Blutegel an der Halsschlagader

Ultimativer Wahlversuch in Montenegro Der designierte Sieger Filip Vujanovic wird sich mit der Mafia anlegen müssen, um regieren zu können
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Freie Wahlen, die sie lange entbehren mussten, holen die Montenegriner gerade im Zeitraffer nach. Zum drittenmal in sechs Monaten sind am Sonntag knapp 560.000 Wähler gefordert, nun bitte endlich dem Kandidaten Filip Vujanovic ihre Stimme zu geben. Diesmal bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Abstimmung auch zum Erfolg zu machen. Montenegros junge Demokratie driftet dabei immer mehr von der bloßen Merkwürdigkeit ab zur Farce.

An Vujanovic liegt das am wenigsten: Der derzeitige Parlamentspräsident ist ein präsentabler Kandidat. Der 49-Jährige gilt als treuer, politisch kaum profilierter Platzhalter seines allmächtigen Vorgängers Milo Djukanovic, von dem er 1997 für fünf Jahre das Amt des Regierungschefs übernahm. Er ist einer