Meine Freundin Halima und ich,

ungleicher geht es nicht. Sie, Tochter einer sizilianischen Mutter und eines algerischen Vaters, ich, Tochter einer ostfriesischen Mutter und eines ostfriesischen Vaters.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beide, Halima und ich, wir haben ein ähnliches Problem hier im Poitou-Charentes, im Südwesten Frankreichs. Wir entsprechen beide nicht der Norm des Aussehens. Halima, ganz dem arabischen Bild entsprechend mit Glühkohleaugen und tiefschwarzer Mähne und ich wie frisch aus einem Ostfriesenwitz entsprungen. So wie sie ständig ihre Herkunft erklären muss, geht es mir auch. Auch ich muss ständig Fragen über mich ergehen lassen, ob ich aus Schweden komme oder aus Holland. Deutsch vermutet bei mir keiner. Klammheimlich, ich gebe es zu, freue ich mich darüber. Cela veut dire, ich bin hier eine Fremde, wie meine Freundin, die als Französin geboren ist. Zwei Fremde in einem fremden Land. Ich bin in unserem Dorf als "die Deutsche" bekannt. Meinen persönlichen Namen kann keiner richtig aussprechen.

Halima und ich werden auf der Hochzeit von zwei Männern, guten Freunden von uns, auftreten. In einer kleinen, konservativen Stadt. Als Sommerfeen. Und wir werden das Lied "Plaisir d'amour" singen, allerdings mit geändertem Text.

So sind wir denn alle fremd. Die eine orientalisch, die andere ostfriesisch, die dritten schwul.

00:23 18.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Novalis

lebt halb in Frankreich, halb in Deutschland, suchte die Blaue Blume, fand sie und erkannte, dass Realität Illusion ist und Illusion Realität.
Novalis

Kommentare 24