deutsches Tagebuch, 2

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Die Schlange an der Kasse wird kürzer, ich muss mich beeilen, darf jetzt nicht weiter an Heidelinde und ihr Schicksal denken. Aber als ich bezahlt habe und draußen meinen Rucksack im Fahrradkorb verstaue, steht sie wieder vor meinen Augen und fordert ihre Geschichte ein. Und so beschließe ich, durch die Marschwiesen nach Hause zu fahren. Es ist verdammt kalt, trotzdem, ich weiß, dass die Geschichte sich am besten so weiter erzählt, mit den gefrorenen Pfützen unter den Reifen und den stillen Bäumen am Straßenrand.

Heidelinde hatte einen Freund, der hieß Maximilian und arbeitete als Redakteur bei einer renommierten Tageszeitung. Auch Maximilian liebte das Leben in der S - Klasse. Sie sahen sich am Wochenende, denn Heidelinde lebte in München und Maximilian in Frankfurt. Sie genossen die gemeinsamen Urlaube, bereisten Europa, Amerika und Afrika, Australien und Neuseeland, China und Japan, bewohnten komfortable Hotels und lagen auf den weißen Liegen an den Goldsandstränden unter ihresgleichen.

Und dann kam der Tag, an dem sich die Kirchen, Tempel, Hotels und Goldsandstrände gegen sie wandten. Sie zeigten plötzlich ein fades, ausgedörrtes Gesicht und Heidelinde und Maximilian erschraken und waren ratlos, denn sie stellten fest, dass ihr Leben einem Tod entgegenging, der mitten im Leben beginnt. Als Heidelinde die Anzeige im Internet fand, durchzuckte sie etwas, was sie längst vergessen glaubte, jedoch, es stellte sich keine Erinnerung dazu ein. Ff

18:34 02.12.2010
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Geschrieben von

Novalis

lebt halb in Frankreich, halb in Deutschland, suchte die Blaue Blume, fand sie und erkannte, dass Realität Illusion ist und Illusion Realität.
Novalis

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