truppen machen. Für die Bundeswehr wäre die bewaffnete Bewachung schon wieder ein "Kriegseinsatz", den natürlich keiner will. Verstehen wird das niemand, denn Deutschland ist ja wohl eins der wenigen Länder der Welt, in der die Regierung IMMER erst das Parlament fragen muss, ob eine Aktion "genehm" ist oder nicht. Vor Torheiten schützen kann der Parlamentsvorbehalt natürlich auch nicht, er verzögert aber und macht unsere Bündnispolitik lächerlich. Zwar haben wir uns diesmal nicht ganz so lächerlich gemacht wie in der Libyen Debatte, aber Zusagen sollten Zusagen bleiben und nicht vom TÜV torpedierbar sein. Apropos TÜV: NATO-Tankstutzen sind standartisiert, das notwendige "Zertifikat" ist Papier der bekannten deutschen Bürokratie, gegen die die Bundeswehr mal ernsthaft ins Feld ziehen sollte...