Aufstand der Anständigen

Gesellschaft Sollten deutsche Professoren oder Intellektuelle sich stärker an der öffentlichen Diskussion beteiligen? Die Zeit stellt diese Frage. Die Realität sieht anders aus.
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Vor Kurzem wurde in der Zeit eine Diskussion angestoßen, ob sich deutsche Hochschullehrer und Intellektuelle stärker am öffentlichen Diskurs, beispielsweise zur "Flüchtlingskrise" beteiligen sollten.

Traurige Wahrheit ist: Die Damen und Herren auf den Lehrstühlen und in den Schreibstuben der Republik wagen sich nur selten ihren Hals in einer Diskussion aus dem sprichwörtlichen Fenster zu stecken. Zu groß die Angst vor öffentlicher Ächtung und Häme. Vielleicht ist hier sogar mit Günther Grass erst kürzlich ein letztes Exemplar einer aussterbenden Art von uns gegangen.

Sind Promis die neuen Intellektuellen?

In der Realität unseres medialen Zeitalters ist es momentan so: Nicht Philosophen, Schriftsteller oder sonstige Menschen, die möglicherweise etwas zu sagen hätten, stellen sich vor die Massen und sagen es einfach. Nein, die gerissene Lücke wird von Prominenten gefüllt, die sich mal mehr, mal weniger rhetorisch geschickt zu aktuellen politischen Themen äußern.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Problematisch wird es bloß, wenn sich ein Herr Schweiger gemeinsam mit Herr Gabriel als großer Flüchtlingsfreund präsentiert, dabei aber galant unter den Teppich fallen lässt, dass Herr Gabriel als Herr deutscher Waffenexporte möglicherweise mehr mit der aktuellen Flüchtlingsmisere zu tun haben könnte, als Herr Schweiger lieb wäre. Aber Schwamm drüber. Das schicke Foto der beiden im Flüchtlingscamp hängt jetzt sicher irgendwo in einer Villa in Hamburg-Niendorf.

Auch die beiden Pro 7 Samstagabend "Blödelbarden" Joko und Klaas haben sich kürzlich per Facebook an ihre Fans gewandt und dabei eine eindrucksvolle Videobotschaft an all jene gesandt, die in den sozialen Netzwerken nur noch durch Hasskommentare auffallen. Zu wissen, dass Joko und Klaas auch eine klare politsche Meinung haben und diese auch öffentlich vertreten vermittelt zumindest mir ein gutes Gefühl. Die beiden für das Video zu über den grünen Klee zu loben und in ihrem Youtube Beitrag den Beginn einer neuen deutschen Humanität zu sehen; Das käme mir nicht in den Sinn.

Denn, alles gesagte mag zwar richtig sein, sollte in einem aufgeklärten aber Land als selbstverständlich angesehen werden. Nur, wir feiern unsere Prominente, die ihre starke öffentliche Präsenz endlich nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen, dafür.

Und Nein, deutsche Promis sind natürlich nicht die neuen Intellektuellen unseres Landes. Fakt ist jedoch, dass es viele Promis leichter haben ihre Meinung Öffentlichkeitswirksam zu platzieren. Dem Fernsehen und Internet sei Dank!

Es riecht ein wenig nach Selbstgefälligkeit.

Wenn sich nun also vermehrt prominente Menschen aus Funk und Fernsehen ( darunter auch ARD-Frau Anja Reschke ) hinstellen und gegen die "doofen Nazis" wettern, die in den sozialen Netzwerken nichtmal richtig deutsch schreiben können, dann bleibt ein Eindruck von Selbstgefälligkeit haften. Es scheint, als ob wir uns allzu stark selbst vergewissern müssten wir seien die Guten. Dabei geht es hier gar nicht darum.

Es geht darum sich zu fragen was die Ursachen für die große Flut schlicht abstoßender Kommentare in sozialen Netzwerken ist. Wir sollten Ursachenforschung betreiben, woran das liegt. Darüber hinaus ist es mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger die Fragen zu stellen nach den Ursachen der Flüchtlingsströme. Es kann in unserer modernen Welt nicht sein, dass Menschen vor Tod und Zerstörung fliehen müssen. Es darf nicht sein, dass Menschen ihr Land verlassen, weil sie sonst keine Perspektive mehr für sich und ihre Familie sehen. Um hier nicht unnötig Patriotismus zu strapazieren schreibe ich nichts davon, dass es Deutschlands unwürdig sei. Nein, es ist nicht Deutschlands unwürdig. Es ist unwürdig aller Errungenschaften eines aufgeklärten christlich jüdischen Abendslandes, für welches verirrte Menschen Anfang des Jahres noch auf die Straße ging. Hier stellt sich die Frage wie es sein kann, dass eine so große Masse an Menschen zwar für die Erhaltung des christlichen Abendslandes kämpfte, jedoch die Kernbotschaft des Glaubens, die Nächstenliebe einfach vergisst.

Auch darüber lasst uns sprechen, in unserem Aufstand der Anständigen!

Anmerkung: Dieser Text ist teils inspiriert von einem Beitrag Jan Jessens in der NRZ.

18:20 30.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

NP

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