lechts wie rinks - über politische Verwirrungen

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Tja, eine rechte "Bilderbuch-Karriere" halt. Aber wirklich bedenklich eigentlich, das es zwischen der extremen Linken und der extremen Rechten in so vielen Fällen so große Gleichheit gibt.

Der Absatz "Wer ist schuld an der Krise? Die Bankenbonzen, die Profitgier, der Kapitalismus, die Globalisierung. Warum sterben deutsche Soldaten am Hindukusch? Weil die Bundeswehr Handlanger fremder Mächte ist, um Kriege für Öl zu führen. Warum gibt es in Wirklichkeit nicht drei, sondern sechs Millionen Arbeitslose in diesem Land? Weil Unternehmen lieber billig im Ausland produzieren, anstatt Deutsche gerecht zu entlohnen."

hätte 1:1 auch direkt von der "Linken" übernommen sein können.

Blöd und blöd gesellt sich halt gern und die Einheitzfront der Arschlöcher ist wohl nicht mehr so weit."

Kommentar zu einem taz- Artikel über einen NPD-Funktionär, www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/kommentarseite/1/fuer-zweifel-ist-es-zu-spaet/kommentare/1/1/

Woher kommt eigentlich diese ständige Gleichsetzerei von links und rechts?? Der Kommentar zeigt, dass der Autor es offenbar nicht verstanden hat, linke von rechten Positionen zu differenzieren:

Auf die Frage wer sei schuld an der Krise, an deutschen Kriegseinsätzen im Ausland (wie berechtigt diese auch sein mögen) und der hohen Arbeitslosigkeit haben Rechte bzw. National(e)sozialisten einfache antworten. Es sei die Gier der Menschen, das Systemimmanente Wesen des Kapitalismus (wobei sie verschweigen, dass sie ihn ja gar nicht abschaffen wollen, sondern lediglich einen deutsch-national tiefbraun eingefärbten anstreben). Schuld sind für National(e)sozialisten letztlich ausländische Kräfte, seien es Individuen oder (soziale) Gruppen.

Eine linke, sich der emanzipation des Menschen von seinen Zwängen verpflichtete Position sieht dagegen anders aus, muss anders aussehen:

Auch hier werden die kapitalistische Ordnung der Gesellschaft kritisiert, aber nicht weil er von sog. ausländischen Mächten gegen 'deutsche' Interessen eingesetzt werde. Zunächst einmal wird die Unterscheidung von 'deutschem' und 'nicht-deutschem' Kapital, die von den National(en)sozialisten vorgenommen wird - Stichwort 'raffendes und schaffendes Kapital' - kritisiert und abgelehnt. Schlimm nur, dass diese Unterscheidung bis hinein in die sog. 'Mitte' der Gesellschaft anzutreffen ist; oder was ist das Bild der meist als us-amerikanisch dargestellten Heuschrecken anderes? Die destruktiven Tendenzen, die in einem kapitalistischen System entfaltet werden, liegt nicht in der Verderbtheit oder gar der Abstammung von Menschen, sondern liegt in den Anreizen und Sanktionen, die im System angelegt sind, begründet. Jeder Mensch kann formell frei handeln, muss sich jedoch um ökonomisch und somit auch sozial bestehen zu können, sich an die Spielregeln halten. Darin lag und liegt doch gerade der Fehler der neoliberalen bzw. marktradikalen Ideologie, alles auf den Markt und seine eisenharten Regeln reduzieren zu wollen und soziale wie politische Freiheit letztlich der Konformität unter einen angeblich anonymen Markt unterzuordnen.
Analog dazu lässt sich die Arbeitslosigkeit (zumindest aus der Theorie heraus) erklären: es liegt - anders als es von faschistischer Seite propagiert wird - nicht daran, dass böse 'Bonzen' den abhängig Beschäftigten nicht genug Lohn zahlen wollen und ins böse Ausland fliehen wollen, sondern daran, dass es strukturell so angelegt ist. Diese auf Konkoruenz und Wettbewerb ausgelegten Strukturen werden z.B. im Liberalismus (dazu braucht man noch nicht mal neoliberale Ideologie bemühen), als Grundbedingung für ökonomisches Wachstum und somit sozialen und politischen Fortschritt und Grundlegegung für eine funktionierende (bürgerliche) Demokratie angesehen.

Somit lösen sich die scheinbaren Überschneidungen von links-emanzipatorischen und rechts-faschistischen Positionen auf. Darüber hinaus, werden stellenweise Ähnlichkeiten von bürgerlichen (letztlich in allen Parteien zu findenden) Annahmen und Überzeugungen mit rechten Argumentationsmustern deutlich.

13:52 23.10.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

nosferatu

undogmatischer vagabund
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare